In den Nachrichten
Lisa Eck­hart

Eine öster­rei­chi­sche Lang­wei­le­rin darf in Ham­burg nicht auf­tre­ten, weil der Ver­an­stal­ter auf­grund eines ande­ren Sati­re­ver­ständ­nis­ses von einem eher lin­ken Mob bedroht wur­de. Das ist eine selt­sa­me Art des Umgangs mit Klein­künst­lern; ich mag Die­ter Nuhr zum Bei­spiel auch nicht, aber bin durch­aus in der Lage, mich mit sei­nem out­put dar­um ein­fach nicht wei­ter zu beschäf­ti­gen, statt das zu einem Pro­blem ande­rer Leu­te zu machen.

Grund­sätz­lich nei­ge ich ja dazu, bezüg­lich des beruf­li­chen Benach­tei­li­gens von Kaba­ret­ti­sten und Sati­ri­kern, die ein auf­ge­brach­ter Pöbel nicht mag, auf Wer­ner Fin­ck („Kom­men Sie mit oder soll ich mit­kom­men?“) zu ver­wei­sen, aber ich bezweif­le das histo­ri­sche Ver­ständ­nis des Pöbels. In jün­ge­rer Zeit, es ist noch nicht lan­ge her, war noch fast jeder Char­lie, weil Sati­re – nach Tuchol­sky, aus des­sen Grab man der­zeit auch einen gran­dio­sen Motor machen könn­te, hät­te man ihn nur begra­ben und nicht vor­her ver­brannt – alles dür­fe, selbst Moham­med­ka­ri­ka­tu­ren abdrucken. Ande­rer­seits ist der Anschlag auf die Char­lie-Heb­do-Redak­ti­on auch schon wie­der fünf­ein­halb Jah­re her und selbst­ver­ständ­lich etwas völ­lig ande­res, denn Lisa Eck­hart hat kei­ne Iko­nen von Gewalt­tä­tern wit­zig gezeich­net, son­dern unter ande­rem Anti­se­mi­ten den Spie­gel vor­ge­hal­ten. Als hin­rei­chen­den Anlass für das gemein­schaft­li­che Vor­ge­hen gegen ihre Auf­trit­te wur­de wie­der­holt fol­gen­der Aus­schnitt aus einer auch sonst sehr unin­ter­es­san­ten Sen­dung des West­deut­schen Rund­funks genannt:

Die Wahr­schein­lich­keit, dass sich einer mei­ner Leser jetzt dazu auf­ge­ru­fen fühlt, wahl­wei­se der Künst­le­rin oder einem der von ihr auf­ge­zähl­ten Grup­pen Gewalt anzu­tun, hal­te ich für ent­span­nend gering. Man könn­te argu­men­tie­ren, dass das Gese­he­ne und Gehör­te aber zumin­dest nicht lustig sei, was auf Twit­ter echt pas­siert ist, und sich dar­über aus­las­sen, dass das Belei­di­gen alter Leu­te sei­tens des WDRs viel wit­zi­ger gewe­sen sei.

Oder man lernt end­lich was aus der Geschich­te und drückt bei Miss­fal­len mit dem Auf­tritt eines Komö­di­an­ten nicht etwa 110 auf dem Tele­fon, son­dern den Aus­schalt­knopf des Fern­se­hers.

Das ist auch viel ent­span­nen­der dann.

Senfecke:

  1. Wenn es eine sehr intel­li­gen­te Form der Sati­re war, muss Frau E. damit rech­nen, dass ihr Publi­kum sie nicht ver­steht. War­um läßt Du nicht die Ziel­per­so­nen zu Wort kom­men:

    https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/judenhass-im-deckmantel-der-satire/

    Bis­her hat sich aller­dings noch nie­mand die Mühe gemacht, Ihre Gags seman­tisch aus­ein­an­der zu neh­men. Was Ber­ger bei den Nach­denk­sei­ten schreibt ist nicht das Gel­be vom Ei.

  2. 1. Pres­se­mit­tei­lung des Ver­an­stal­ters:
    „Ange­sichts der Erfah­rung mit der Mar­ten­stein­Le­sung und nach besorg­ten War­nun­gen aus der Nach­bar­schaft (nicht, wie inzwi­schen kol­por­tiert, „Dro­hun­gen“) waren wir uns sicher, daß die Lesung mit Lisa Eck­hart gesprengt wer­den wür­de, und zwar mög­li­cher­wei­se unter Gefähr­dung der Betei­lig­ten, Lite­ra­ten wie Publi­kum.“

    https://www.nochtspeicher.de/presse

    Den „Schwar­zen Block“ hat die bür­ger­li­che Pres­se ein­ge­spielt.

    2. Bei­spiel Zitat Eck­art: „„Fin­den Sie die­ses #metoo nicht auch anti­sem­tisch? Es ist ja wohl nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestat­ten ein paar Frau­en anzu­grei­fen.“ Zur Mei­nungs­frei­heit gehört auch, so etwas zu kri­ti­sie­ren.

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