Als “Denk-Ort sexuelle und geschlechtliche Vielfalt” soll an der Hamburger Alster ein gläsernes Kunstwerk in Regenbogenfarben entstehen. (…) Ziel des Denkortes sei es, Respekt und Anerkennung zu thematisieren und Sichtbarkeit für alle Personen der Community zu schaffen.
…, abgesehen von den Fragen, ob erstens Respekt nicht (eine weitere Lehre aus Diktaturen) etwas ist, was man sich selbst erarbeiten muss und nicht per Sprech- oder Skulpturenbauakt einfordern kann, und wie zweitens diejenigen “Personen der Community”, die mit “der Community” lieber nichts zu tun haben wollen, hier eingebunden wurden und werden: Wenn man erreichen möchte, dass zum Beispiel polyamore Pansexuelle “sichtbarer” gemacht werden sollen, wäre es dann nicht zielführender, ihnen ein Schild umzuhängen, damit man sie überhaupt als solche erkennt?


Leuten Schilder umzuhängen, um sie als irgendwas zu kennzeichnen, hat ja nicht bloß hierzulande eine eher unschöne Tradition. Dennoch find ich die Idee eigentlich gar nicht so übel. Vielleicht gingen regenbogenbunte Schilder in Herzform?
Ich bin für Sterne. Sterne sind schön.
Schön schon, das mag sein. Aber leider auch maskulin. Und die Dinger neigen zum Explodieren, wenn sie mal alt sind. Und dann machen sie alles um sich herum kaputt, was unachtsam, übergriffig und toxisch ist, also typisch männlich. Nein, es gingen wohl wirklich bloß die — genderneutral zu lesenden — bunten Herzchen, tut mir leid.
Noch mehr Kunstwerke und Dinge die mich zum Nachdenken anreden sollen. So langsam nimmt das, gefühlt, doch überhand.
Klar, für den BWLer ist es eine einfache Sache. So ein Kunstwerk ist eine einmalige Investition und erzeugt kaum Folgekosten. Hinterher kann man sich immer darauf berufen, dass das Kunstwerk ja die Bevölkerung erleuchten sollte und dass die Bevölkerung selbst schuld ist, wenn sie das nicht nutzt. Kindern und Jugendliche permanente Angebote wie Vereine anzubieten die eine allgemeine Moral- und/oder Ethikvorstellung verbreiten erzeugt hat Folgekosten.
In Braunschweig hat man einen „Regenbogenstreifen“ errichtet. Am Tag der Errichtung ließ sich die Stadtpolitik vor und/oder auf ihm fotografieren und seitdem fahren da vor allem Busse drüber. Das regt auch an, vor allem die Verdauung.
Wie “errichtet” man einen Streifen – vor allem, wenn da Busse drüber fahren sollen? Oder muss man sich den Braunschweiger Busverkehr als Achterbahn vorstellen? Letzteres würde zumindest die Verdauung der Braunschweiger anregen.
Eine Errichtung muss nicht zwangsläufig vertikal geschehen.
Laut Duden muss es das schon. Auf der Webseite der Stadt Braunschweig heißt es, der Streifen wurde “aufgebracht” und anschließend “offiziell seiner Bestimmung übergeben”. Da der Streifen nun auf der Straße klebt, wird diese Bestimmung wohl das Drüberlatschen sein. So werden die bunten Regenbogenfarben vermutlich bald verdreckt und der Traum von Sichtbarkeit und Respekt in den städteplanerischen Gulli gespült sein. Ich wünsche einen schönen Tag.
Andere Wörterbücher lassen jedoch neben der Aufstellung auch nicht zwangsläufig in die Höhe gehende Bedeutungen zu; und der Sprachgebrauch ohnehin. Ersatzweise gebe ich zu bedenken: was irgendwo draufklebt, ist natürlich eine Erhebung, wenn auch nur eine kleine.
Also ich verrichte meinen Verkehr auch lieber horizontal. Aus alter Gewohnheit, und von wegen Rücken. Auf einem Regenbogenstreifen hab ichs aber noch nie versucht …
In unserem Viertel wurde vor kurzem ein neuer Zebrastreifen errichtet
Respekt muss man sich gar nicht erarbeiten. Respektvoller Umgang ist eine Grundvoraussetzung für eine friedliche und solidarische Gesellschaft.
Rücksicht ist (Etymologie beiseite gelassen) nicht dasselbe wie Respekt (vgl. “Respektsperson”) und ich lege keinen Wert auf Solidarität mit jedem Wicht. Das können vermutlich auch diejenigen verstehen, die mir jetzt im Impuls empört widersprechen möchten, denn z.B. mit der AfD würden die sich auch nicht solidarisieren, nehme ich an.