Früher, lange vor “Twilight” und “Harry Potter”, sprachen Protagonisten in Kinderbüchern noch sturzfreies Deutsch. Pippi Langstrumpf unterhielt sich fröhlich nicht etwa mit der Tochter des afroamerikanischstämmigen Königs, sondern mit der Negerprinzessin im Taka-Tuka-Land, und Kinder, die ihre Schuhe nicht wichsen wollten, bekamen eine gewichst.
Mit der Negerkönigin ist es schon lange vorbei, der Thienemann-Verlag (“Thienemann Verlag”, saudoofer Name) arbeitet nun obendrein an einem Wichsverbot:
Der Stuttgarter Thienemann Verlag streicht das Wort “wichsen” aus den Kinderbuchklassikern Otfried Preußlers. In einer Erklärung heißt es, dass Kinder diesen Begriff heute nicht mehr im Sinn von “putzen”, “polieren” kennen würden oder gar als Synonym für die Prügelstrafe. Früher aber seien Stiefel “gewichst” worden — und Kinder wurden “durchgewichst”. In diesem speziellen Fall, so der Verlag, “erscheint es uns sinnvoll, daraus ‘verhauen’ zu machen.”
In jedem anderen Fall wird der Verlag künftig von “von der Palme wedeln” sprechen, nehme ich an. Interessante Schulhofgespräche sind denkbar: “Gib uns dein Pausenbrot, oder du wirst gewichst!” — Ach nein, Pausenbrot sagt man ja heute auch nicht mehr. Pausendöner vielleicht.
Die für den Sprachwandel zuständigen Mitarbeiter des Thienemann-Verlags (“Thienemann Verlag”, nochmals; ernsthaft‽) haben womöglich selbst keine Kinder. Ich hoffe dies inständig. Ein normales Kind, das altersmäßig der Gruppe derer angehört, die die Kinderbuchklassiker Otfried Preußlers (Thienemann-Verlag [“Thienemann Verlag”, kann doch nicht wahr sein] über selbige) üblicherweise lesen, kennt das Wort “wichsen” nicht, weder als Prügeln noch als Onanieren, sofern elterliche Aufmerksamkeit nicht fehlte. Fehlende elterliche Aufmerksamkeit durch politisch korrekte — was an “wichsen” politisch inkorrekt ist, möge mir ein Klügerer erklären — Sprache kompensieren zu wollen halte ich für wenig sinnvoll.
Klar ist allerdings: Wenn diese Sprachverdreher mir auf der Straße begegnen, werd’ ich auch mal wen durchwichsen.
Dann gibt’s a Fotzn!

“Wichsen” heißt ab sofort natürlich — im Thieneman AAAAH, wie schön, ein Ruheplatz zwischen zwei Wörtern! Verlag — natürlich — Achtung, jetzt “kommt’s”:
wich sen.
Zu meiner Zeit (ja, die Achtziger gehörten mir ganz persönlich) wurde mir gerne mal die Verwendung des Wortes aus einem anderen, aber ähnlich brunz(pipi?)dummen Grund verwehrt: “Das schreibt man Wixen, Idiot!”
Selber Idiot, hoffentlich ist dieser ignorante Mitschülerquäler abgewichst o. ä.
Keine Sorge. Niemand mit Musikverstand will dir die Achtziger wegnehmen.
Hier werden Neger durchgewichst? — Was sollen da nur die Mitbürger mit anderer sozialer Auffassung und Migrationshintergrund sagen?
Evtl. “das ist aber wirklich nicht gut!”.
schmesserdisch
alda?