Netzfundstücke
Medienkritik extern: Journalismus tötet.

Spuckeimerschreiberei beim „SPIEGEL“:

Die 31-Jährige erzähl­te mir von ihrer Kindheit in Ostdeutschland, ihren Studien in Berlin, Lyon, Los Angeles und Dublin sowie ihrer Liebe zur Literatur - ins­be­son­de­re den lite­ra­ri­schen Meister Heinrich von Kleist. Und sie erklär­te, wie in der Woche zuvor das neue Zuhause, das sie in Irland gefun­den hat­te, von einem Artikel im deut­schen Magazin „Der Spiegel“ auf den Kopf gestellt wor­den war.

Und:

Sie beschrieb das Gefühl, vom „Spiegel“ in eine Ecke gedrängt wor­den zu sein[.] (…) Letzte Woche, im Urlaub an der deut­schen Ostseeküste, rief mich Cornelia an, um mir zu sagen, dass die Polizei sich bei ihr gemel­det habe. Ihre Tochter wur­de am Vortag tot in ihrem Bett in Dublin gefunden.

(Alle Übersetzungen von mir.)

Bei all der sonst­wie begründ­ba­ren Kritik an einer mit Preisen über­schüt­te­ten, jedoch unauf­rich­tig schrei­ben­den Bloggerin: Ein Dummkopf, wer jetzt noch nicht wütend ist.

Senfecke:

    • Weil man hät­te erken­nen kön­nen das die Dame psy­chi­sche Probleme hat, reich­lich unethisch eine sol­che Person so anzu­ge­hen (wobei die Kritik ja durch­aus berech­tigt war an ihr).

      • Hätte man das tat­säch­lich erken­nen kön­nen? Das ist dann offen­bar sehr vie­len Menschen, die mit ihr län­ger in Kontakt stan­den, eben­falls nicht gelun­gen (und bis zum Beitrag der Irish Times, soweit ich sehe, auch nie the­ma­ti­siert wor­den). Hinterher klü­ger zu sein erscheint mir etwas einfach.

        (Davon unab­hän­gig ist die berech­tig­te Frage, ob man nicht auch öffent­li­che Lügen psy­chisch kran­ker oder beein­träch­tig­ter Menschen auf­decken darf, soll­te oder muss.)

        • Der Journalist der Irish Times hat es ja schein­bar erkannt, in so fern…

          Das die Lügen auf­ge­deckt wur­den fin­de ich nicht mal pro­ble­ma­tisch, das ist Recht und Pflicht der Presse (wobei ich im kon­kre­ten Fall tat­säch­lich nicht nach­voll­zie­hen kann war­um das so ein Riesenthema ist). 

          Problematisch ist aber das „wie“. Man hät­te der Familie viel­leicht eine Vorabversion zukom­men las­sen kön­nen, damit es nicht völ­lig uner­war­tet ein­schlägt und jemand bereit­steht die Person auf­zu­fan­gen. Auch die Selbstdarstellung des Autors in dem Artikel fin­de ich frag­wür­dig. Klar, recht­lich war das ver­mut­lich alles in Ordnung. Aber unter „jour­na­li­sti­scher Sorgfaltspflicht“ ver­ste­he ich auch eine gewis­se ethisch/moralische Vorgehensweise.

  1. Nein. Suizid tötet.
    Und wo ver­dammt sol­len Journalisten anfan­gen und wo auf­hö­ren zu berich­ten, wenn sie auf ein hoch­ge­sta­pel­tes Lügengeflecht, Identitätsschwindel und Fake-News sto­ssen? Bei Managern ver­öf­fent­li­chen, bei jun­gen Frauen nicht? Bei aus­ge­dach­ter Schummelsoftware berich­ten, bei aus­ge­dach­ten Holocaustopfern nicht? Bei fälsch­lich preis­ge­krön­ten Spiegeljournalisten auf­decken, bei fälsch­lich preis­ge­krön­ten Bloggerinnen nicht? Oder was? Auf wen soll ich jetzt ‚wütend‘ sein, damit ich nicht als Dummkopf daste­he - ver­mut­lich doch wohl auf die­je­ni­ge, deren Veröffentlichungen ich toll und inter­es­sant fand, und die mich von vor­ne bis hin­ten ver­arscht hat. Darf ich auf jeman­den wütend sein, der sich ver­mutlch das Leben genom­men hat, oder muss mein sau­er-sein dann plötz­lich aufhören?

      • Blogger, die ihre fik­ti­ven Texte als rea­le Geschehnisse in Presseerzeugnissen ver­öf­fent­li­chen, sind aller­dings sehr wohl mit Journalisten zu vergleichen.

        • Bin ich auch ein Journalist? Wozu bin ich ver­pflich­tet, wenn ich nicht möch­te, dass, soll­te ich dem­nächst völ­lig durch­dre­hen, der SPIEGEL über mich schreibt?

          • Bin ich auch ein Journalist? 

            Wohl kaum, oder hast Du u.a. in der Zeit veröffentlicht?

            Wozu bin ich ver­pflich­tet, wenn ich nicht möch­te, dass, soll­te ich dem­nächst völ­lig durch­dre­hen, der SPIEGEL über mich schreibt? 

            Wie kommst Du auf den unge­wöhn­li­chen Gedanken, dass der SPIEGEL - oder ande­re Teile der Presse - nur dann über Personen oder Ereignisse berich­ten dür­fen oder soll­ten, wenn der Gegenstand der Berichterstattung damit ein­ver­stan­den ist? Dann könn­te man die freie Presse auch gleich abschaf­fen und statt­des­sen Pressemitteilungen abdrucken …

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