MusikPersönliches
Jazz war anders

Hal­lo, lie­be Pflau­men,

ich war nun gestern mit dem Klap­per auf dem Han­no­ver­kon­zert der Musik­grup­pe „Die Ärz­te“ und möch­te im Fol­gen­den einen kur­zen Bericht des Tages ablie­fern:

Da Han­no­ver eine Ecke ent­fernt ist, fuh­ren wir recht zei­tig los. Die N‑Joy-Frau, die an der War­te­schlan­ge vor­bei­lief, um irgend­et­was wer­be­wirk­sa­mes zu unter­neh­men, umging ich mit diplo­ma­ti­schem Ein­füh­lungs­ver­mö­gen („Für DEN Sen­der? Nie­mals!“), so dass wir nach dem Sicher­heits-Befum­meln (sind Mobil­te­le­fo­ne adäqua­te Nah­kampf­waf­fen?) vor Kon­zert­be­ginn das über­teu­er­te Cate­ring testen konn­ten (braucht jemand einen Die-Ärz­te-Becher?). Wäh­rend des Ver­zehrs von Bier und Piz­za hielt mein Beglei­ter freund­li­cher­wei­se den Rand, auch wenn wir uns zuerst nicht zwi­schen Piz­za- und Tischrand ent­schei­den konn­ten. Erste­rer gewann.

Schon um kurz vor 19 Uhr konn­ten wir die ersten „Wir woll’n die Ärz­te sehn“-Rufe ver­neh­men. Doch erst kam, wie ein gelang­weilt wir­ken­der Rodri­go der jubeln­den Men­ge mit­teil­te, die Vor­band. Beat­pla­net? Wer ist das? Nun… kennt hier jemand die Busters? Der­je­ni­ge möge sich bit­te die Busters in noch schlech­ter vor­stel­len, mit einem zu kurz gera­te­nen Angus Young an der Gitar­re und mit einem abso­lut ver­que­ren Humor: Es fol­ge ein sehr poli­ti­sches Lied, kün­dig­ten sie an, und dass es den Titel „Kei­ne Macht“ habe. „Kei­ne macht Lie­be so wie du“, na bedankt.

Um 19 Uhr 33 MEZ durf­ten die­je­ni­gen, die Beat­pla­net bis zum Schluss aus­hiel­ten, sie nach dem unsäg­li­chen Lied über Kos­mo­nau­ten­lie­be (haben die kei­ne Freun­din [die von Beat­pla­net, nicht die Kos­mo­nau­ten]?) end­lich ver­ab­schie­den, und schon bald fiel der schwar­ze Vor­hang mit dem wei­ßen Ä und ließ den Saal sich wie­der fül­len. Und durch­aus zu Recht: Pünkt­lich wie die Mau­rer bzw. die Medi­zi­ner erklan­gen hin­ter dem Vor­hang um 20:01 Uhr die mitt­ler­wei­le ver­trau­ten Klän­ge von „Him­mel­blau“. Ein Ope­ner als Ope­ner, wie über­ra­schend!

Und noch wäh­rend die Kapel­le blies bzw. eben nicht blies, son­dern spiel­te, öff­ne­te sich der Vor­hang pas­send zu Farins druck­vol­lem „yeee­aaaahh“, und die Men­ge begann zu toben. Das genüg­te für einen Blick ins Publi­kum: Die Rän­ge waren nicht ganz voll, aber noch immer zeig­ten sich grö­ße­re Frei­räu­me unten bei den Steh­platz­käu­fern. Das änder­te sich übri­gens bis zur Mit­te des Kon­zer­tes erheb­lich.

Die Track­li­ste, der Text­über­sicht wegen:

01 Him­mel­blau
02 Lied vom Schei­tern
03 Wie am ersten Tag
04 Nie wie­der Krieg (inkl. Wind of chan­ges)
05 Die Instru­men­te des Orche­sters (geht über in …
06 … Super 3)
07 Blu­men (inkl. Gehn wie ein Ägyp­ter)
08 2000 Mäd­chen
09 Sie kratzt, sie stinkt, sie klebt
10 Heu­le­rei
11 Dei­ne Schuld
12 Die klüg­sten Män­ner der Welt
13 Die ewi­ge Mai­tres­se
14 Breit
15 1/2 Love­song
16 Ich bin reich
17 Mei­ne Freun­de
18 Dei­ne Freun­din (wäre mir zu anstren­gend)
19 Tu das nicht
20 Mystery­land
21 Mach die Augen zu
22 Per­fekt
23 Wester­land
24 Las­se redn
25 Igno­ra­ma
26 Rebell („letz­tes Lied“, jetzt schon?)
27 Din­ge von denen
28 Elek­tro­bier
29 Punk­ba­bies
30 Schun­der-Song
31 Jun­ge
32 Der lusti­ge Astro­naut
33 Außer­ir­di­sche
34 Ist das alles
35 Zu spät
36 El Cat­tivo
37 Wir sind die Besten
38 Schrei nach Lie­be
39 Unrock­bar
40 Dau­er­wel­le vs. Mini­pli
41 Gute Nacht

