Ein possierliches Titelbild hat der SPIEGEL sich da für seine dieswöchige Ausgabe geben lassen, in der man, passend zum anstehenden Neujahrstag, unter anderem das Thema “Gute Vorsätze” in ermüdenden Wortschwallen plattwalzt.
Auf den “Klebezetteln” auf dem Titelblatt des SPIEGELs steht so manches, was als Vorsatz für das kommende Jahr gutzuheißen ist, etwa “Wählen gehen” und “Nicht mehr rauchen”, aber auch etwas, was mich verblüfft:
“Goethe statt Sarrazin” fordert der, von oben gezählt, dritte Klebezettel auf der rechten Seite, und angesichts des Umstandes, dass Sarrazins prima Buch unverändert die Bestsellerliste des SPIEGELs anführt, macht mich das schmunzeln.
Warum aber ausgerechnet Goethe? Gemessen an heutigen Maßstäben würde man Goethe wohl gemeinhin einen “linken Gutmenschen” nennen, stets warnend vor dem politisch Radikalen. Der SPIEGEL, so scheint es, möchte sich gern wieder links positionieren, eventuell auch deshalb, weil seine Leser aufgrund des Allerwelts-Einheitsbreis, den er mittlerweile kredenzt, lieber anderswo speisen, und dazu passt es dann auch, dass Henryk M. Broder, einer der letzten kritischen Kolumnisten des SPIEGELs, nunmehr für die konservative Konkurrenz schreibt, was den SPIEGEL der Beliebigkeit ein weiteres Stück näher rückt.
J.W.v.Goethe jedenfalls, so schlägt man in der SPIEGEL-Redaktion vor, solle man statt Thilo Sarrazin lesen, und das führt man nicht weiter aus, denn Sarrazinvergleiche sind gerade im Trend und sprechen für sich; Hitler war gestern.
Nun allerdings hat der gute Herr Goethe letzlich auch nichts anderes geschrieben als Sarrazin (oder eben Broder), etwa dieses aus seinem Nachlass stammende Zitat:
Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heisst beleidigen.
Denn das, was man dieser Tage gemeinhin als Toleranz missversteht, ist nichts anderes als eben die Duldung fremder Kulturen unter Aufgabe der eigenen, und das ist heute so wahr wie zu Goethes Lebzeiten.
“Goethe statt Sarrazin” ist eine reichlich seltsame Anwandlung, denn im Gegensatz zu Sarrazin ist Goethe zwar allgemeingültig, aber nicht aktuell, relevant zwar für das Leben, nicht aber für das Tagesgeschehen. Ich schlage vor: “Goethe und Sarrazin statt gar nichts und Sarrazin”. Das klingt natürlich nicht so griffig.


Hitler war gestern? — jaha genau…
schon gelesen dass man in Zukunft darüber nachdenkt am Flughafen die Reisenden in ethnischen Gruppen zu unterteilen und jene dann ungleichmäßig kontrollieren will, natürlich ganz nach israelischem (welch Ironie der Geschichte) Vorbild?
Ich warte auf die Rückkehr des Judensterns zum Anstecken.
Das eigentlich Prima’e ist ja, dass die Juden heutzutage in selbstgewählten Ghettos leben. Man muss sie nicht erst umständlich zusammenpferchen.