(Und da wäre dann noch die zwickende Erinnerung an die immer weiter tickende Lebensuhr, und bei jedem Ticken freut man sich, dass es noch nicht zu spät ist, vor lauter Perspektiven sieht man sich selbst schon nicht mehr im Spiegel und will das auch eigentlich gar nicht, man setzt sich dann also lieber hin auf den gemütlichen Stuhl, der sich “Lebensweg” nennt, und schaut fröhlich in alle Richtungen. Ich sollte mal, ich könnte eigentlich, aber was soll’s, ist ja noch Zeit. Man ist noch lange keine 30, jeder Tag kommt einem ohnehin ewig vor. Nur keine Hektik. Der Herrgott hat die Zeit gemacht, von Eile hat er nichts gesacht. Bisher hat alles gut funktioniert, und man könnte, wenn man wollte, also warum beeilen, die anderen versumpfen ja auch. Leben ist jetzt, und wenn’s morgen auch noch ist, denken wir morgen noch mal drüber nach und beginnen wieder bei “Und da wäre dann noch”. Man könnte Musiker werden, Texte kann man und eine Gitarre hat man auch schon mal gesehen, ach ja, eine Band oder wenigstens ein Aufnahmegerät wäre mal toll; suche ich dann nachher oder kaufe ich dann später. Vielleicht. Bis dahin: Lyriker. Gedichte und Prosa verfassen und sich ungeheuer wichtig dabei vorkommen, irgendwer wird’s schon lesen wollen. Und wenn nicht? Dann verdient man sich eben was dazu. Programmieren, klar, macht man ja eh den ganzen Tag und verdient manchmal, wenn man Glück hat, sogar ein paar Währungseinheiten damit, dies ist eine freie Welt, wenn du es nicht machst, macht es wer anders, also lassen wir das mit dem Risiko mal, und die unfertigen Lebensentwürfe liegen beschriftet und säuberlich eingeheftet bereit, man ist ja noch jung und muss sich noch nicht festlegen, aber man hat dann schon mal was, womit man was anfangen kann, wenn man mal angefangen hat. Und in ruhigen Momenten, in denen man denkt, so, jetzt könntest du dann mal anfangen, fragt man sich dann lieber, warum man denn überhaupt noch nicht angefangen hat, und schreibt Texte wie diese. Suche Motivation, gern auch gebraucht.)
Du hast wieder alles gegeben, hast alles genommen,
warst nicht nur daneben, hast dich auch so benommen,
bist wenigstens deinem Leben ’ne Nacht lang entkommen;
das Problem ist nur, eben hat es zu dämmern begonnen…


Du hast so recht mit diesen Worten. Viel zu oft bemerkt man, das man sich immer noch im Wartezimmer des Lebens befindet. Immer darauf wartend, das man ein “der nächste BItte” hört, um dann endlich aufstehen zu können und loszulegen.
Gefällt mir. +1 Du hast vollkommen Recht! Arrrrr! Hätte man nicht warten können?! Ein Leser mehr!