Liebe Leser,
dass ihr euch überhaupt hier eingefunden habt, ist beinahe schon anachronistisch, denn außer Loriot haben wir dieser Tage noch einen anderen üblen Todesfall zu beklagen, nämlich Blogs und Nichtblogs wie das meine. Blogs sind tot. Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.
Denn anstatt hier regelmäßig Gebühren für den Speicherplatz abzudrücken, könnte ich mir das auch einfach sparen und zu Google+ umziehen, denn dort finde ich als nicht profitorientierter Insinternetschreiber alles vor, was ich benötige:
Es gibt keine Limitierung der Post-Länge, wie es beispielsweise bei Facebook der Fall ist. Zudem lassen sich problemlos Medien wie Bilder und Video einfügen und es gibt eine Kommentarfunktion. Also eigentlich ist doch alles da, was ein Blogger braucht. Und die ersten Blogger haben sich bereits von ihren Blogs verabschiedet. Kevin Rose will beispielsweise nur noch bei Google+ Inhalte einstellen und teilen.
Ich weiß zwar nicht, wer dieser Kevin Rose genau ist, aber wenn er auf t3n.de erwähnt wird, ist er sicher sehr wichtig. Das gibt mir schon zu denken. Überdies hätte ich noch weitere Vorteile davon, künftig ausschließlich auf Google+ zu publizieren, denn dort profitiere ich von der Virilität des Netzes:
Blogger, die nur ihre Inhalte veröffentlichen wollen, um sie mit anderen Leuten im Internet zu diskutieren, haben eine andere Ausgangslage. Sie können dies ohne große Probleme auch bei Google+ machen und profitieren dabei von der Viralität des Social Networks.
Viren pflegte ich bisher zu bekämpfen; jetzt erfahre ich, dass Virenartigkeit ein positiver Aspekt ist, wenn man Menschen erreichen möchte. Verdammt, da habe ich eine große Chance vertan. Aber das ergibt Sinn: So eine Grippe verbreitet sich ja auch rasend schnell. Der gesellschaftliche Aufstieg vom Publizisten zum Virus ist wahrlich verlockend.
Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee, Blogs seien tot?
Nun, Robert Scoble — anscheinend wieder jemand mit viel Wichtigkeit, denn auch ihn erwähnte t3n.de nebst Verlinkung — hat bemerkt, dass in “sozialen Netzen”, etwa Facebook und Google+, viel mehr Kommunikation herrsche als in den Kommentarbereichen großer Nachrichtenseiten. (Im IRC, andererseits, findet auch mehr Kommunikation statt als in einer Bücherei, aber vielleicht kennt Robert Scoble das IRC ja nicht und kann daher diese Parallele nicht erkennen. Oder Büchereien.) Er zieht also den Schluss: Inhalte an den Mann zu bringen ist nur dort sinnvoll, wo viele Menschen aufeinander treffen. So weit ist das richtíg, in Berlin sind Dönerbuden vermutlich auch gefragter als in Paderborn, aber t3n.de verwechselt hier Interaktion und Mitteilung.
Ein Internetauftritt wie dieser hier oder wie die meisten Blogs dient vorrangig dem Zweck, einem interessierten Publikum Texte oder andere Medien nahe zu bringen. Ein solcher Internetauftritt ist sozusagen das persönliche Sprachrohr seines Besitzers oder seiner Besitzer, ungleich etwa einem Internetforum. Um bei der Analogie zu bleiben: Hätte ich ein Facebook-Profil, so würden die Menschen dort mit eventuellen Kommentaren auf mein Mitteilungsbedürfnis reagieren, aber ich würde es keinesfalls unterhalten, um Kommentare zu bekommen. Dies wäre bei Google+ zum Beispiel sicherlich auch nicht einfacher als hier, denn während ich hier mit eigener Internetadresse und weitgehend allein und mit größtmöglicher Gestaltungsfreiheit mal bessere, mal schlechtere Texte hinterlase und dafür mitunter von anderen Insinternetschreibern erwähnt werde, hätte ich bei Google+ genau das Problem der Virilität: In einem Sumpf aus hunderten, gar tausenden “Bloggern”, die unter schlecht zu merkenden Internetadressen mit dem immer gleichen design ihren Senf ablassen, findet man sich auch nicht besser zurecht, wenn die alle untereinander verlinkt sind. Google+ ist sozusagen ein Abbild der deutschen Blogosphäre ohne ihre zentralen Lichtgestalten, aber ich nehme an, das liegt lediglich daran, dass das Netz noch recht neu ist und Sascha Lobo noch keine Gelegenheit hatte, im Fernsehen zu erklären, wieso er Google+ verstanden hat und alle anderen nicht.
