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Kurzkritik: Altare Thotemico — Sogno Errando

Wer meinen bish­eri­gen Musikrezen­sio­nen ein paar Minuten Aufmerk­samkeit geschenkt hat, dem mag aufge­fall­en sein, dass es bei mir sehr sel­ten vorkommt, dass ich ital­ienis­chen Gesang für erträglich halte. Die Sprache klingt gesun­gen ein­fach meist scheiße. Um so erfreulich­er ist es, wenn diese Regel eine Aus­nahme find­et. So ist es zum Beispiel beim bolog­ne­sis­chen Sex­tett Altare Thotemi­co, dessen zweites Album namens “Sog­no Erran­do” (Amazon.de, TIDAL) 2013 veröf­fentlicht wor­den ist und so klingt, wie es heißt, näm­lich nach ein­er Traumwan­derung.

Zwar wird auf “Sog­no Erran­do” eine Menge gesun­gen und in den weni­gen furcht­baren Momenten klingt es dann auch nach ein­er üblichen ital­ienis­chen Operette, aber dieses Ächz wird schnell unter einem großen Hur­ra bne­graben, denn Sänger Gian­ni Ven­turi kann mit der lan­destyp­is­chen Knödelei offen­sichtlich so wenig anfan­gen wie ich und bietet stattdessen eine gar nicht mal allzu gewollt wirk­ende Inter­pre­ta­tion Peter Ham­mills dar, was zur hier gehörten Musik auch deshalb gut passt, weil das Sax­ophon — mal melodisch sin­gend, mal avant­gardesque brodel­nd bis eskalierend — hier zusam­men mit dem Klavier eine führende Rolle übern­immt. Ich höre hier eine Menge Jazz, all­ge­gen­wär­tig sind aber eben auch seine Zöglinge von Van der Graaf Gen­er­a­tor, auf­fal­l­end nah ins­beson­dere in “Le Cor­ren­ti Sot­ter­a­nee” und dem Titel­stück “Sog­no Erran­do”.

ALTARE THOTEMICO ’ LE CORRENTI SOTTERANEE’

In erst­ge­nan­ntem Stück bin ich mir zudem ziem­lich sich­er, die frühen King Crim­son wiederzuerken­nen, und auch Welt­musik und Kam­mer­rock, wie sie unter anderem After Cry­ing vor Jahrzehn­ten schon in Har­monie gebracht haben, sind den Musik­ern nicht fremd. Dass in den Stück­en, die einen englis­chen Titel tra­gen, näm­lich in “Bro­ken Heart” und dem angemessen ver­rück­ten “Neu­ro Psy­cho Killer”, mit für manche Ohren amüsan­tem Akzent auf Englisch gesun­gen wird, fällt tat­säch­lich auch nicht mehr auf: Erfreut von der jaz­zrock­i­gen Wucht des Albums bemerkt man die Sprache schon längst nicht mehr.

ALTARE THOTEMICO ” Bro­ken heart” Live in stu­dio!

Ital­ien: Warum nicht gle­ich so, warum nicht immer? Perlen wie diese sind es, die mir die Musik nicht lang­weilig wer­den lassen. Gern mehr davon!

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