Dass SPIEGEL Online nicht unbedingt ein Qualitätsmagazin ist, stellt man dort ja des Öfteren unter Beweis, zuletzt am Dienstag mit einem ziemlich missratenen Bob-Dylan-Konzertbericht, dessen Autor nämlichem Konzert offenbar nicht einmal beigewohnt hat (und Bob Dylan immerhin richtig schreiben kann, das ist ja auch schon etwas wert).
Lustig wird es aber, wenn SPIEGEL Online versucht, was mit Politik zu schreiben, denn das ist häufig eine Satire auf das Journalismuswesen selbst. Heute zum Beispiel berichtet Michael Sontheimer über den Abschluss des Prozesses gegen Verena Becker, einst aktives Mitglied der RAF.
Ich zitiere auszugsweise:
Vier Jahre für Beihilfe zum Mord, von denen zweieinhalb Jahre wieder abgezogen werden. Das macht 18 Monate Haft. (…)
In seinem Schlussvortrag erklärte [Michael Buback,] der Sohn des RAF-Opfers [Siegfried Buback,] dann: “Das Urteil ist für mich ohne Bedeutung.” Obwohl Becker für ihn die Mörderin seines Vaters ist, wollte er nicht, dass sie dafür verurteilt wird. (…)
Der Sohn des Terroropfers ist neben der Angeklagten der eigentliche Verlierer des Becker-Prozesses. Die Geschichte kennt oft keine Gerechtigkeit.
Mal für uns alte Leute zum Mitdenken: Der Sohn des Terroropfers wollte keine Verurteilung, diese Verurteilung erfolgte aber, und deshalb ist er nun der eigentliche Verlierer? Eine so obskure Logik kenne ich eigentlich nur aus so Frauenzeitschriften, in denen kein Satz ohne dramatische Adjektive oder sonstwie bedauerliche Attribute fallen darf.
Der Leser, der sich von einem einstmals vorgeblich seriösen Medium wie SPIEGEL Online relevante Erkenntnisse anstelle Betroffenheitsprosa erhofft hat, ist neben mir der eigentliche Verlierer dieses Vorgangs. Michael Sontheimer kennt oft keine Gerechtigkeit.


SPON ist in der letzten Zeit auf Süddeutsche Nihwo.
Ja. “In der letzten Zeit”.
Sie sind, mit Verlaub, ein Arschloch.
Du hast vollkommen Recht!
Ein Leser mehr!
Wer denn diesmal?