Natürlich ist gelegentliche Rückmeldung von Lesern hilfreich, natürlich fühlt man sich am Bauch wie auch an anderen Gliedmaßen mit Freuden bepinselt, wenn man positive Kritik erhält. Wer aber eine solche Internetpräsenz nur an den Kommentaren misst, wer sie also nur unter der Bedingung für relevant hält, dass sich eine Vielzahl von Besuchern als Kommentatoren hervortut, dessen Beweggründe seien hiermit angezweifelt.
Das tote Pferd ist quicklebendig. Es wiehert.

Es ist schon etwas anderes, sein mehr oder weniger eigenes Baby individuell betreuen und pflegen zu können, als im Einheitsbrei namens Google Plus herumzurühren. Allerdings erfordert ein eigenes, klassisches (selbst installiertes) Blog auch mehr Aufwand, was Google für manchen attraktiv machen dürfte, wobei m. E. irgendwann der Spaß auf der Strecke bleiben und Langeweile Einzug halten dürfte. Mit Google Plus ist es eben so, wie mit Windows: Für Anspruchslose genau das Richtige.
Daher werden künftig entweder beide Varianten nebeneinander bestehen, oder aber Google Plus wird untergehen; keinesfalls jedoch das klassische Blog.
Was an dem klickig-bunten Dummbuntu anspruchsvoller sein soll als Windows (die Windowsnutzer hier sind hiermit eingeladen, mal gpedit.msc genauer zu inspizieren, falls noch nicht bekannt), bitte ich zu evaluieren.
Nun, der Tod der Blogs wurde vielfach prophezeit, und die Alternativen gingen unter. Bedenke, selbst postero.us und soup.io wurden schon als “Nachfolger der Blogs” gehandelt, weil einfach zu bedienen und schnell “eingerichtet”. Erfolg? Pustekuchen!
Für Leute, die Google+ nur deswegen nicht mögen, weil es dort keine Glücksnüsse im Stream zu sehen gibt, mag so was das Richtige sein. Seine Gedanken geordnet hinterlassen geht aber nur mit einer Infrastruktur wie eben WordPress akzeptabel.
Die Zitate reichen schon aus nicht auf den zugehörigen Link zu klicken, selten so eine gequirlte Scheisse gelesen.
Was mich interessiert; wieso schreibt der
QuatschkopfAutor sein Gefasel in ein Blog und nicht in Google+? Dum?Ich hatte nicht die Muße, jedem Link dort zu folgen, aber ich nehme an, ein Blog pflegen die Herren sehr rege; voll mit AdSense, I presume.
@ tux: Mit keinem Wort erwähnte ich, dass Ubuntu anspruchsvoller ist, als Windows. Offensichtlich bemisst Du selbst Ubuntu diese Eigenschaft zu. Ich stimme jedoch mit Dir darin überein.
Du, Didi, irrst mit dieser Einschätzung wie immer.
Du hast recht, denn es ist nicht das Gleiche. Blog und Google + sind auch nicht zu verknüpfen, selbst dann nicht, wenn ds Blog von blogger ist. Das bedeutet doppelt posten, falls man es bei beiden veröffentlichen will, was man geschrieben hat.
Stream bei Google + ist das Eine, bloggen das andere.
Bei Google + kann man sich gut mit anderen verbinden, schön geordnet,- bloggen ist etwas ganz Anderes. Das ist meine Meinung.
soso, du stehst also auf Pferde.…
Nein, Sitzen halte ich für sinnvoller.