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Kom­for­ta­bel, sicher und gefähr­lich: Linux als Wer­be­mit­tel für Clo­sed Source

„hei­se online“, 16. Mai 2019:

Linux kom­for­ta­bel und sicher ent­sper­ren

Man kann recht ein­fach eine Pass­wort­ab­fra­ge durch eine Gesichts­er­ken­nung erset­zen.

„hei­se online“, heu­te:

Sicher­heits­gau bei der Bio­me­trie­da­ten­bank „Bio­star 2“ der süd­ko­rea­ni­schen IT-Fir­ma Supre­ma: (…) Die Exper­ten konn­ten sich nach eige­nen Anga­ben ohne gro­ße Mühen Zugang zu 27,8 Mil­lio­nen Ein­trä­gen ver­schaf­fen, die 23 Giga­byte an Daten aus­mach­ten. Dar­un­ter waren neben unver­schlüs­sel­ten Pro­fil­in­for­ma­tio­nen wie Nut­zer­na­men und Pass­wör­tern über eine Mil­li­on Fin­ger­ab­drücke sowie eine unge­nann­te Zahl an Gesichts­bil­dern.

Jemand soll­te mal eine Mög­lich­keit erfin­den, sich in irgend­ei­nem elek­tro­ni­schen System anzu­mel­den, ohne sei­ne Bio­me­trie preis­ge­ben zu müs­sen. Dass dar­auf noch nie­mand gekom­men ist!


Zu mei­ner beson­ders aus­blei­ben­den Über­ra­schung ist die „Open Source Sum­mit“ der Linux Foun­da­ti­on, eine Art Selbst­ap­plaus von Fir­men, die ihr Geld damit ver­die­nen, Benut­zer schlech­ter Betriebs­sy­ste­me zu ver­klap­sen, gar kei­ne Open-Source-Ver­an­stal­tung, son­dern eine Wer­be­ver­an­stal­tung für pro­prie­tä­re Soft­ware. Das passt her­vor­ra­gend ins Bild. Wohl dem, der sei­ne genutz­te Soft­ware nach ihrer Nütz­lich­keit und nicht nach ihrer Ethik bewer­tet!

Senfecke:

  1. Im Prinzp haste ja recht, aber bei die­sem Pro/Contra OS xy gibt es doch auch stich­hal­ti­ge Argu­men­te. Z.B. dass ich mit einem ‚Linux‘ wach­sen kann, lustig drin rum­pfu­schen und mir eins basteln, das mir passt. Mit die­sem systemd-Geraf­fel wird das frei­lich schwer rela­ti­viert, hmpf. Was spricht ande­rer­seits für z.B. Win­dows, wo ich gar kei­nen Ein­fluss habe, weil ich eine Black Box kau­fe, in der u.a. jahr­zehn­te alte Bugs und Tore stecken. Könn­te ich lusti­ge Sto­ries von erzäh­len, wie es Groß­kun­den gefickt hat, aber so rich­tig. Ich mei­ne ja zumin­dest (mir egal, ob wer das jetzt „ethisch“ nennt), dass ich, wenn ich schon beim Soft­ware-Mogul ein­kau­fe, wenig­stens ein Mini­mum an Zuver­läs­sig­keit haben will. Von der Archi­tek­tur, Design­ka­ta­stro­phen (Menü­füh­rung, Rech­te­ma­nage­ment, sinn­lo­se Kom­ple­xi­tät) und Geschäfts­mo­dell her ist Win­dows eben­so mies wie Fire­fox. Oder Word­Press. Oder … . Soft­ware sucks. It’s 2019, isn’t it?

    p.s.: I did not men­ti­on the K‑word.

    • Wie vie­le Men­schen, die vor­brin­gen, sie könn­ten in Linux rum­pfu­schen, wären über­haupt theo­re­tisch in der Lage dazu?

      • Eine schö­ne rhe­to­ri­sche Ant­wort, äh, Fra­ge. Damit ist dann die Abhän­gig­keit von einem unzu­ver­läs­si­gen pro­prie­tä­ren Soft­ware­pro­du­zen­ten alter­na­tiv­los?

        • Nein, anders: Der Vor­teil des­sen, dass ein Pro­du­zent von Din­gen, deren Funk­ti­ons­wei­se du nicht ver­stehst, dir auf Wunsch etwas zeigt, was du eben­falls nicht ver­stehst, hält sich für dich in Gren­zen. Die aller­mei­sten Men­schen, die sagen, Open Source sei für irgend­wen außer Ent­wick­lern und Sicher­heits­for­schern von Vor­teil, ver­stum­men plötz­lich, wenn man sie fragt, wel­chen Vor­teil sie davon haben.

