Und da wir gerade bei Spinnern waren, läuft mir hier die neueste Protestaktion der “Femen” über den Ticker:
Eine erst seit Juni 2013 nicht mehr inhaftierte “Femen”-Aktivistin nutzte die Weihnachtsfeier im Kölner Dom für überaus kreativen Protest, indem sie sich in der unheiligsten aller Sprachen “I am God” — “ich bin Gott” — auf die Brüste schrieb und vor dem Kardinal (Meisner, das war der hier) fast nackt auf den Altar sprang. Mal abgesehen von der Offenbarung, die die Botschaft, man halte sich in seiner Rolle als körperfixierte Aktivistin für einen Gott, mit sich bringt: Wie muss man sich die Planung einer solchen Tat eigentlich vorstellen? Nein, anders: Wie kommt man auf den Quatsch?
Protest gegen die katholische Kirche kann ich verstehen, kreativen solchen finde ich normalerweise besonders löblich. Sich mitten in einer Messe aber selbst “nackt” — mir scheint, für die Medien sei “nackt” inzwischen identisch mit “hat obenrum nur Buchstaben an”, was ich insbesondere aus sprachlichen Gründen als bedauernswert empfinde — zum Gott zu erklären gehört nun eher nicht zu den Aktionen, die ich für einen wirkungsvollen Protest halte.
Hat ja auch nur bedingt geholfen:
Einem Bericht des “Kölner Stadtanzeiger” zufolge segnete Meisner den Altar nach dem Vorfall mit einem kurzen Ritual neu ein und führte den Gottesdienst fort. (…) Am Ende des Gottesdienstes schloss er die Aktivistin in sein Gebet mit ein.
Die Identität des neuen Gottes kühl ignorierend die Entweihung des Tempels aufheben, während die verwirrte “Nackte” (SPIEGEL ONLINE) wieder der weltlichen Macht übergeben wird, die obendrein nicht ungeschoren davonkommt, sondern für die auch noch vor dem Gott, gegen den sie antrat, um Gnade gebeten wird; das zeugt von, pardon!, Eiern. So schwer’s mir auch fällt: Respekt!
Ich salutiere den gelehrten Herrn!
Mephistopheles, “Faust”, Kap. 6


Das gefällt mir! Danke.
Bittesehr!