Auf “ZEIT ONLINE” beklagt Hauke Friederichs heute unter der ach-so-dramatischen Überschrift “Die überforderte Armee”, dass die Bundeswehr nicht ausreichend auf eine anständige Runde Realkillerspiele vorbereitet ist:
Der Wehretat wird bis 2019 von 33 auf 35 Milliarden Euro erhöht, darauf hat sich das Kabinett bereits geeinigt. Doch die größten Probleme der Streitkräfte sind damit nicht gelöst: Ihre Einsätze werden immer brisanter, die Ausrüstung dennoch immer älter. Die Bundeswehr werde überfordert, warnen Bundeswehrverband und der Wehrbeauftragte des Bundestages. (…) Zwar soll die Bundeswehr nun mehr Geld erhalten – doch die Zahl ihrer Aufträge dürfte weiterhin deutlich stärker steigen als die Mittel.
Das Erteilen von Aufträgen an Gruppen von Leuten, die zur Erfüllung dieser Aufträge bewaffnet sein müssen, nannte man früher ja noch ganz anders, aber Sprache ändert sich eben. Schlagen wir doch mal eben im Sprachkompendium “ZEIT ONLINE” (gleicher Artikel) nach, wie man das heute so nennt, wenn ein Staat bewaffnete Milizen irgendwo, wo sie nichts zu suchen haben, hinschickt, worauf sie dort mit etwas Glück wenigstens von Bomben zerfetzt werden, bevor sie jemandem wehtun können:
“In den nördlichen Landesteilen Malis ist die Bedrohungsstufe erheblich”, sagte Staatssekretär Markus Ederer aus dem Auswärtigen Amt im Bundestag. (…) “Jüngste Vorfälle, (sic! A.d.V.) wie der Angriff auf das Hotel Radisson Blu in Bamako am 20. November 2015 zeigen, dass radikale Kräfte weiterhin versuchen, den eingeleiteten Aussöhnungsprozesses zu untergraben.”
Ach, richtig: Aussöhnungsprozess.
Das Problem der Bundeswehr ist nicht, dass sie zu wenig Geld hat.
Das Problem der Bundeswehr ist, dass sie noch immer existiert.


Über sechs Prozent!
Und dieses tolle Ergebnis wurde ganz ohne erpresserische Streiks erzielt.
Gewerkschaften sind halt Rotz.
Was wäre deiner Meinung nach die Alternative zur Bundeswehr?
Das ist leicht: Keine Bundeswehr.
Deutschland befindet sich momentan und auf absehbare Zeit nicht in einer Situation, die eine voll (nun ja, “voll”, siehe “ZEIT ONLINE”) ausgerüstete Armee braucht, um die eigenen Grenzen gegen Eindringlinge (“den Iwan”, siehe “SPIEGEL ONLINE” et al.) zu sichern. Eine deutsche Armee aber, die in fremden Ländern mit Panzern rumfährt, trägt sicher nicht dazu bei, dass Deutschland ein angenehmeres oder friedlicheres Land wird.
Klar, es gibt “Hilfseinsätze”. Dafür hab’ ich eine Lösung parat: Das THW.
Noch Fragen?
Würden wir eine solche Situation nicht provozieren, wenn wir unsere Armee abschaffen?
Ich kann ja verstehen wenn man die lauten Panzer nicht mag und die Wehrdienstleistenden im Zug waren auch immer blöd auf dem Weg an den Strand aber unsere Verteidigung dem THW anzuvertrauen?
Ich finde das doch etwas weltfremd, um ehrlich zu sein.
Du meinst, ich verkenne all die Länder um uns herum, die nur darauf warten, dass wir unsere legendäre Armee einstampfen, um gefahrlos hier einmarschieren zu können? Welche Länder sollen das denn sein? Die Schweiz?
Nein, ich möchte “unsere Verteidigung” (nichts verteidigt Deutschland besser als mit Panzern in Nahost herumzufahren!!1!) nicht dem THW anvertrauen. Ich sehe nur exakt einen einzigen Nutzen für die Bundeswehr, der einem friedlichen Staat würdig ist, und das ist das sprichwörtliche Brunnenbauen. Dafür brauchen wir aber keine Horde von bewaffneten Idioten.
Wir haben jetzt 70 Jahre Frieden. Mein ganzes Leben. Da kann schon mal die Perspektive verrutschen, das verstehe ich. Ein Blick in die Geschichte in die Welt genügt allerdings um zu wissen, dass das die Ausnahme ist und nicht die Regel. Eine Armee muss da sein wenn man sie braucht. Die zaubert man nicht einfach aus dem Hut wenn der Iwan oder sonst wer vor den Toren steht.
Und wenn es hilft der Welt in Erinnerung zu rufen, dass es diese, unsere Armee gibt, wenn man dazu in anderen Ländern mit Panzern herumfährt habe ich damit keine größeren Probleme. Ausserdem sind wir in Allianzen eingebunden. Da hilft man sich gegenseitig.
Ich finde Deine Pippi-Langstrumpf-Sicht auf die Dinge bedenklich.
Wenn die Armee eines Staates die Armee eines anderen Staates bekämpft, dann hat dieser Staat keinen Frieden. Oder bist du der Ansicht, die USA lebten auch seit vielen Jahrhunderten im Frieden mit allen Ländern, bloß, weil da seit der britannischen Invasion (“Pionierzeit”, welch widerlicher Euphemismus) niemand einmarschiert ist? Nein, Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht lange gewartet, um endlich wieder kriegstauglich zu sein. Sogar für mindestens einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Kosovo hat es dank der ehemaligen Friedenspartei “Die Grünen” schon in den 90ern wieder gereicht. Widdewiddewitt…
Nehmen wir aber einfach mal spaßeshalber an, die Bundesregierung besäße nach Jahrzehnten endlich mal den Anstand, die Bundeswehr ausschließlich zu Verteidigungszwecken einzusetzen, wie es prinzipiell ja auch vorgesehen ist: Für welches realistische (wohlgemerkt: ich rede nicht von “bestimmt kommt hier morgen der Russe her”, “bestimmt wirft Nordkorea übermorgen Atombomben auf ganz Europa” oder “bestimmt ist nächste Woche der Dritte Weltkrieg da”, sondern irgendwas, womit nicht mal Jakob Augstein rechnet) Szenario würdest du Deutschland denn gern gerüstet sehen? (Randbemerkung, weil ich Klammern und Randbemerkungen so mag: Die Schweiz hat da einen ganz einfachen Trick, wie sie nicht mal in Weltkriegen eine Armee braucht — sie macht einfach nicht mit.)
Ja, es hilft Deutschland sicherlich, ab und zu mal darauf hinzuweisen, dass es immer noch kriegstauglich ist. Genau das erwarten ja alle von uns. — Diese Allianzen sind überflüssig und dumm. Inwiefern profitiert Deutschland zum Beispiel von der Militärallianz mit den USA, die nicht nur den Nahen Osten bedrohen, sondern ihrerseits auch noch mit Staaten wie Saudi-Arabien verbündet sind, die — ganz Arschlochstaat — kein Problem damit haben, zum Beispiel im Jemen Zivilisten auf Marktplätzen hundertfach in die Luft zu sprengen? Wofür brauchen wir das? Hast du Angst, dass die USA uns sonst den Krieg erklären?
Sei doch nicht so kriegsgeil und vor allem nicht so doof.