Gute Nachrichten für Selbstmörder: Die Bahn wird erneut bestreikt. Qualitätsmedien dieses armen Landes haben sich der Sache bereits angemessen angenommen; BILD und FOCUS ONLINE (aus Niveaugründen — Penis — hier nicht verlinkt) veröffentlichen Telefonnummer und Foto vom Haus des GdL-Vorsitzenden, auf dass der Pöbel seinem Unmut über das Streikrecht angemessen Luft verschaffen kann. SPIEGEL ONLINE stört sich derweil am timing: Ausgerechnet zur Feier des Mauerfalls in Berlin. Zum Glück sind 1989 die Züge noch gefahren!
Warum schon wieder gestreikt werde? Lokführer bekommen angeblich zu wenig Geld, das tun Pflegekräfte zwar auch, aber die haben Anstand. So ein Lokführer möchte ja auch nicht im Krankenhaus liegen und dann wegen eines Warnstreiks nicht versorgt werden. Mehr Geld bekommt wegen dieses Streiks allerdings zumindest die Branche der Fernbusbetreiber.
Von derlei moralischen Überlegungen einmal abgesehen ist “ausgerechnet zur Feier des Mauerfalls” (SPIEGEL ONLINE) das Streikrecht dennoch ein hohes Gut. Im September 1980 war in der DDR von einem Terrorakt die Rede, nicht allzu weit entfernt von den Aussagen von Sigmar Gabriel (SPD, ehemals Arbeiterpartei), der von einem Missbrauch des Streikrechts sprach; gestreikt werden darf hierzulande eben nur dann, wenn niemand es bemerkt. Dass die Gewerkschaft der Lokführer allerdings alleiniges Ziel der geballten Empörung ist und sich diejenigen, die sich sonst über Preiserhöhungen, Rekordgewinne und elend lange Verspätungen der Bahn aufregen, Hilfe suchend an sie wenden, zeugt im Übrigen zumindest davon, dass das, was Boulevardblätter so ins Internet reinschreiben lassen, sich eines großen, willigen Publikums erfreuen dürfte.
Die Wertschätzung des Menschen muß begründet werden auf der Art und Weise, in der er seiner ihm von der Allgemeinheit überantworteten Aufgabe gerecht wird.
Adolf Hitler
Diskriminierung des Tages: Wenn eine Lobbyorganisation durch ein von ihr gefordertes Gesetz Umsatzeinbußen hat.
