Sonstiges
Nach der Frei­heit

Die glück­li­chen Skla­ven sind die erbit­tert­sten Fein­de der Frei­heit.
Marie von Ebner-Eschen­bach

Die Abrie­ge­lung geht in die näch­ste Run­de. Sperrt sie end­lich alle ein! Es ist alles in bester Ord­nung, man las­se sich da nichts ande­res ein­re­den. Es ändert sich ja auch vie­les zum Bes­se­ren: Jeman­den im Super­markt mit dem Ein­kaufs­wa­gen umzu­nie­ten ist end­lich ver­bo­ten, Par­tei­en ver­su­chen sich schlap­pe vier­zehn Jah­re nach Grün­dung der Pira­ten­par­tei stolz an vir­tu­el­len Sit­zun­gen, ande­ren Leu­ten sei­ne schwei­ßi­gen Hän­de zu rei­chen ist end­lich ver­pönt und es ist über­all ange­nehm men­schen­arm. Selbst die System­re­le­van­ten, die noch 2019 dar­über klag­ten, dass sie für zu viel Arbeit für zu unfreund­li­che Kun­den zu schlecht bezahlt wer­den, bekom­men jetzt mehr Geld mehr Ent­la­stung Applaus.

Dem gegen­über ste­hen frei­lich die neu­en Gefah­ren. Hät­te etwa die CDU schon vor eini­gen Jah­ren geahnt, dass sich Men­schen frei­wil­lig einen Staats­tro­ja­ner instal­lie­ren wür­den, wenn sie dar­über Video­kon­fe­ren­zen abhal­ten kön­nen, hät­ten wir alle heu­te schnel­le­re Inter­net­ver­bin­dun­gen. Scha­de! Wenig­stens das Robert-Koch-Insti­tut („Robert Koch-Insti­tut“, schö­ner Name auch) macht sich die tech­ni­sche Auf­ge­schlos­sen­heit zunut­ze: Dort arbei­te man, berich­te­te jüngst die „Tages­schau“ („tages­schau“), zur­zeit statt an der Standort­über­wa­chung an an einer App, die der Viren­ver­brei­tung die­nen soll. Klingt nütz­lich. Ver­mut­lich aus dem glei­chen Grund ruft es, gen­der­spricht die „taz“, zu „Daten­spen­den“ auf. Lei­der habe ich mei­nen Daten­spen­der­aus­weis neu­lich ver­lo­ren, aber Behör­den haben gera­de eh viel zu tun.

Wer kei­nen selbst­ge­klöp­pel­ten Mund­schutz tra­ge, gefähr­de ande­re, kol­por­tie­ren die weni­ger Schlau­en. Dass in einer (metho­disch schwa­chen) Stu­die her­aus­ge­fun­den wur­de, dass das nicht nur schei­ße aus­sieht, son­dern über­dies von weni­ger Mehr­wert beglei­tet ist als ein­fach dar­auf zu ver­zich­ten, ande­re Men­schen anzu­spucken, ver­brei­tet sich weni­ger schnell als man anneh­men soll­te. Ver­nunft ist optisch sel­ten wahr­nehm­bar und was man nicht sieht, eig­net sich nicht zum Popu­lis­mus (außer Reli­gi­on). Ich habe den erstaun­li­chen Effekt an mir selbst fest­ge­stellt, dass ich von Men­schen mit einem Tuch vor dem Gesicht, das ja vor allem zu mei­nem Schutz die­nen soll, instink­tiv einen grö­ße­ren Abstand hal­te als von nor­ma­len Men­schen. Das könn­te die glei­che psy­chi­sche Ursa­che haben wie der Umstand, dass ich auch von zu mei­nem Schutz bewaff­ne­ten Knall­köp­fen („Sol­da­ten“) weni­ger gern umge­ben bin als von unbe­waff­ne­ten Men­schen. Ich wer­de dar­über bei­zei­ten nach­den­ken, es ist ja gera­de nicht viel ande­res zu tun.

