In den NachrichtenMontagsmusik
Roberta Flack — Compared to What // Ausgedünntes Kunstverständnis

Nicht Tick, nicht Trick und nicht Track.Es ist Mon­tag. Das Woch­enende war Großs­tadt (ohne Pand­abärenge­hege, aber zumin­d­est mit Fluss), die Woche ist wieder Etwasklein­er­stadt. Schade eigentlich.

Die hiesi­gen Prob­leme mit dem, was die jun­gen Leute heutzu­tage “Per­for­mance” nen­nen und was bei uns gut abge­hangenen Alten noch Reak­tion­s­geschwindigkeit heißen darf, scheinen gelöst zu sein. Ursäch­lich war anscheinend eine aktivierte Funk­tion in PHP. Wir ler­nen: Am besten ist es, wenn man ein ein­mal laufend­es PHP nie wieder anfasst. Das ist wie ein Jen­gaturm. (Und schon habe ich eine gute Alle­gorie für die zeit­genös­sis­che Weben­twick­lung gefun­den: Jen­ga.) — Der erste Kom­men­ta­tor, der mir heute den Umstieg auf eine andere Blog­soft­ware emp­fiehlt, die ohne unnöti­gen Pro­gram­mier­aufwand — ich möchte hier wirk­lich nur was ins Inter­net schreiben und nicht erst noch was hack­en müssen — keine vernün­ftige, also javascript- und mailadressen­freie Kom­men­tar­möglichkeit bietet, möge im Übri­gen zeit­nah implodieren.

Auf der Web­site des Bun­desver­fas­sungs­gerichts sind mehrere Entschei­dun­gen zu find­en, die das Recht, zu Hause in Ruhe gelassen zu wer­den, beto­nen. Lei­der habe ich zu Hause frei­willig die Inland­snachricht­en gele­sen: In mehreren deutschen Städten demon­stri­erten am ver­gan­genen Sonnabend geimpfte Staatskri­tik­er (“Anar­chis­ten”) gegen ungeimpfte Staatskri­tik­er (“Anar­chis­ten”), deren Demon­stra­tio­nen mitunter von staatlich­er Stelle ver­boten wor­den waren, was den geg­ner­ischen Anar­chis­ten sehr wichtig zu sein schien, mit dem Ziel, eine Pan­demie zu been­den. Lori­ot wäre stolz.

Nicht nur das ZDF hat sich musik­the­o­retisch in die Nes­seln geset­zt, auch ehe­ma­lige Anhänger von Richard Ashcroft (war mal bei The Verve) haben eine inter­es­sante Mei­n­ung: Man könne die von ihm mitver­ant­worteten Lieder jet­zt nicht mehr ein­fach mögen, weil er, sofern’s Inter­net nicht lügt, Impfgeg­n­er sei. Ein ander­er Twit­ter­nutzer wortete ant, es sei in der Tat “echt übel”, wie Coro­na “die Playlists” aus­dünne. Nun kann es sein, dass ich die schiere Genial­ität dahin­ter ein­fach nicht ver­ste­he und es sich um eine Art vorgeschobe­nen Aus­lös­er für ein biss­chen Früh­jahrsputz auf der Musik­fest­plat­te han­delt, aber sofern dem nicht so ist, so erscheint mir die Gle­ich­set­zung eines Kün­stlers mit sein­er Kun­st doch etwas sim­pel (im besten Sinne des Wortes). Noch selt­samer wurde der so kol­portierte Gedanken­gang, als man ihn mir am per­sön­lichen Beispiel zu erk­lären ver­suchte: man wolle die Musik ein­er anderen Musik­gruppe gar nicht mehr hören, weil deren Sänger irgen­deinen Scheiß­dreck angestellt habe. Meine Frage, ob die Gruppe auch Stücke ohne ihren Sänger veröf­fentlicht habe, wurde mit Unwis­sen beant­wortet, das sei aber auch egal. Wenn der Wert von Kun­st in der Wahrnehmung junger Gen­er­a­tio­nen aber über­wiegend direkt an die per­sön­lichen Sym­pa­thien mit allen irgend­wie Beteiligten gebun­den ist, hat Kun­st dann über­haupt noch einen eige­nen Wert oder ist sie vielmehr zu einem bloßen Acces­soire degradiert (wor­den), das nicht mehr zeit­los, son­dern nur mehr saison­al sein kann?

Ger­ade noch saisonüber­greifend bleibt jeden­falls vor­erst auf einem gewis­sen Niveau: Musik.

Rober­ta Flack — Com­pared To What — First Take -

Guten Mor­gen.