(Vorbemerkung: Eigentlich gehört dieser Artikel in die Kategorie der “Schmalhänse des Tages”. Da der Protagonist aber weder Deutscher noch in der CDU ist, würde ich die Serie vollständig brechen — ich bitte daher die Umkategorisierung zu verzeihen.)
Das mit diesem freien Internet, das ist nicht gut. Das Internet als Lebensraum oder gar als teilweise oder vollständig inkludierte Parallelgesellschaft, so ein Quatsch. Fax ist ja auch kein Lebensraum.
A liberal regime will pass legislative safeguards against government misuse of data and communications and will generally take a light hand, when it comes to regulation and taxation, in the interest of personal freedom and ease of commerce. But the fact that bad states may abuse the power to regulate telecommunications does not mean that benign states lack, or should lack, that power. (…) If you’re not convinced by now that the very notion of cyberspace is silly, try substituting “fax” or “telephone” or “telegraph” for “cyber” in words and sentences. The results will be comical. “Activists denounced government criminal surveillance policies for colonizing Fax Space.” “Should Telephone Space be commercialized?” (…) Like other intellectual-political fads of the late 20th century, including neoliberal economics and neoconservative foreign policy, the idea of cyberspace as a parallel reality free from government regulation and commercial corruption was confused in its conception and doomed in practice.
Frei übersetzt:
Ein liberales Regime wird gesetzliche Schutzmaßnahmen gegen regierungsseitigen Missbrauch von Daten und Kommunikation (sic!) errichten und generell im Interesse persönlicher Freiheit und der Vereinfachung des Handels in Bezug auf Regulierung und Besteuerung eher sachte agieren. Der Umstand jedoch, dass böswillige Staaten die Macht, Telekommunikation zu regulieren, missbrauchen könnten, bedeutet nicht, dass freundliche Staaten diese Macht nicht haben sollten. (…) Wenn Sie noch nicht davon überzeugt sind, dass der Begriff des “Cyberspaces” blöd ist, probieren Sie einmal, “Fax” oder “Telefon” oder “Telegraf” in Wörtern und Sätzen durch durch “Cyber” zu ersetzen. Die Ergebnisse werden komisch sein. “Aktivisten prangerten Überwachungspolitik der Regierung für Kriminelle zur Kolonisierung des Faxspaces an.” “Sollte der Telefonspace kommerzialisiert werden?” (…) Wie andere intellektuell-politische Marotten des späten 20. Jahrhunderts, einschließlich neoliberaler Wirtschafts- und neokonservativer Fremdenpolitik, wurde die Idee des Cyberspaces als Parallelwelt frei von staatlicher Regulierung und kommerzieller Kompromittierung in seinen Grundzügen verwirrt und in der Praxis zerstört.
Der Autor dieser konfusen Zeilen ist Michael Lind, ein US-amerikanischer Nationaldemokrat (natürlich aus Texas, wen wundert’s?) mit neokonservativer Vergangenheit. Falls euch jetzt beim Lesen ein kalter Schauer über den Rücken läuft: Der Text wird übrigens deutlich lustiger, wenn man sich vorstellt, wie Michael Lind ihn auf einer Apfelsinenkiste auf dem Marktplatz einer beliebigen deutschen Kleinstadt vorträgt. Probiert es mal aus!