Das fak­ti­sche Rei­se­ver­bot, Besuchs­ver­bot und Buch­le­se­ver­bot im Frei­en, meist beglei­tet von einer recht­li­chen Unsi­cher­heit, weil es vor allem den Kon­trol­leu­ren obliegt, Augen­maß ein­zu­set­zen, mag eben­so wie das medi­al bewor­be­ne Sich­ver­fol­gen­las­sen nach der Kri­se wie­der zurück­ge­fah­ren wer­den, aber der Samen ist gesetzt: Die Ein­woh­ner Bay­erns, des Vor­rei­ter­lan­des in gefähr­li­chen poli­ti­schen Ideen, wür­den sich gera­de mit gro­ßer Mehr­heit was ver­bie­ten las­sen, sie kön­nen sich nur noch nicht ent­schei­den, von wem. Ich klat­sche vom Bal­kon, aller­dings als Fol­ge des Sprungs. Was ist Frei­heit eigent­lich wert, wenn sie nur in ruhi­gen Zei­ten gilt?

Die Maß­nah­men enden irgend­wann nach Ostern, gibt die Regie­rung des Sou­ve­räns sou­ve­rän bekannt. End­lich kann man dann wie­der Pfle­ge­kräf­ten und Kas­sie­rern appl­aus­frei beim unter­be­zahl­ten Aus­bren­nen zuse­hen, bei Geschäfts­ter­mi­nen Fische quet­schen, in Schlan­gen dem Vor­der­mann in den Nacken atmen und vor allem die­sen gan­zen Online­fir­le­fanz wie­der weg­las­sen. Es ging doch immer schon ohne. Haben wir schon immer so gemacht. Tra­di­ti­on. Dass aber mit­tels Ver­ord­nun­gen die Exe­ku­ti­ve fak­tisch judi­ka­ti­ve Gewalt bekommt, ist ein Ärger­nis, das die Situa­ti­on gera­de zu akzep­tie­ren hilft. Wenn wir uns jetzt aber gera­de in der Zeit zwi­schen der Frei­heit befin­den, was man jetzt eben so hin­neh­men müs­se: Was wird nach ihr kom­men?

Alles Unheil kommt von einer ein­zi­gen Ursa­che: dass die Men­schen nicht in Ruhe in ihrer Kam­mer sit­zen kön­nen.
Blai­se Pas­cal

Senfecke:

  1. Wir sind nicht zwi­schen zwei Pha­sen der Frei­heit, son­dern zwi­schen zwei Lock­downs.

  2. Da für 90% der Men­schen Frei­heit aus der Wahl zwi­schen Rai­der und Twix besteht gibt es nichts zu ver­tei­di­gen. Wie schnell der Deut­sche zum Auf­stand bereit ist, sah man beim Vor­schlag „Veggie Day“.
    :hitler:
    Ich glau­be, es war Her­mann Göring, der irgend­wann in den 1930er Jah­ren sag­te, „Wenn im näch­sten Krieg 2 von 3 Men­schen hun­gern müs­sen, wird kein Deut­scher dabei sein.“
    Und da man die­ses Ver­spre­chen bis zum 08.05.1945 erfüll­te, ist doch ein für alle­mal geklärt, was in die­sem Land geht und was nicht.

  3. Es könn­te auch dar­an lie­gen daß die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung die­sem Inter­nett eine gerin­ge Bedeu­tung bei­mißt. War­um soll man ein Medi­um in dem man Kat­zen­bil­der rum­zeigt nicht kon­trol­lie­ren? War­um soll Schop­ping nicht siche­rer wer­den?

    Was Denun­zie­zi­ons­fan­ta­sien angeht darf ich in an Böm­mel­manns Rekon­qui­sta Inter­netz ver­wei­sen. Sowas zün­det unab­hän­gig von der poli­ti­schen Ver­or­tung.

  4. Muss­te bei dem Inro von der Ebner-Eschen­bach an Ste­phen aus „Djan­go unchai­ned“ und an die Elois/Morlocks aus der Zeit­ma­schi­ne den­ken…
    und wo wir uns posi­tio­nie­ren…
    und wo wir mei­nen zusein und wo wir tat­säch­lich sind?!

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