MusikNetzfundstücke
Dum-dum-da-da-da-da, dum-dum-da-da-da.

Zu den nur schwer zu leugnenden Vorteilen des aktiven Wertschätzens guter Musik mit damit verbundener weitgehender Vermeidung des auch versehentlichen Radiohörens zählt eine mit „Freude bringend” nur unzureichend beschriebene Unkenntnis aktueller „Sommerhits”.

„Sommerhits”, die Älteren unter meinen Lesern mögen das Wort noch kennen und die Jüngeren leider sowieso, sind Lieder, die traditionell im Spätfrühling bis Frühsommer in den Handel (virtuell oder in echt) kommen und im Wesentlichen den Zweck erfüllen, mit möglichst wenig künstlerischem Aufwand möglichst viele Menschen dazu zu bringen, sie zwecks betrunkenen Abdancens zu erwerben. Oft ist der Sänger oder die Sängerin von südamerikanischer bzw. -europäischer Abstammung oder sieht wenigstens so aus, denn dort ist es, wie man anscheinend wissen sollte, immer warm und das verleitet zur sofortigen Identifikation. Besser singen als andere Menschen können sie hingegen nicht.

Die diesjährigen „Sommerhits” habe ich zu meinem ausbleibenden Bedauern mit Ausnahme der erheiternd ineffizienten Fußballhymne „Zusammen” (Die Fantastischen Vier und Clueso) völlig verpasst, auch das Vorjahresliedlein „Despacito” („Wer ihn einmal hört, ist verloren”, Daniel Gerhardt, c/o „ZEIT ONLINE”) ist mir erst vor wenigen Monaten identifizierbar begegnet. Mir wurde zugetragen, das Kriegsgeheul „Bella ciao” sei 2018 zum Sommerhit avanciert. Ich ziehe, sofern das stimmt, meinen Hut vor dieser Satire. Alles Weitere besorgt „Tonight”, anscheinend das „Event”-Magazin der krassen Jugendpostille „RP ONLINE”, das weiß, was ich verpasse:

Mit dieser geballten Ladung an Hits kommt ihr sicher durch den Sommer 2018!

Nämlich?

Party-Urgestein „Almklausi” (alias Klaus Meier) ist seit Jahren Stammgast auf Partysamplern und liefert mit „Mama Laudaaa” eine astreine Mitgröl-Hymne ab.

Und:

Der perfekte Stampfer für den sommerlichen Disco-Abend!

Und:

Dieser Junge mit der süßen Stimme (Shawn Mendes, A.d.V.) hat es einfach drauf!

Und:

„Doo wop a doo wop, shoopi doobi doo wop” – Ja, es sind meist die einfachen Lyrics, die einen gelungenen Sommertrack ausmachen.

Und:

(…) mit knapp 370 Millionen Views und absoluter Gartenparty-Tauglichkeit ziehen uns Bruno (Mars, A.d.V.) und Cardi bereits jetzt die langen Unterhosen vom Po.

Und:

Mit Martin Garrix und David Guetta klettern gleich zwei Top DJs (sic! A.d.V.) hinter die Kulissen von „So Far Away”, das (…) zum prägnanten und Song-bestimmenden Synthie-Gequietsche ausholt (…).

Und:

Ja, Macklemore-Songs hören sich irgendwie alle gleich an – was ihrer Tauglichkeit für den Sommer keinen Abbruch tut.

Und:

Die eingängige, von tiefen Bässen getragene Melodie von „Breathe”, inklusive herrlich stupidem „Dum-dum-da-da-da-da, dum-dum-da-da-da”-Part, ist beinahe einen Blaupause für einen gelungenen Sommerhit[.]

Und:

2018 wiederholen wir uns gerne mit dem groovigen „Cool”, zu dem es sich entspannt im Garten auf dem Trampolin in Richtung Sonnenuntergang hüpfen lässt.

Auf der Liste von „Geheimtipps”, die leider, leider noch keine „Sommerhits” sein müssen durften, finden sich des Weiteren solche Lieder:

Und der neue Remix (feat. NERVO, The Knocks und Alisa Ueno) geht sofort so hart ins Ohr, dass man liebsten gleich im knappen Kleid über den Dancefloor rollen will.

Und:

Mit „Inhale” liefert der britische DJ und Musikproduzent Duke Dumont genau den richtigen Sommermix aus süßen Pop-Lyrics, waberndem Elektro-Sound und einer gehörigen Portion Funk.

Kann man Menschen eigentlich juristisch für musikunmündig erklären lassen?

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