NetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt CXLV: Der Mythos vom unab­hän­gi­gen „cyber­space“

(Vor­be­mer­kung: Eigent­lich gehört die­ser Arti­kel in die Kate­go­rie der „Schmal­hän­se des Tages“. Da der Prot­ago­nist aber weder Deut­scher noch in der CDU ist, wür­de ich die Serie voll­stän­dig bre­chen – ich bit­te daher die Umka­te­go­ri­sie­rung zu ver­zei­hen.)

Das mit die­sem frei­en Inter­net, das ist nicht gut. Das Inter­net als Lebens­raum oder gar als teil­wei­se oder voll­stän­dig inklu­dier­te Par­al­lel­ge­sell­schaft, so ein Quatsch. Fax ist ja auch kein Lebens­raum.

A libe­ral regime will pass legis­la­ti­ve safe­guards against govern­ment misu­se of data and com­mu­ni­ca­ti­ons and will gene­ral­ly take a light hand, when it comes to regu­la­ti­on and taxa­ti­on, in the inte­rest of per­so­nal free­dom and ease of com­mer­ce. But the fact that bad sta­tes may abu­se the power to regu­la­te tele­com­mu­ni­ca­ti­ons does not mean that benign sta­tes lack, or should lack, that power. (…) If you’re not con­vin­ced by now that the very noti­on of cyber­space is sil­ly, try sub­sti­tu­ting “fax” or “tele­pho­ne” or “tele­graph” for “cyber” in words and sen­ten­ces. The results will be comic­al. “Acti­vists denoun­ced govern­ment cri­mi­nal sur­veil­lan­ce poli­ci­es for colo­ni­zing Fax Space.” “Should Tele­pho­ne Space be com­mer­cia­li­zed?” (…) Like other intellec­tu­al-poli­ti­cal fads of the late 20th cen­tu­ry, inclu­ding neo­li­be­ral eco­no­mics and neo­con­ser­va­ti­ve for­eign poli­cy, the idea of cyber­space as a par­al­lel rea­li­ty free from govern­ment regu­la­ti­on and com­mer­cial cor­rup­ti­on was con­fu­sed in its con­cep­ti­on and doo­med in prac­ti­ce.

Frei über­setzt:

Ein libe­ra­les Regime wird gesetz­li­che Schutz­maß­nah­men gegen regie­rungs­sei­ti­gen Miss­brauch von Daten und Kom­mu­ni­ka­ti­on (sic!) errich­ten und gene­rell im Inter­es­se per­sön­li­cher Frei­heit und der Ver­ein­fa­chung des Han­dels in Bezug auf Regu­lie­rung und Besteue­rung eher sach­te agie­ren. Der Umstand jedoch, dass bös­wil­li­ge Staa­ten die Macht, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on zu regu­lie­ren, miss­brau­chen könn­ten, bedeu­tet nicht, dass freund­li­che Staa­ten die­se Macht nicht haben soll­ten. (…) Wenn Sie noch nicht davon über­zeugt sind, dass der Begriff des „Cyber­spaces“ blöd ist, pro­bie­ren Sie ein­mal, „Fax“ oder „Tele­fon“ oder „Tele­graf“ in Wör­tern und Sät­zen durch durch „Cyber“ zu erset­zen. Die Ergeb­nis­se wer­den komisch sein. „Akti­vi­sten pran­ger­ten Über­wa­chungs­po­li­tik der Regie­rung für Kri­mi­nel­le zur Kolo­ni­sie­rung des Fax­spaces an.“ „Soll­te der Tele­fon­space kom­mer­zia­li­siert wer­den?“ (…) Wie ande­re intel­lek­tu­ell-poli­ti­sche Marot­ten des spä­ten 20. Jahr­hun­derts, ein­schließ­lich neo­li­be­ra­ler Wirt­schafts- und neo­kon­ser­va­ti­ver Frem­den­po­li­tik, wur­de die Idee des Cyber­spaces als Par­al­lel­welt frei von staat­li­cher Regu­lie­rung und kom­mer­zi­el­ler Kom­pro­mit­tie­rung in sei­nen Grund­zü­gen ver­wirrt und in der Pra­xis zer­stört.

Der Autor die­ser kon­fu­sen Zei­len ist Micha­el Lind, ein US-ame­ri­ka­ni­scher Natio­nal­de­mo­krat (natür­lich aus Texas, wen wundert’s?) mit neo­kon­ser­va­ti­ver Ver­gan­gen­heit. Falls euch jetzt beim Lesen ein kal­ter Schau­er über den Rücken läuft: Der Text wird übri­gens deut­lich lusti­ger, wenn man sich vor­stellt, wie Micha­el Lind ihn auf einer Apfel­si­nen­ki­ste auf dem Markt­platz einer belie­bi­gen deut­schen Klein­stadt vor­trägt. Pro­biert es mal aus!