          Ich tip­pe dies hier gera­de in einem Open-Source-Brow­ser – aber weder ver­ste­he ich, was er war­um tut, noch möch­te ich es her­aus­fin­den. Ein­fach, weil es für mich völ­lig unin­ter­es­sant ist: Das Ding soll halt lau­fen.

          • Das ist halt ein Grund, war­um ich immer emp­feh­le, den sach­li­chen Kern zu benen­nen. „Leu­te, die …“ sind ja vie­le. Idio­ten wie Klu­ge Köp­pe. Ich ver­su­che daher meist, mich an den besten Argu­men­ten einer Gegen­sei­te abzu­ar­bei­ten und nicht an abstrak­ten Äuße­run­gen abstrak­ter Grup­pen.
            Mein Argu­ment ist, dass nach mei­ner Erfah­rung pro­prie­tä­re Soft­ware sehr oft das Geld nicht annä­hernd wert ist, das in ihre Infra­struk­tur gesteckt wer­den muss (auch Win­dows braucht ja wen, der es auf­etzt und pflegt, des Clu­st­er­fucks näch­ste Schach­tel). Zudem hat gera­de Micro­soft mit sei­ner Stra­te­gie, User von ihren Pro­duk­ten abhän­gig zu machen (jaja, das nennt sich „Erfolg“, „Wachs­tum“ und „Gewinn“) dafür gesorgt, dass Abzocker ihre Bana­nen­wa­re bei voll­ver­blö­de­ten Usern ver­klap­pen kön­nen. Das ist eine Dis­kus­si­on von gestern, die aber erklä­ren kann, war­um vie­len Men­schen bestimm­te Kon­zer­ne und ihre Pro­duk­te unym­pa­thisch sind. Durch­aus aus guten Grün­den.

            • Micro­softs Soft­ware ist von wech­seln­der Qua­li­tät. Über Win­dows 98 konn­te ich mich sei­ner­zeit auch herr­lich auf­re­gen, weil es gegen­über Win­dows 95 zwar schö­ne­re Sym­bo­le, aber sonst eigent­lich nur Nach­tei­le mit sich brach­te. Win­dows 10 ent­schei­det auch je nach Tages­form, ob es mir gera­de mal gefal­len möch­te oder lie­ber doch nicht.

              Nur: Open Source macht das bei mir auch. Ich habe in den ver­gan­ge­nen paar Jah­ren immer mal wie­der Open Source (u.a. Libre­Of­fice) durch pro­prie­tä­re Lösun­gen ersetzt und es kein ein­zi­ges Mal bereut. Es mag Zufall sein, aber bei Open Source zahlt halt kei­ner für Qua­li­täts­si­che­rung, das ist oft spür­bar ein ziem­li­cher Brei. Das heißt frei­lich nicht impli­zit, dass „bezahlt = gut“ gilt, aber: Wenn ich ein rela­tiv wich­ti­ger Mensch mit rela­tiv wich­ti­gen Datei­en wäre und wol­len wür­de, dass ich sie in zehn Jah­ren noch benut­zen kann, grif­fe ich auf Grund­la­ge mei­ner per­sön­li­chen aktu­el­len Erfah­run­gen nicht zuerst zu Gra­tis­ge­raf­fel. Das ist mir ein­fach zu oft auf die Füße gefal­len. Sicher­lich: Für die mei­sten reicht’s …

              Dass da eine Indu­strie dran­hängt, die vor allem finan­zi­ell über­le­ben möch­te und nicht unbe­dingt das Bedürf­nis hat, etwas mehr in bes­se­re Kun­den­zu­frie­den­heit zu inve­stie­ren, steht ja noch auf einem ande­ren Blatt. Die wird man bei den Linux­ern ja – sie­he Letzt­link – auch nicht los, ganz im Gegen­teil. Bloß, dass Kun­den da eher über Ärger­nis­se drü­ber­weg­zu­se­hen schei­nen. „Kost ja nix.“

          • Hm.. ich mag ein abso­lu­ter Ein­zel­fall sein, aber sowohl pri­vat als auch beruf­lich habe ich mas­si­ve Vor­tei­le bei der Nut­zung von Open­So­ur­ce Soft­ware und Libra­ri­es.

            Zum einen wer­den ohne mein Zutun alte Gerä­te unter­stützt, die ich nicht neu­kau­fen muss. Auf dem Mac lau­fen sie gar nicht. Für Win­dows gibt es nur noch Win­dows­2000-Trei­ber, die unter 7 oder 10 nicht lau­fen. Hab neu­lich 3h ver­sucht ein M‑Audio Inter­face unter Win­dows 10 zum Lau­fen zu bekom­men. Kurz vor der Resi­gna­ti­on hab ich es ein­fach mal unter Ubun­tu pro­biert, funk­tio­nier­te out-of-the-box. Obwohl Linux ja nicht für Audio gehen soll. Dann hab ich Ardour gestar­tet und auch das lief out-of-the-box für eine Mehr­spur­auf­nah­me.

