In Hannover wurde ich heute einer zumindest bemerkenswerten Szene gewahr; dass nämlich die AfD einen Informationsstand abhielt, im Rahmen dessen sie für ihre Ideen warb, während den Infostehenden ein Pulk von Menschen gegenüberstand, ein Banner mit der Aufschrift „FCKAFD“ sowie ein paar sonderbare Flaggen, deren Bedeutung nachzuschlagen mir nicht wichtig genug war, schwenkten und irgendetwas plärrten. Bin ich in Hannover unterwegs, höre ich jedoch lieber Sula Bassana aus dem Kopfhörer als Geplärr aus wutverzerrten Mündern. Ich gehe davon aus, das beidseitig Geäußerte war aber ohnehin nicht hörenswert.
An diesem Gebaren ärgert mich zweierlei: dass nämlich erstens das gegenseitige Angiften als „politisches Engagement“ missverstanden wird, wo doch ein konstruktiver Gesellschaftsentwurf mehr Antworten birgt (aber sicher ist das Blödfinden des Gegners einfacher als das Präsentieren einer Idee, ich kenne das ja auch von mir), und dass zweitens das verschämt seines Vokals befreite Ficken für etwas Übles gehalten wird, als sei man katholischer Fundamentalist und als halte man sich nicht für im Dienste der Aufklärung tätig.
(Ist man ja auch nicht.)
Die auf gewisse Weise drollige Idee, „kein Sex mit Rechten“ und – ich paraphrasiere – „fick die Rechten“ seien zwei dialektisch harmonische Aussagen und lassen ihren Verwender nicht etwa dümmlich, sondern vielmehr engagiert für das Gute erscheinen, ist nur zu erklären, indem man davon ausgeht, dass diese Zeit der Ungewissheiten neben manch anderem Opfer auch den Verlust der Errungenschaften unserer Eltern zu beklagen hat. Das vermeintlich englische „fuck dieses“, „fuck jenes“ heißt eben nicht „scheiß drauf“, sondern wird allenfalls von verklemmten Hobbypuritanern als solches umschrieben, weil Sex nämlich hihihi oder, wahlweise, pfui ist. Kiffen und die Polizei hassen wie die 68er wollen sie immer alle, aber Beischlaf ist ihnen wieder so beschämend, dass sie konsequent zu solchem auffordern, weil sie glauben, das nehme den Üblen die Würde, und nicht erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist.
Politische Agitation braucht sicher keinen sprachlichen Schliff; aber wirken würd‘ sie mit ihm wohl doch nachhaltiger. Tucholsky hätte auch nicht „ficken“ gesagt, das macht seinen Charme aus. Ob aber wohl noch in einem Jahrhundert jemand wissen wird, wer heute in Hannover was gebrüllt hat?

Ich fürchte, das „FCK“ ist noch ein bißchen doofer.
Zum einen geht’s dabei ja nicht um allgemein Sex, sondern die spezifische aktive Handlung beim rein-raus. Notabene nicht die passive Handlung. Ficken als primär Machtausübung, die sich sekundär auch noch gut anfühlt. (In verschiedenen Ländern gilt: wenn bekannt wurde, dass der Mann A den Mann B gefickt hat, hat Mann B ein gesellschaftliches Problem, Mann A aber nicht.)
Zum zweiten ist es ja nicht „FCKE“, sondern „FCK“. Selbst im völlig-ganz-radikal-linken Protest noch sprachlich fest an der Seite der USA…
Insgesamt wären mir verklemmte Hobbypuritaner fast lieber. Solange die tatsächlich im Hobbylevel sind, jedenfalls.
(Oder setzen die „FCK“-Leute ihre Gegner mit dem Kaiserslauterner Fußballverein gleich? Aber soo brutal werden die doch wohl nicht sein, oder?)
Ich weiß nicht: den Ruf „kaiserslautert die AfD!“ finde ich als Sympathisant eines hier nicht weiter bedeutsamen Konkurrenzvereins gar nicht mal so bescheuert.
Feindliche Club-Konkurrenz also.
(Wo ist ein Korrektur-Button? Warum ist das erste „bold“-Tag nicht ordentlich nach dem „F“ geschlossen? Sollte ich für heute Feierabend machen? Fragen über Fragen…)
Für Editieren müsste ich Cookies (und/oder IP-Adressen) speichern wollen, darum geht das nicht. Aber ich repariere das mal.
Vor 40 Jahren gab’s auf FFN mal einen Sketch namens „Die Schlüpfer rasseln in Fickstadt“ (gemeint war Hannover). Es ist doch schön, wenn sowas noch Bestand hat.
Ob nun dieser oder jener Vergleich gezogen wird: Hier handelt es sich vermutlich eher um bürgerlichen Antifaschismus, siehe ein paar Schlagzeilen weiter unten.
Uff… Danke! Bzw. Tschulligung – das war nicht im geringsten als Mängelanzeige gedacht, sondern nur als Lamentieren („Man was bin ich blöd, ausgerechnet beim halb-eleganten Halb-Kalauern das Tag nicht zu schließen“).
Nix zu speichern finde ich eine *sehr* gute Designentscheidung.
FCKFCKW !
Nieder mit dem Export alter Kühlschränke nach Afrika !
Lang lebe das Gürteltier !
Das F..-Wort galt vor Jahren in der öffentlichen Kommunikation noch als Tabu. Heute gehört es zum Standardrepertoire von Kabarettisten.
Die einseitige Interpretation auf den Geschlechtsverkehr teile ich nicht. Das sowas von gestrig. (Genauso ist es mit dem Wort „geil“.)
https://blog.gymglish.com/de/2023/02/28/50-moeglichkeiten-das-wort-fuck-zu-benutzen
Die Bedeutung des Wortes fuck ist im amerikanischen Englisch auch deutlich breiter. Eine ehemaliger Kollege aus US (Texas,Dallas) hat das mal an der Frage erklärt, was der Unterschied zwischen britischem und amerikanischen Englisch ist.
Die Briten haben einen Grundwortschatz von 20.000 Wörtern, die Amerikaner von 5.000. und die Ersten 2.500 sind Fuck.
Schuld an dieser Nummer ist übrigens der hier:
https://www.youtube.com/watch?v=ft0vkKCadgk&list=RDft0vkKCadgk&start_radio=1
Sagt auch noch, dass er stolz drauf ist.