Die Sonnabende unmittelbar vor einer Wahl lassen deutsche Innenstädte noch schwerer zu ertragen werden als sonst. Zu bemitleiden sind sicherlich diejenigen, die ohne jedes Redetalent einen Informationsstand ihrer Partei zu bemannen haben: Wähler der hiesigen AfD zum Beispiel wird man vermutlich, obwohl, und nicht, weil man mit ihren Werbern gesprochen hat.
In der Innenstadt zahllose Kleinkinder mit Parteiluftballons zu sehen wirft in mir regelmäßig die Frage auf, was Parteien sich davon versprechen: Kinder im Luftballonalter haben kein Stimmrecht und Eltern legen (hoffentlich) mehr Wert auf politische Inhalte als auf Kugelschreiber und Aufkleber.
Andererseits: Vor einigen Jahren verteilte ich selbst an politischen Infoständen Aufkleber. Diese hatte ich selbst gestaltet und es war kein Parteilogo darauf zu sehen, stattdessen trugen sie die Aufschrift „Fickt euch!“ oder ein schlichtes „Nein.“. Mit so etwas gewinnt man interessiertes wahlberechtigtes Publikum, nicht mit Gefasel und Kinderschminken.
Die Linke hat es heute richtig gemacht: Dort erhielt ich einen Becher mit hinreichend starkem Kaffee. Damit hat die Linke es als bisher einzige Partei geschafft, selbst im Rahmen ihres Wahlkampfes mein Leben zu verbessern. Ob und wie sich das auf mein Wahlverhalten auswirkt, soll hier gar nicht das Thema sein; aber wenn eine Partei, die hinsichtlich der Zustimmung im Volke gerade strauchelt, hier nach Ideen forscht, so empfehle ich einen Ausschank. Politik ist trocken genug.
Mit Ballonschminken und Kinderkneten taugt man nur zum Zirkus.

Eine der Gründe warum die AfD $hier die letzten Male so stark gewesen ist. Man gewinnt keine Wähler indem man “Stadt-Land-Wir” oder ähnliches als große Plakate an die Bundesstraßen stellt. Man gewinnt Wähler indem man in die kleinste Gemeinde fährt und dort eine Bratwurst umsonst verteilt und der Brandwurstbräter zufällig ein Parteilmitglied ist der nichts über seine Politik erzählt, außer er wird gefragt.
Die armen Kinder.