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Tho­mas de Mai­ziè­re respek­tiert den Tier­schutz nicht

Die inner­par­tei­li­chen Que­re­len, die die Pira­ten­par­tei in jüng­sten Umfra­gen ein hypo­the­ti­sches Wahl­er­geb­nis von etwa einem Pro­zent ein­fah­ren lie­ßen, könn­ten ihr inzwi­schen bei­na­he egal sein: Die Drei­pro­zent­hür­de für die Euro­pa­wahl wur­de – ganz im Sin­ne des von ihr pro­pa­gier­ten Ide­als, dass die Stim­me jedes Bür­gers glei­ches Gewicht haben soll­te – höchst­rich­ter­lich ver­bo­ten.

Wohl­ge­merkt: Es ist kei­nes­falls sicher, dass das ent­spre­chen­de Gesetz bis zum 25. Mai kor­ri­giert wor­den ist, was die Wahl auf ähn­lich töner­ne Füße stell­te wie bereits eine Bun­des­tags­wahl zuvor. Wohl auch aus die­sem Grund bleibt Innen­mi­ni­ster Tho­mas de Mai­ziè­re gleich­mü­tig:

Die Bun­des­re­gie­rung hat zurück­hal­tend auf das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts reagiert, wonach die deut­sche Drei-Pro­zent-Hür­de bei Euro­pa­wah­len ver­fas­sungs­wid­rig ist. Er «neh­me das Urteil zur Kennt­nis», sag­te Innen­mi­ni­ster Tho­mas de Mai­ziè­re in Ber­lin.

Ande­re „Unions“-„Politiker“, etwa Elmar Brok (Schmal­hans des Tages am 10. Febru­ar 2014, bit­te nicht wie­der wäh­len) und Jens Spahn (der die ver­fas­sungs­feind­li­che Drei-Pro­zent-Klau­sel lie­ber direkt in die Ver­fas­sung geschrie­ben hät­te), sind eben­so irri­tiert vom Urteil wie Poli­ti­ker so genann­ter „Bür­ger­rechts­par­tei­en“ wie den Grü­nen (das waren die mit den Kin­dern). Dass ihnen ohne die Drei-Pro­zent-Hür­de womög­lich ein Sitz – oder derer gar zwei – im Euro­pa­par­la­ment abhan­den kom­men wird, hat damit sicher­lich nichts zu tun.

Zumal (wie­der­um CDU/CSU):

Es gebe in allen gro­ßen EU-Län­dern aus guten Grün­den Sperr­klau­seln. „Nun müs­sen wir mit den Urteil leben und auch damit, dass wir Split­ter­par­tei­en und radi­ka­le Kräf­te aus Deutsch­land im EU-Par­la­ment haben wer­den. Das ist kei­ne sehr ange­neh­me Situa­ti­on.“

Ich bin auch der Mei­nung, dass radi­ka­le Kräf­te aus Deutsch­land (CDU/CSU) nicht im „EU-Par­la­ment“ den Geist der Men­schen ver­der­ben soll­ten; aber ich habe da eine prag­ma­ti­sche Lösung ent­wickelt: Ich wäh­le ein­fach eine ande­re Par­tei.

Aber was bedeu­tet die Ent­schei­dung rein rech­ne­risch? Nun:

Ein hal­bes Pro­zent der Stim­men rei­chen für einen Par­la­ments­sitz mit dem dazu­ge­hö­ri­gen Geld, den Mit­ar­bei­tern und dem Appa­rat. 130.000 Stim­men nur, um für die eige­nen Ideen bes­ser denn je im media­len Ram­pen­licht des Euro­pa­par­la­ments wer­ben zu kön­nen.

Ob auf der Basis die­ser Ent­schei­dung auch die Fünf-Pro­zent-Klau­sel für die näch­ste Bun­des­tags­wahl (spä­te­stens 2017) neu ver­han­delt wer­den wird, weiß ich nicht, aber inter­es­sant wäre es durch­aus. Für den Wäh­ler hat das erst mal eine rele­van­te Fol­ge: Es gibt kei­nen Grund mehr, bei der Euro­pa­wahl anhand der Aus­wahl zwi­schen „kommt rein“ und „kommt nicht rein“ zu wäh­len – selbst die Tier­schutz­par­tei kam 2009 auf 1,4 Pro­zent der Stim­men, bei ande­ren Kleinst­par­tei­en wie der F.D.P. sieht es ähn­lich aus. Die DVU, 2009 ein­zi­ge zur Euro­pa­wahl zuge­las­se­ne als rechts­extrem ein­ge­stuf­te deut­sche Par­tei, kam damals auf 0,4 Pro­zent, es ist also eher unwahr­schein­lich, dass nach der Wahl aus Deutsch­land mehr Rechts­extre­me als Tier­schüt­zer ins Euro­päi­sche Par­la­ment abge­scho­ben ent­sen­det wer­den.

Elmar Brok steht auf Platz 2 der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­li­ste der CDU. Das aller­dings macht mir wirk­lich gro­ße Sor­gen.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Wir wol­len kei­ne Demo­kra­tie­fein­de in unse­rem Land! Übri­gens: Unser Land ist schei­ße! Nie wie­der unser Land! :irre: