In den Nachrichten
„… von MEINEN Gebüh­ren!“ (7)

Woher mag die­ser Satz stam­men?

Die Erobe­rer wol­len, dass die Kolo­ni­sier­ten sie imi­tie­ren, ihre Gebräu­che, Glau­bens­sät­ze und Geset­ze anneh­men.

Womög­lich aus einer bemer­kens­wer­ten Doku­men­ta­ti­on über die jahr­hun­der­te­lan­gen Schwert­fech­te­rei­en, mit denen die inhalt­lich unter­le­ge­ne Kir­che dem Westen schließ­lich den Glau­ben an einen unsicht­ba­ren Meta­phy­si­schen ein­ge­prü­gelt hat, bis der Westen schließ­lich bereit war, ihn als sei­ne „eige­ne Tra­di­ti­on“ zu begrei­fen? (Wie fried­lich die­se Welt wohl wäre, fän­de der Westen zu sei­nem natür­li­chen Glau­ben an ein Pan­the­on zurück?)

Mit­nich­ten, es bril­liert statt­des­sen die Grund­ver­sor­gung:

Mit „Aste­rix“ wur­de der Kampf um Deko­lo­ni­sa­ti­on, der 1961 süd­lich des Mit­tel­meers tob­te, zu einer rein inner­eu­ro­päi­schen Ange­le­gen­heit: Hier kämp­fen „Wei­ße“ gegen „Wei­ße“. In die­se eth­no­zen­tri­sche Logik passt, dass die Dar­stel­lung afri­ka­ni­scher Men­schen sich groß­zü­gig aus dem Fun­dus ras­si­sti­scher Ste­reo­ty­pe bedient.

Lan­ge nichts mehr gecan­celt in der Comic­welt, jetzt geht es Aste­rix an den Helm. Dass dabei unver­blümt her­um­spe­ku­liert wird, passt zum The­ma:

Vor allem aber erlaubt es die „Asterix“-Reihe euro­päi­schen Lesern, sich selbst mit den Opfern einer Kolo­ni­al­ge­schich­te zu iden­ti­fi­zie­ren, bei der sie eigent­lich auf der Täter­sei­te waren. Über den Appeal die­ses Rol­len­wech­sels lässt sich nur spe­ku­lie­ren.

Was man eben so in einer gesell­schafts­um­la­ge­fi­nan­zier­ten Publi­ka­ti­on an jour­na­li­sti­schen Stan­dards erwar­tet: Mit­mensch Recher­cheur sieht ein ver­meint­li­ches Pro­blem, wüss­te aber nicht, war­um es über­haupt exi­stie­ren soll­te, und ver­liert sich in Flos­keln, die in eine bestimm­te Rich­tung schub­sen sol­len. Dass die Leser – jeden­falls die euro­päi­schen (sind ja alle die­sel­ben, ist alles ein Hau­fen, Sack zu, Knüp­pel drauf; divers sind immer nur die ande­ren) – alle­samt, auch mich hier­bei offen­sicht­lich mit­ge­meint, auf „der Täter­sei­te waren“, obwohl die mei­sten von ihnen Afri­ka bis­her noch nicht mal aus der Nähe gese­hen haben, ist dabei eine eben­so bemer­kens­wer­te Fest­stel­lung wie die Impli­ka­ti­on, dass nie­mand jemals die Euro­pä­er (alles eins, bloß nicht unter­schei­den) zu kolo­nia­li­sie­ren ver­sucht hät­te, denn meh­re­re Welt­rei­che waren eigent­lich durch­aus wil­lens dazu; nach dem weit­ge­hen­den Zer­fall des Römi­schen Rei­ches war auch die Zeit der Völ­ker­wan­de­rung bis hin zur oben schon erwähn­ten Zwangs­über­tra­gung des histo­risch doch sehr uneu­ro­päi­schen Chri­sten­tums nicht unbe­dingt davon geprägt, dass man die Kul­tur der­je­ni­gen, die schon da waren, als beson­ders erhal­tens­wert begrif­fen hat.

Aber gut, ist bloß Kul­tur. Da braucht man das nicht so genau zu neh­men.

Die spin­nen, die Öffent­lich-Recht­li­chen.

Senfecke:

  1. Kolo­nia­li­sie­rung ist ein aktu­el­les The­ma. Allein im ÖR und auf Twit­ter gibt es kei­nen Man­gel an Leu­ten, die möch­ten, dass ich sie imi­tie­re und doch bit­te ihre komi­schen Gebräu­che und Glau­bens­sät­ze anneh­me, wie etwa dem Aus­sto­ßen von Glot­tis­schlag­lau­ten, dem belie­bi­gen Ver­zie­ren von Wör­tern mit Dop­pel­punk­ten und Stern­chen oder des demon­stra­ti­ven Bekennt­nis­ses zu einem bunt gestreif­tem Tuch.

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