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Medienkritik in Kürze: Three Eleven

Seit dem 11. Sep­tem­ber (2001, A.d.V.) ist die Welt nicht mehr dieselbe. Sog­ar Datum­sangaben wer­den seit­dem sol­i­darisch US-amerikanisiert, selb­st dann, wenn sie mit den USA nichts zu tun haben, son­dern an besagtem Tag nur irgen­dein Ärg­er­nis geschah.

Etwa anlässlich des Jahrestages — feiert man das eigentlich? — der Havarie des Kernkraftwerkes Fukushi­ma am 11. März 2011, der das so genan­nte “Nachricht­en­magazin” N24 heute dazu ver­leit­ete, fol­gende bescheuerte Über­schrift zu wählen:

Japan gedenkt “3/11”

Dass Japan (valid­er, aber unnötig drama­tisieren­der pars pro toto) “3/11” gedenkt, halte ich für unwahrschein­lich, denn Datum­sangaben wer­den in der japanis­chen Sprache nicht in US-amerikanis­ch­er Schreib­weise getätigt; soll heißen, dass es gut sein kann, dass in den Vere­inigten Staat­en lebende Japan­er “3/11” gedenken, die in Japan leben­den Japan­er aber ver­mut­lich eher so etwas wie “3月11日” — und weil kein­er weiß, wie um alles in der Welt man das aussprechen soll, fasst man es im Deutschen ein­fach ganz anders zusam­men: “Japan gedenkt dem Atom­reak­torunglück von Fukushi­ma”, not­falls (gemäß genan­nter Regel) “Japan gedenkt Fukushi­ma”.

Dass man bei N24 lieber Englisch schwätzt, ist vor dem Hin­ter­grund von Pearl Har­bor beson­ders amüsant. Aber Sol­i­dar­ität geht vor — mit wem, ist ja dann auch egal.

(Mit Dank an L.!)