Sonstiges
Medienkritik LXXXI: Mein lieber Scholli! „Jolie“ und der tägliche Penis.

Erinnert ihr euch noch an die „Jolie“, das Mode- und Tratschkäseblatt, das ich letztes Jahr schon mal versehentlich gelesen habe? Jetzt ist mir dieses Malheur bei der Novemberausgabe 2013 (ist ja schon Anfang Oktober, da wird’s Zeit) doch glatt ein zweites Mal passiert!

Angesichts dieser Titelgeschichte mag man mir das allerdings auch verzeihen:

Jolie-11-13

„Ein typischer Tag im Leben eines Penis“ wird also in dieser Ausgabe – natürlich aus der Sicht einer Frau – beschrieben. Zum Glück wissen wir, dass Sexismus gegen Männer nicht existiert, sonst wäre ich ernsthaft verwundert; auch wegen der Leserbriefe: Eine Leserin schreibt, ihr Blick sei in der vorherigen Ausgabe an „sexy Davey“, einem oberkörperfreien Muskelprotz, hängen geblieben, und es sei „schade“, dass er schwul sei. Ja, so ein Ärgernis, dass nicht jeder Schönling bereit ist, eure Fleischeslust zu stillen.

Nackte männliche Oberkörper laden offenbar dazu ein, die Männer auf’s Körperliche zu reduzieren. Wenn die Männer allerdings nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, sollen sie lieber angezogen bleiben, sonst sind sie eklige Sexisten und dürfen nicht mehr öffentlich Schlagzeug spielen. Will you be a small weak woman and suck my dick? You know… while we’re all being sexist here.

Aber wir waren ja beim Thema „ein Tag im Leben eines Penis“, und ohne darüber zu sinnieren, ob es nicht „eines Penisses“ heißen müsste (denn von Leuten, die für die „Jolie“ mit „6 sexy Frisuren Trends“ schreiben, ist kein gepflegter Umgang mit der deutschen Sprache mehr zu erwarten), nehme ich euch gleich eine Überraschung: Es steht genau das darin, was ihr vermutet.

Dabei sind Stellen wie diese hier (8:45 Uhr) noch nicht einmal das Schlimmste:

Da beneide ich meine weiblichen Kollegen, die haben ihre Eier IM Körper, wie sich das gehört. Nur wir müssen uns mit diesem anhänglichen, nutzlosen Missgeschick der Evolution herumschlagen.

Dafür haben Männer normalerweise keine Brüste, ätsch. Aber dieser Penisprotagonist meckert nicht nur, er freut sich durchaus auch über die Annehmlichkeiten in seinem Leben:

(15:20 Uhr) Hurraaaa! TITTEN!!!

Die gibt’s natürlich nicht immer:

(19:00 Uhr) Hätte ich Hände, würde ich eher mich selbst reiben. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

So ein Tagebuch ist ohne eine ordentliche Sexszene natürlich nicht vollständig; die folgt um 23:20 Uhr:

Oh, Vorsicht mit den Zähnen, Prinzessin. Ja, so ist es besser. Oh ja. Ja. Genau so. Mmmmm. Jaaa. (usw.)

Im „Intro“ zur Rubrik „Pssst …!“, in der es um „Liebe, Lust, Leben“ geht, wird erklärt:

Neurowissenschaftler (…) haben entdeckt, dass Müdigkeit durch die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin verursacht wird (…). Also egal ob Lachen oder Gähnen – Hauptsache happy!

Das Gähnen, das mich gerade überkommt, hat also nichts damit zu tun, dass die „Jolie“ ein furchtbar ödes Groschenheftchen ist. Sie macht mich nur total fröhlich. Schön, dass das geklärt ist.


Laut dieser Ausgabe der „Jolie“ ist Topmodel Miranda Kerr („Hochkaräter der Modelszene“, jolie.de, 19. August 2013; „die schöne Australierin“, jolie.de, Anfang 2013; „die stylischste Mutter“, jolie.de, Ende 2011; „die Allerschönste“, „meine Inspiration“ und so weiter und so fort, jolie.de-Nutzerinnen, Ende 2012) übrigens „nun wirklich kein Anhaltspunkt für irgendwas“. Ist was dran – welche Frau will schon ein schönes Model und/oder eine gut aussehende Mutter werden?

Senfecke:

  1. Diane Kruger – „Schönheit muss man sich verdienen“

    Ja, der Mediengestalter der die Hackfresse so in Photoshop misshandelt dass Diese „schön“ aussieht, verdient einiges die Stunde.

Comments are closed.

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
:P 
:ups: 
:cry: 
:evil: 
:twisted: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.