In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 16. Juni 2022

Kurze Durch­sage aus Kali­fornien: Hum­meln sind, rechtlich gese­hen, Fis­che.


Olaf Scholz lässt aus­richt­en: “Die Ukraine gehört zur europäis­chen Fam­i­lie”, weshalb dem Land ein schneller EU-Beitritt ermöglicht wer­den solle.

Nun ver­hält es sich mit Fam­i­lien so, dass — je größer, desto wahrschein­lich­er — die Eigen­schaft, ver­gle­ich­sweise eng miteinan­der ver­wandt zu sein, der Sym­pa­thie füreinan­der oft nicht zuträglich ist. Die “buck­lige Ver­wandtschaft”, also diejeni­gen Fam­i­lien­mit­glieder, deren Gegen­wart man nur aus­nahm­sweise aktiv erträgt, ist längst Teil der Umgangssprache gewor­den, und auch ich habe Ver­wandte, deren Ableben mir möglicher­weise ein wohliges Seufzen ent­lock­en kön­nte.

Ist unter diesem Gesicht­spunkt zum Ersten die Zuge­hörigkeit zur “europäis­chen Fam­i­lie” wirk­lich eine rel­e­vante Annahme und gehört zum Zweit­en nicht auch der Rest der früheren Sow­je­tu­nion dazu?


Ander­swo ist ein Krieg weniger: Kana­da und Däne­mark haben ihren hierzu­lande auch “Whiskykrieg” getauften Stre­it um die Hans-Insel beigelegt, der aus­ge­focht­en wor­den war, indem jedes der bei­den Län­der dort ab und zu seine eigene Flagge aufgestellt und eine Flasche eige­nen Schnaps­es hin­ter­lassen hat­te. Das war ein lustiger Krieg, den mochte ich. Jet­zt aber wurde auf der Insel eine Gren­ze zwis­chen Kana­da und Däne­mark gezo­gen, man kann also bequem den Kon­ti­nent wech­seln. Gren­zkon­trollen, heißt es, seien dort unwahrschein­lich.


Die F.A.Z. fab­u­liert in der Rubrik “Leib & Seele”: “Wer nicht het­ero ist, muss sich out­en – das war lange die Norm”. Ach so, das musste man bish­er!

Entwed­er ist’s die F.A.Z., die die Gesellschaft missver­ste­ht, oder es bin (wie meist) ich, aber mir haben bish­er über­aus wenige nicht het­ero­sex­uelle Men­schen ihre Sex­u­al­ität mit­geteilt, sofern ich nicht aus­drück­lich danach gefragt habe, weil es mich jen­seits von, ähem, Erwach­se­nen­tätigkeit­en eben auch nicht im Ger­ing­sten inter­essiert, welche Pronomen mein Gegenüber hat und ob er gern Män­nern bei­wohnt. Ich kön­nte an dieser Stelle anek­do­tisch davon bericht­en, dass ich bere­its — zu diesem Zeit­punkt unbe­wusst — mit nicht het­ero­sex­uellen Men­schen Umgang pflegte, ohne mit ihnen über ihre Sex­u­al­ität gesprochen zu haben, und ich möchte nicht mit let­zter Sicher­heit auss­chließen, niemals bei einem nicht het­ero­sex­uellen Friseur gewe­sen zu sein, aber wom­öglich mache ich mich dann der Mit­täter­schaft schuldig und das möchte ich nicht.

Insofern teile ich ganz per­sön­lich und ohne Anerken­nung ein­er Recht­spflicht mit: Wer mit mir in nicht beis­chlaf­fördern­dem Sinne kon­ver­siert und nicht “het­ero ist”, der möge das mit sich selb­st aus­machen. Das Leben ist zu kurz für der­art belan­glose Infor­ma­tio­nen.


Das dig­i­tale “9‑Eu­ro-Tick­et” kostet — kaum über­raschend — vor allem Dat­en.