(Vorbemerkung: Da populistische Kommentare zum Weltgeschehen offenbar genug Werbeeinnahmen bringen, um grauenhafte “Nachrichtenportale” wie WELT.de — aus LSR-Gründen hier nicht verlinkt — am Leben zu halten, versuche ich es jetzt auch mal.)
Einer der Vorteile, in einem sich international gebenden Unternehmen zu arbeiten, besteht darin, dass man eine ganz andere Sicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge in einigen Ländern bekommt, über die sonst nur Schmähschriften zu erscheinen scheinen. Damit meine ich ausnahmsweise nicht einmal Russland. Jüngst hatte ich etwa die Gelegenheit, mir einmal darlegen zu lassen, woran die griechische Wirtschaft eigentlich krankt. Ich war allerdings nicht bedeutsam überrascht, als mir offenbart wurde, die Schuld trage nicht etwa der schrecklich kommunistische Finanzminister, der übereinstimmend als “guter Troll” bezeichnet wird, sondern die dortigen Steuerzahler.
Bereits im Februar schrieben Medien, es sei der “größte Test” für den griechischen Premierminister Alexis Tsipras, sein Volk dazu zu bringen, Steuern zu zahlen, was sich seit Jahren als schwierig erweist.
Das fängt schon bei den Belegen für die Steuererklärung an. Die gehen gern mal “verloren”. Da gebe ein Unternehmen an, es habe vierzig Prozent seiner Waren defekt erhalten, leider gebe es aber keine Belege. Das hierfür geforderte Bußgeld sei noch immer niedriger als die Steuer. Damit das nicht auffällt, seien es jedes Jahr andere Waren, die leider, leider unbrauchbar seien. Ein System zur Digitalisierung der Belege hat sich nicht durchgesetzt, etwa, weil kaum ein Geschäft die erforderlichen Kartenleser verwendet.
Gibt es niemanden in Griechenland, der aufpasst, dass nicht alles völlig im Chaos versinkt? Doch, so wurde es mir erzählt, zum Beispiel würden Betreibern von Nachtclubs, die sich nicht an gesetzliche Vorschriften halten, Gefängnisstrafen auferlegt. Wohlgemerkt handele es sich dabei selten um den tatsächlichen Betreiber, vielmehr werden Menschen dort beschäftigt, deren einzige Aufgabe es sei, die Mindeststrafe von einem Tag in Haft abzusitzen. Das passiert also, wenn sich in einem Land der “zivile Ungehorsam” durchsetzt, der hierzulande gelegentlich gefordert wird.
Andererseits nähert sich Griechenland in wirtschaftlicher Hinsicht gerade Russland an, was bekanntlich von einem Pakt mit dem Teufel sowieso nicht weit entfernt ist. ZEIT ONLINE freut sich zum Beispiel heute:
Russland wurde wegen der Annexion der Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen, die früher G8 hieß. Ihr gehören heute neben Deutschland und Frankreich die USA, Kanada, Italien, Großbritannien und Japan an.
Die friedlichen Westmächte um die Vereinigten Staaten und das kosovoverwöhnte Deutschland dulden niemanden in ihrer Mitte, der mit einer Armee in anderen Ländern seine Macht festigt. Den eigenen politischen Einflussbereich erweitern darf nur, wer einen guten Grund (Erdöl) vorzuweisen hat. Endlich tut mal jemand was für den Weltfrieden.
Hat Griechenland eigentlich Atomwaffen?
Blöde Idee des Tages: Ein Gürteltier erschießen wollen.

