In den Nachrichten
Und jetzt alle aus Solidarität mit Einarmigen einen Arm abhacken!

(Vorbe­merkung: Dies ist nur teil­weise Medi­enkri­tik, weshalb ich es nicht drüber­schreibe. Abwech­slung muss ja auch mal sein.)

Die momen­ta­nen Geschehnisse rund um das Juden­tum machen es uns Nichtju­den nicht leicht, Posi­tion zu beziehen; wenn eben Mus­lime in Berlin einen Juden ver­prügeln, weil er Jude ist, darf man es sich sozusagen aus­suchen, ob man laten­ter Anti­semit ist, indem man sich her­aushält, oder laten­ter Ras­sist, indem man sich ein­mis­cht und so die beteiligten Mus­lime in der freien Ausübung ihrer Prügelkul­tur behin­dert.

Die Lösung, so schlägt die Autorin Melody Sucharewicz auf WELT ONLINE vor, lautet, dass for­t­an alle Nichtju­den sich sol­i­darisch als Juden tar­nen:

Anstatt, dass die Juden nach diesem Angriff ihre Kip­pa ver­steck­en, soll­ten die Nichtju­den in Berlin mit Kip­pa auf die Straße gehen und damit zeigen, was sie von Hass und Extrem­is­mus hal­ten.

Ken­ner erin­nern sich an dieser Stelle vielle­icht an die South-Park-Episode Schön­er wär ’ne Warze, deren Pointe darin beste­ht, dass alle Ein­wohn­er des fik­tiv­en Dor­fes South Park sich aus Sol­i­dar­ität mit der Kranken­schwest­er, der ihr siame­sis­ch­er, tot geboren­er Zwill­ing am Kopf fest­gewach­sen ist, einen eben­solchen Fötus dor­thin kleben und sie so unbe­ab­sichtigt stig­ma­tisieren.

Eine Reli­gion ist nor­maler­weise zwar eine ziem­lich bescheuerte Sache, aber nicht aus­re­ichend bescheuert, um als Behin­derung gew­ertet wer­den zu dür­fen, obwohl einige Gläu­bige darauf hinar­beit­en, dass sich dieser Zus­tand als­bald ändern möge. In Verbindung mit der South-Park-Analo­gie zeigt das das Prob­lem auf: Frau Sucharewicz fordert, dass ihre Reli­gion ihre Exk­lu­siv­ität frei­willig aufgibt. Heute sind wir alle Juden.

Wir zeigen unsere Sol­i­dar­ität mit diskri­m­inierungs­ge­fährde­ten Grup­pen von Min­der­heit­en, indem wir so tun, als seien wir selb­st Mit­glieder dieser Grup­pen? Ja, das wird den mus­lim­is­chen Anti­semitismus aufhal­ten, wenn er kon­fron­tiert wird mit einem Staat voller Juden, zum Beispiel Israel. (In manchen mus­lim­is­chen “Kul­turen” ist es übri­gens Brauch, Leuten, die ver­suchen, einzelne Regio­nen oder gar einen ganzen Staat nicht­mus­lim­isch zu mis­sion­ieren, die Rübe abzuhack­en. Für Mis­sion­ierung und Pro­pa­gan­da hat­te der Springer-Ver­lag ander­er­seits schon immer ein offenes Ohr.)

Vielle­icht ist diese Lösung auch auf andere Bere­iche des täglichen Lebens auszuweit­en. Um der Forderung nach ein­er Frauen­quote Nach­druck zu ver­lei­hen, soll­ten alle deutschen Nicht­frauen kün­ftig in Frauen­klei­dern im Büro oder am Fließband erscheinen — ein­fach das Shirt ausstopfen (oder, je nach Frau, auch nicht) und es kann los­ge­hen; ander­er­seits auch nach hin­ten: Wenn annäh­ernd 100 Prozent der Beschäftigten vorgeben, weib­lich zu sein, ist das mit der Quote ja sozusagen erledigt. (Vor­bildlich geht aus­nahm­sweise der NDR vor: NDR führt Män­nerquote ein.)

Ich bevorzuge eine andere Lösung: Wir denken ein­fach mal nach, bevor wir Unsinn schreiben. Ich fange an, wer macht mit?

(Und in einem anson­sten deutschsprachi­gen Satz nur der hüb­schen Allit­er­a­tion wegen “What went wrong” anstelle “Was ging schief” lesen zu müssen bere­it­et mir ern­sthafte kör­per­liche Beschw­er­den, Frau Sucharewicz. Die Arztrech­nung ist unter­wegs.)