Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Fehlt Jil­li­an York der Durch­blick?

Im Mai 2018 blogg­te die EFF-Akti­vi­stin Jil­li­an York über Wael Abbas, der von der „Platt­form“ Twit­ter aus­ge­schlos­sen wor­den war, unter ande­rem dies:

Wenig­stens ein Lokal­me­di­um berich­tet, dass Abbas‘ Twit­ter­kon­to – das im Dezem­ber 2017 gesperrt wor­den war – wegen Anstif­tung zur Gewalt abge­schal­tet wur­de.

Die­sel­be Jil­li­an York gast­blogg­te gestern auf dem schrä­gen Per­so­na­li­ty­b­log „Netzpolitik.org“ (Link für star­ke Mägen) unter der gewohnt­qua­li­ta­ti­ven Über­schrift „Mei­nungs­frei­heit: Fehlt Twit­ter der Durch­blick?“ vol­ler Bedau­ern, dass es dar­um inkon­se­quent sei, dass Alex Jones, ein US-ame­ri­ka­ni­scher Unter­neh­mer und talen­tier­ter Troll, der die­ser Tage diver­se „Platt­for­men“ ver­las­sen muss­te, wei­ter­hin auf Twit­ter sein dür­fe.

Der zustän­di­ge Twit­ter­vor­sit­zen­de habe dies in fol­gen­den Wor­ten kom­men­tiert:

Wir wis­sen, dass das für vie­le Leu­te hart ist, aber der Grund ist ein­fach: er hat nicht gegen unse­re Regeln ver­sto­ßen.

Das, fin­det Jil­li­an York, sei selbst­ver­ständ­lich unan­ge­bracht, dass die Regeln von Twit­ter Gewalt­auf­ru­fe durch einen Jour­na­li­sten nicht im eige­nen Haus dul­den, sehr wohl jedoch „Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker“, als deren Ver­ge­hen es ange­se­hen wird, öffent­lich zu lügen. Gewalt­auf­ru­fe – sei’s drum; im Inter­net die Unwahr­heit zu sagen aber bedarf des har­ten Durch­grei­fens der Exe­ku­ti­ve im nicht rechts­frei­en Raum.

Einen mün­di­gen Leser setzt man in gewis­sen Krei­sen offen­bar nicht vor­aus. In die­sel­be Ker­be schlägt im Kom­men­tar­be­reich auch der Berufs­laut­spre­cher und Haus­herr Mar­kus Becke­dahl, der gewohnt unre­flek­tiert daher­quatscht, als Autor tra­ge „man trotz­dem Ver­ant­wor­tung dafür, wie was von wem auf­ge­nom­men wird“, was im Prin­zip bedeu­tet, dass Sati­re (oder auch nur ein­fa­che Iro­nie) eben­so ver­bo­ten wer­den muss, denn es könn­te sie ja jemand nicht ver­ste­hen und sich dann auf­ge­sta­chelt füh­len.

Dar­über könn­te ich jetzt noch etwas mehr schrei­ben, aber dann müss­te ich mich sper­ren.

Senfecke:

  1. Also ich ver­ste­he die Auf­re­gung nicht…
    Twitter,Facebook und Co sind Pri­vat­un­ter­neh­men und kön­nen sich an demo­kra­ti­sche Regeln hal­ten,
    sie nicht müs­sen Demo­kra­tie prak­ti­zie­ren!
    Sofern sie nicht den Share­hol­derva­lue gefähr­det sehen oder zuviel spür­ba­rer Druck da ist…
    Ausser­dem reicht es ja mei­stens zusa­gen:
    Mehr Demo­kra­tie wagen
    aber das muss ja nicht heu­te oder näch­ste Woche sein-näch­stes Jahr? Schaumer­mal dann­se­hen­wir­schon.
    Viel­leicht gibt es gute/brauchbare Politiker,die nicht so restrik­tiv sind und Unter­stüt­zung brau­chen 8)

  2. Mich erstaunt ja immer wie­der mit wel­cher Begei­ste­rung sich selbst als „links und welt­of­fen“ betrach­ten­de Men­schen rech­te Drecks­ar­beit erle­di­gen, wenn nur das rich­ti­ge Knöpf­chen gedrückt wird.
    Wäh­rend Hel­mut Kohl 1991 kei­ne Mög­lich­keit sah Deutsch­land zu einer Teil­nah­me am Golf­krieg zu bewe­gen und das gan­ze über das Scheck­buch erle­dig­te, reich­te 7 Jah­re spä­ter dem ober­sten Chef aller deut­schen Frie­dens­be­weg­ten und Umwelt­ak­ti­vi­sten ein simp­les „Nie wie­der Aus­schwitz!“.
    Nur die SPD unter Gas Gerd war dazu fähig ihre urei­gen­ste Kli­en­tel in die Höl­le von Hartz 4 zu schicken mit der schlich­ten Paro­le „För­dern und For­dern.“
    Und jetzt ver­sam­meln sich welt­weit die Schnee­flöck­chen aller Her­ren Län­der und glau­ben tat­säch­lich, wenn man nur die Hate Speech ver­bie­tet, dann ver­schwin­det auch der Hass.
    Bei die­ser Sicht der Din­ge wird in maxi­mal 10 Jah­ren im Wer­te-Westen der Faschis­mus in Form von „markt­ge­rech­ten Demo­kra­tien“ das Zep­ter kom­plett über­nom­men haben und man wird den „Vor­kämp­fern“ der Zen­sur kei­ne Denk­mä­ler errich­ten son­dern Arbeits­la­ger.

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