NetzfundstückeNerdkrams
Antifeaturitis: Mailclient gut, weil Mailclient schlecht.

Ich gebe zu: Ich bin jemand, der E‑Mails für ein dur­chaus nüt­zlich­es Medi­um hält, denn sie erfordern in der Regel wed­er eine sofor­tige Antwort noch die kün­stliche Verk­nap­pung von Sprache und Inhalt. Dass aber spätestens in den Neun­z’gern die For­matierung via HTML, später auch die Ein­bindung von CSS als Stan­dard­funk­tion in Mail­pro­gramme Einzug hielt, erachte ich noch heute als einen schreck­lichen Fehler.

Dass man für den Emp­fang und Ver­sand von E‑Mails heutzu­tage nur noch wenige Sekun­den und nicht mehr deut­lich länger braucht, sorgt in Verbindung mit den bezahlbaren Ganz­tagsin­ter­ne­tan­schlüssen auch dafür, dass die Teil­nehmer sich weniger Gedanken darüber machen, was sie schreiben. Kostet ja nix, hau raus. Das sorgt nicht nur für ein Über­maß an bescheuert­er Reklame, für deren Ver­sand ich milde kör­per­liche Strafen für zumin­d­est über­legenswert halte, son­dern auch für eine Kom­mu­nika­tion, die oft nur noch aus Floskeln und Textbausteinen beste­ht. Ist ja bloß Leben­szeit, ste­ht ja kein Preis dran.

Weil ver­bre­it­ete E‑Mail-Pro­gramme — Microsoft Out­look, Apple Mail und andere — aber längst davon aus­ge­hen, dass es gern gese­hen ist, wenn dieser lästige Textmüll bunt und webzwein­ul­lig ist, weshalb man ihnen nur mit unvernün­ftig viel Aufwand das stan­dard­mäßige Ren­dern und Versenden von HTML-Mails aus­treiben kann, ist diese Leerkom­mu­nika­tion nicht etwa ver­pönt, son­dern üblich; die Fol­gen für das Kli­ma, die daraus entste­hen, dass nur ein allzu geringer Teil ein­er E‑Mail auf einem Serv­er aus der eigentlichen Nachricht beste­ht, mögen Klim­a­geneigte an dieser Stelle selb­st aus­rech­nen.

Ich wün­schte, mir fiele ein einziger nicht auf Faul­heit zurück­zuführen­der Grund ein, eine E‑Mail mit HTML zu for­matieren, der nicht lautet, dass man ein ver­acht­enswert­er Reklamedepp ist, der sein Geld damit ver­di­ent, frem­den Leuten auf den Sack zu gehen, aber dem ist nicht so.

Typische HTML-Mail

Die Befür­worter dieses Treibens haben mit­tler­weile völ­lig uniro­nisch eine Web­site online gestellt, auf der sie gängige Mail­pro­gramme hin­sichtlich ihrer For­matierungsmöglichkeit­en miteinan­der ver­gle­ichen, also abbilden, mit welchem Mail­pro­gramm man die aller­bunteste Nervscheiße (“Pro­duk­t­in­for­ma­tio­nen”) kor­rekt (also furcht­bar) darstellen kann. Süff­isant wies der Mach­er von “n‑gate” darauf hin, dass gemäß besagter Web­site Microsoft Out­look wohl das derzeit empfehlenswerteste Mail­pro­gramm für Win­dows sei, denn es beherrscht recht vieles nicht.

Ich per­sön­lich empfehle grund­sät­zlich den Gebrauch von Mail­pro­gram­men, die den HTML-Teil ein­er E‑Mail entwed­er gar nicht oder nur auf Wun­sch anzeigen; nur die Nicht­teil­nahme an Blödsinn seit­ens weit­er Teile der Men­schheit kann den Blödsinn noch aufhal­ten. Mail­pro­gramme, die diese Option nicht anbi­eten, sind Teil des Prob­lems.

Rev­o­lu­tion kann so ein­fach sein.


Noch nicht genug Poli­tik heute? Dann habe ich gute Nachricht­en vom “Deutsch­land­funk”: Die Schuldigen für mus­lim­is­che Aggres­sio­nen gegenüber in der EU leben­den Juden sind gefun­den — es ist die AfD!

Senfecke:

    • Gute Ergänzung, die ich (kan­nte, aber) tat­säch­lich vergessen habe zu ver­linken und das schon aus Scham­grün­den nicht nach­holen werde. Nun, zum Glück hab’ ich einen Kom­men­tar­bere­ich.

  1. Dazu:
    Bestellbestä­ti­gung in text/html: (ich wollte eigentlich noch via Über­weisung bezahlen):

    You order was paid for by cred­it card.
    Your order will be deliv­ered by JYSK’s ship­ping com­pa­ny on the 08-05-2021 9–18.
    Thank you for shop­ping at JYSK

    Bestellbestä­ti­gung in text/html (zufäl­lig 3 Tage später gefun­den):

    Du zahlst Deine Bestel­lung per Vorkasse. Bitte über­weise den Bestell­w­ert von 120,00 € inner­halb von 14 Tagen auf fol­gen­des Kon­to:
    Empfänger DÄNISCHES BETTENLAGER GmbH & Co. KG
    Bank Uni­Cred­it Bank — HypoVere­ins­bank
    IBAN DE66 2003 0000 0010 6527 35
    BIC HYVEDEMM300

    Text spielt wohl wirk­lich keine Rolle mehr…

    • Mir ist auch noch ein ander­er per­vers­er Fall untergekom­men: eine ver­meintlich hippe Fir­ma antwortete grund­sät­zlich in HTML. Da dort wohl irgendw­er irgend­wann gemerkt hat, dass manche Sachen so nicht gele­sen wer­den, war deren Lösung, einen Pars­er zu basteln, welch­er aus dem HTML wieder einen tex­t/­plain-MIME-Part zurecht­frick­elte. Natür­lich mit aller­lei Fehlern. Der Text, den das Ding ausspuck­te, hat­te oft nur noch wenig gemein mit dem eigentlichen Inhalt. Monate später mal drauf angeschrieben ver­stand nie­mand mehr das Prob­lem, auch nach mehrfachen Erk­lärun­gen. Ich habe aufgegeben. Das Start­up ist mit­tler­weile pleite und gibt es nicht mehr.

  2. Haha, deine Blog-Soft­ware ist ja nett. Sie ver­schickt Sub­scrip­tion-E-Mails. Nur im HTML-For­mat! https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/icon_mad.gif Und der Link darin, um einen Benachrich­ti­gungswun­sch zu bestäti­gen führt auf die Seite “Oops! That page can’t be found.”…

    • Da siehst du mal, wie kaputt das ist!

      (Du musst & amp; durch & erset­zen, aber ich weiß nicht, warum. Die Umstel­lung auf HTML hat­te das irgend­wann mal kor­rigiert. Anscheinend tut sie das nicht mehr. Ich werde das Plu­g­in aus­tauschen.)

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