Musikalben. Es gibt solche und solche. “Eraser Stargazer” von Guerilla Toss (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp) ist ein solches.
Bei Guerilla Toss scheint es sich um ein 2010 gegründetes Quintett aus den USA (einst Massachusetts, heute New York) zu handeln, das seit Bestehen bereits drei Keyboarder und fünf Bassisten verschlissen hat. Seit 2012 ist Sängerin Kassie Carlson dabei, was der Band so wichtig ist, dass sie in ihre Bandcampbeschreibung “female vocals” geschrieben hat. Gibt es ja sonst noch nicht so oft, also Bands mit ’ner Sängerin.
Scherz beiseite, Musik ins Gespräch: Wir haben es auf “Eraser Stargazer”, dem derzeit vorletzten Studioalbum der Gruppe, mit einer erfreulich genreübergreifenden Musikalität zu tun, die den hüpfenden Bass guten Jazzrocks, die Verspieltheit von Canterbury und RIO, die Gitarrenflächen von Spacerock sowie die Perkussion von Weltmusik in angenehmer Qualität miteinander kombiniert.
Dazu erklingen Kassie Carlsons energiereiche, oft überdrehte Postpunk-vocals mal gesprochen, mal gerufen, nie aber bloß schöngeistig gesungen. Manches braucht keine Gesangsmelodie. Eine Art Refrain ist mitunter — etwa im abschließenden “Doll Face On The Calico Highway” — freilich auszumachen, aber für diejenigen Menschen, denen das wichtig ist, ist Guerilla Toss auch die falsche Band.
Mein einziges nennenswertes Problem mit “Eraser Stargazer” ist seine Länge: Nach nicht einmal einer halben Stunde ist der Spaß vorbei. Andererseits hat die Band bislang fünf Studioalben, sieben EPs und ein Livealbum veröffentlicht, man kriegt also durchaus eine ausreichende Dosis Guerilla Toss zusammen. Statistisch gesehen sollte es bis zu einem neuen Album aber nicht mehr lange dauern.

