Netzfundstücke
Lego­männ­chen, Lego­f­räu­chen

Lukas ver­linkt dies:

Ich woll­te heu­te für mei­ne Töch­ter Lego­männ­chen kau­fen, und muss­te die erschrecken­de Fest­stel­lung machen, dass die­se mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit genau das sind: Männ­chen. Es gab über­haupt nur drei weib­li­che Lego­fi­gu­ren: eine jun­ge Dame in einem spie­ßi­gen geblüm­ten Ober­teil, die auf einer Bank sitzt und Musik aus einem Ghet­to­bla­ster hört (Erde an Lego: Bit­te ein­mal „iPod“ goo­geln), eine Toch­ter aus gutem Hau­se, die auf einem Pferd neben einem land­ro­ver­ar­ti­gen Auto mit Pfer­de­an­hän­ger sitzt, und eine Milch­magd mit einer Kuh auf einem Bau­ern­hof. Letz­te­re ist im Lego-Uni­ver­sum — oder dem Teil, der gera­de beim näch­sten Kar­stadt her­um­steht — die ein­zi­ge Frau, die einer Beschäf­ti­gung nach­geht. Alle ande­ren Berufs­tä­ti­gen sind Män­ner: von Sach­be­ar­bei­tern mit Akten­kof­fer über Pilo­ten, Inge­nieu­re, Poli­zi­sten, Feu­er­wehr­män­ner, Bau­ar­bei­ter und Müll­män­ner bis zu Pira­ten und futu­ri­sti­schen „Power Miners“.

Klingt höchst albern, ist aber ver­mut­lich voll­kom­men ernst gemeint: Da will jemand Lego­männ­chen (man beach­te, neben­bei, die Wort­wahl) kau­fen und ist nicht etwa unzu­frie­den mit der Preis­la­ge oder den immer kon­fu­se­ren Bau­an­lei­tun­gen zu den diver­sen Sets, son­dern mit ihrem Geschlecht, gar mit den Geschlech­ter­rol­len, die ihnen zuteil wur­de.

So weit hat uns die Eman­zi­pa­ti­on also getrie­ben, selbst im Kin­der­zim­mer hat die vor­geb­li­che Gleich­be­rech­ti­gung des ehe­mals „unter­drück­ten“ Geschlechts abso­lu­ten Vor­rang zu haben; wobei ich per­sön­lich ja davon aus­ge­he, dass die Toch­ter des erzürn­ten Schrei­bers auf das Frau­en­bild der Fir­ma LEGO A/S weit­ge­hend pfeift.

Aber bit­te, wenn wir’s dar­auf ankom­men las­sen wol­len: Wo bleibt eigent­lich in der hei­len Welt von Bar­bie das männ­li­che Ele­ment? Zu kau­fen sind unzäh­li­ge Frau­en­fi­gu­ren mit über­wie­gend gro­tesk über­zeich­ne­ter Figur, aber als männ­li­che Figur steht nur der lang­wei­li­ge Char­meur Ken zur Ver­fü­gung, der das männ­li­che Geschlecht nun wahr­lich nicht zu ver­tre­ten weiß, son­dern viel­mehr die Wunsch­vor­stel­lung des­sen dar­stel­len mag, was sich mit Bar­bie spie­len­de Jung­men­schen (in der Regel weib­li­chen Geschlechts) als „süßen Jun­gen“ vor­stel­len und auch vor­stel­len sol­len.

Wo blei­ben die Punks, die Metal­ler, die Rocker, die Säu­fer, die Kif­fer? Wo bleibt die Eman­zi­pa­ti­on des Man­nes in der hei­len rosa Wun­der­welt?

Ein Kom­men­ta­tor unter dem oben zitier­ten Ein­trag fragt übri­gens:

War­um gibt es kei­nen weib­li­chen Auto­bot (Trans­for­mers)? War­um hat das WINX-Uni­ver­sum nur weib­li­che Hexen­hel­din­nen? Und, um es noch etwas pla­ka­ti­ver aus­zu­drücken: War­um pro­du­ziert Always Bin­den nur für Damen?

Eben.