            Nun konn­te ich mein iPho­ne vor ein paar Jah­ren nicht mit mei­nem Ubun­tu ver­bin­den (weil der Trei­ber zu alt ist). Statt Macht­lo­sig­keit bin ich recht schnell dar­auf gesto­ssen, dass der aktu­el­le Trei­ber noch nicht in Debi­an unsta­ble war. Als work­around hat ihn ein Ent­wick­ler schnell ein­ge­baut und ich hat­te 2 Tage spä­ter wie­der eine Ver­bin­dung. Als das glei­che spä­ter wie­der pas­sier­te war ich mitt­ler­wei­le selbst in der Lage das Paket in Debi­an unsta­ble zu aktua­li­sie­ren und einen Import in Ubun­tu anzu­sto­ssen. Ich hat­te es also selbst in der Hand für alle iPho­ne-User unter den Ubun­tu-Nut­zern die Funk­ti­on wie­der­zu­stel­len. Ja, ich bin Ent­wick­ler, pro­fi­tie­ren tun ja aber auch die rei­nen User.

            Beruf­lich ist die­se Selbst­er­mäch­ti­gung noch mal eine ganz ande­re Num­mer. Dadurch, dass wir kom­plett auf Open­so­ur­ce set­zen (Office-Bereich und Desk­top­be­triebs­sy­ste­me aus­ge­nom­men) sind wir ein­fach sehr fle­xi­bel und nicht an Fremd­an­bie­ter gebun­den. Was wir brau­chen, bau­en wir ein­fach (ein).

            • Zum einen wer­den ohne mein Zutun alte Gerä­te unter­stützt, die ich nicht neu­kau­fen muss.

              Ja, das ist klar Ein­zel­fall. Selbst Open­BSD schmeißt dau­ernd irgend­wel­che alten Platt­for­men raus, weil sie kei­ner mehr frei­wil­lig pfle­gen will. Wird halt auch kei­ner für bezahlt. Was Linux und Audio angeht: Pul­se­au­dio ist ein Krampf, den sich anzu­tun ich nie­man­dem emp­feh­le, der gern Ton im Web­brow­ser hät­te.

              Ja, ich bin Ent­wick­ler

              Wenn du Code lesen, ver­ste­hen und schrei­ben kannst, ist Open Source eine fei­ne Sache. Abhän­gig von der Lizenz natür­lich. Wenn du es nicht kannst, brin­gen dir die Usa­bi­li­ty­nach­tei­le nichts.

              • > Pul­se­au­dio

                Dar­auf bezog sich mein Kom­men­tar. Mag sein, dass es schei­sse ist. Ich ken­ne aller­dings nur Linux­er, die sich drü­ber auf­re­gen und sich ihre ALSA-Kon­fi­gu­ra­ti­on zurück­wün­schen.

                Aus User-Sicht funk­tio­niert das ein­fach trans­pa­rent und sogar in kom­ple­xe­ren Sze­na­ri­en ohne Ein­griff, wie ich es sonst nur von macOS ken­ne.

                Kon­kret in mei­nem Fall: Als ich Ardour öff­ne­te hat Pul­se­au­dio auto­ma­tisch erkannt, dass da ein Pro­gramm im JACK bit­tet und sich selbst on-the-fly deak­ti­viert und nach Been­den von Ardour wie­der akti­viert. Ich weiss ja nicht wie vie­le Jah­re dei­ne Pul­se­au­dio-Erfah­rung alt ist, aber der Kram läuft mitt­ler­wei­le. :)

    • Du hast als Ein­zel­kämp­fer kaum eine Chan­ce. Ent­we­der so wie Goo­gel, Ker­nel for­ken und sein eige­nes User­land dran­kle­ben. Oder mit der Meu­te mit­schwim­men und zuse­hen wie Ande­re dir den Code unterm Arsch weg­zie­hen. systemD war nur ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel, es wird stän­dig was geän­dert was dir nicht auf den Schirm kommt.

  2. Sind wohl die spe­zi­el­len „ich-weiss-nicht-wie-das ‑passiert-ist“-Spezialspezialisten.…
    gibt’s aber über­all?!
    Oder???!!!

  3. Die­se gan­zen Bio­me­trie Befür­wor­ter müss­ten ein­fach nur mal Demo­li­ti­on Man schau­en, da gab’s so eine Sze­ne mit einem Kugel­schrei­ber und einem Aug­ap­fel …

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