Endlich ist Hassrede so gut wie besiegt: Bei YouTube, einem Angebot des Weltmarktführers in Onlinereklame, werden künftig die Runterdäumchenzahlen nicht mehr angezeigt.
Die Intention dahinter ist den Berichten zufolge, dass “respektvolles Miteinander” gefördert werden solle, während Hassmobs — also wohl Menschen, die ganz dolle böse auf “find ich ein nur mäßig gelungenes Video” drücken — es künftig nicht mehr so leicht haben sollen, die zerbrechlichen Seelen der creators aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem sie ganz dolle böse auf “find ich ein nur mäßig gelungenes Video” drücken.
Bei den Bundesjugendspielen bekamen schon zu meiner Zeit selbst die Körpernieten zumindest eine Teilnahmeurkunde, denn die Teilnahme an diesen “Spielen” ist Pflicht wie einst die im alten Rom und für die meisten Teilnehmer auch fast genau so unterhaltsam, nur die Zuschauer winken müde ab und starren stattdessen auf ihr blödes Kommunikationsgerät, statt den Imperator um ein Däumchen rauf oder — damals ging das noch, ohne dass der Gemeinte sofortigen psychologischen und kolumnistischen Beistand gebraucht hätte — runter zu bitten. So Videos produziert man aber freiwillig und wenn man gut ist, bekommt man Geld dafür, das (unter anderem) meist von der Anzahl der Angucks abhängt, von der Zahl der Gefälltmirnichts hingegen nicht, und schreibt dann auf Websites, die niemand jemals unironisch liest, man mache was mit Medien. Wenn man aber nicht gut ist und/oder kein Geld dafür bekommt, dann entspricht das Tun derer, die so Videos produzieren, im Wesen dem von Straßenmusikern, die in zu vielen deutschen Innenstädten zum Beispiel mit einem Lama oder einem Stoffaffen oder einem Dosenbier herumstehen und zum Beispiel Panflöte oder Drehorgel oder Akustikgitarre (meist “Wonderwall”) spielen. Wenn man denen als Passant, der erst interessiert, bald aber abgeneigt ist, dann aber im Gehen sagt, sie seien nicht gut, dann kommt nicht die Polizei und macht diese persönliche Ansicht zu der vermeintlichen Kunst weg, sondern die Panflöter oder Drehorgler oder Akustikgitarristen panflöten oder drehorgeln oder akustikgitarren meist ungerührt weiter, weil fast immer irgendjemand da sein wird, der aus Mitleid einen Hosenknopf in die Spendenbüchse schmeißt, weil er hofft, dass das infernalische Gedudel aufhört, wenn die verdammte Büchse nur endlich voll ist.
Viele tief sitzende Probleme der digitalisierten Gesellschaft wären leicht zu lösen, lernte sie nur endlich etwas von den Panflötern und Drehorglern und Akustikgitarristen. Inzwischen befürchte ich aber, dass diese Anregung nicht etwa dazu führen würde, dass Menschen, die dummes Zeug ins Internet reinmachen, sich ein dickes Fell zulegen, sondern zum Gegenteil. Wer nie gelernt hat, dass Beifall von Mutti und sonstigen emotional Involvierten nicht immer die Mehrheitsmeinung abbildet, sondern, dass Versuch auch zum Scheitern führen kann, dessen Welt bricht schneller zusammen, je später man das ändert; und dessen Versuche werden eben — zum Nachteil des Verursachers wie gleichermaßen auch des Publikums — nicht besser.
Das hätte noch gefehlt: Eine Fußgängerzone voller untalentierter Künstler, denen man überdies ausschließlich Applaus spenden soll! Das fände ich nur mäßig gelun- oh, Moment. Es klopft.

Und wenn jemand da rumschwurbeled und irgendwelche wirren menschenverachtenden Theorien verbreitet, dann bekommen wir die 500 “Likes” aus seiner Blase zu sehen oder nicht die 50000 “Dislikes” der “Gegenöffentlichkeit”.
Shit!
Was für eine Urkunde bei den Bundesjugendspielen?
Ich habe eine ausreichende Zahl an Bundesjugendspielen erlitten und das einzige was ich bekommen habe waren komische Blicke der Klassenkameraden. Komischerweise sind das die, die jetzt mit kaputten Gelenken, Rücken und was nicht noch alles vor sich hin verfetten.
So war es. So ist es.
Ab heute nur noch positive Kommentare, daher: Du hast vollkommen Recht! Was für ein selten genialer Beitrag. Sie sind, mit Verlaub, ein Pfundskerl.
Danke für dieses aufrichtige Feedback, das mir zeigt, dass ich niemals etwas falsch mache.
Oder alles.
Gefällt mir!
Spalter!
Jehova! Jehova!
Wann wird endlich das Internet der Erwachsenen eingeführt?
Dieser Beitrag gefällt mir sehr gut, er hat mich zum Nachdenken angeregt und meinen Alltag bereichert. Auch meine Katze hat sehr positiv reagiert. Jetzt sind wir alle glücklich. *ganzliebdrück*
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