Ja, „Pier­cing“ und „Nied­li­ches Lie­bes­lied“ haben sie wie­der nicht gespielt, scha­de eigent­lich – aber dafür gab’s was zu lachen. Abge­se­hen von den bekann­ten Ver­sin­gern und den berüch­tig­ten Ansa­gen ent­wickel­te sich auch auf die­sem Kon­zert ein „Run­ning Gag“. Nun ist Han­no­ver ja nicht unbe­dingt reich an erwäh­nens­wer­ten Errun­gen­schaf­ten, aber mit den Scor­pi­ons hat­ten­ses ja, die Ärz­te. Ohje! „Schö­ne Grü­ße / an die Scor­pi­ons…“ („Gute Nacht“).

Wenn man Rods Impro­vi­sa­ti­ons­in­kom­pe­tenz über­geht, war es auch lied­mä­ßig ein groß­ar­ti­ges Kon­zert. Zwar gab’s kei­ne „Elke“, aber Män­ner-Frau­en-Duel­le („Pfle­ge­leicht!“ „Satan!“ „Jesus Christ!“) und den unge­wohn­ten Anblick von Herrn Urlaub am Schlag­zeug (zu Beginn von „Tu das nicht“) soll­te man mal gese­hen und gehört haben. Soli­de. Die Besu­cher indes wuss­ten das, wie es scheint, nicht recht zu wür­di­gen; trotz Auf­ru­fen zum „Heat­ban­ging“ (O‑Ton, jawoll) sowie diver­ser Applaus- und La-Ola-Varia­tio­nen ent­wickel­te sich eine Stim­mung, wie man sie sich in sol­chen Kon­zer­ten vor­stellt, erst nach dem für vie­le anschei­nend noch immer ver­stö­ren­den Elek­tro­bier. Sel­ten so ein reg­lo­ses Her­um­ste­hen, selbst wäh­rend der fast unschlag­ba­ren Ver­si­on von „Wie am ersten Tag“ („Vor­bei! Die! Die!“), erlebt. Hach ja!

Aber „die Ärz­te ficken (bekannt­lich) das System, aber mit Hirn“; und so kamen dann auch die Lie­der an die Rei­he, die die TUI-Are­na („Ich hab mei­nen Urlaub schon gebucht. Bei Necker­mann.“) in Bewe­gung setz­ten. Der „Schun­der-Song“ konn­te wie gewohnt begei­stern – das Wort „Fres­se“ wirkt, wie es scheint, noch immer als „Par­ty­kra­cher“, wenn­gleich Beat­pla­net zuvor mit einem Lied, in dem auch flei­ßig nie­de­re Instink­te bedient wur­den, des­sen Titel ich aller­dings glück­li­cher­wei­se nicht ken­ne, recht erfolg­los blie­ben -, und bei dem offen­bar heiß ersehn­ten „Jun­ge“ gin­gen dann auch die Todes­mau­ern los, die bei „Dau­er­wel­le vs. Mini­pli“ ihren Höhe­punkt fan­den. Das dazwi­schen lie­gen­de „Unrock­bar“ indes wur­de von einem ärzt­lich ver­ord­ne­ten „Auf­ste­hen gegen Rechts“ (sic!) ein­ge­rahmt. „AUFSTEHEN! HINSETZEN!“ Ach, Bela…

Wer war eigent­lich der Irre im U5, der alle paar Minu­ten das Wort „Hüh­ner­ficker“ skan­dier­te und es tie­risch amü­sant fand? Er möge sich bit­te zwecks Unter­hal­tung unter „Freun­den“ mel­den…

Danach kam übri­gens nichts erwäh­nens­wer­tes mehr. Was auch?

Habe daher an die­ser Stel­le die Ehre und ver­ab­schie­de mich mit einem Lied von Klaus Mei­ne. ;)
(Hier bit­te ein Lied von Klaus Mei­ne ein­fü­gen!)

Tüdeldü…

Senfecke:

  1. Welch anschau­li­cher und amü­san­ter Beitrag!Aber eine Wort­schwei­rig­keit habe ich den­noch: Elek­tro­bier?
    So wenig Bilder…schade..Visualisierung ist immer ein guter Beglei­ter zu solch einem „Bericht“.

  2. Stimmt. Aber ver­such mal von einem der hin­ter­sten Rän­ge aus Fotos zu machen, wenn man nur eine klei­ne sog. Digi­cam mit rein­neh­men darf und selbst grö­ße­re Pro­fi­auf­nah­me­ge­rä­te dort nur schwie­rig gute Bil­der auf­neh­men kön­nen.

    Der Bericht ist toll, die Scor­pi­ons sind’s auch! Den Becher möch­te ich übri­gens haben, du bekommst aller­dings nichts dafür. Ich hab die Ein­tritts­kar­ten noch – möch­te irgen­den­je­mand benutz­te Ein­tritts­kar­ten eines Han­no­vers-Kon­zerts?

    Listening to the wind of chan­ge
    der­klap­per.

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