Ziemlich unkoscher, “STERN”, scheint mir dann auch eure dieswöchige Titelgeschichte zu sein. Euer Titelbild nämlich, das unter dem Sujet “Fleischlos glücklich” immerhin nicht ausdrücklich originelle Begründungen verheißt, warum Vegetarismus “hip” — wie eben auch Magersucht und Komasaufen “hip” sind — sei, zeigt eine sichtlich ausgemergelte (apropos mager) blonde Frau, die entweder zu viel raucht oder nicht mehr ihre natürliche Haarfarbe trägt, aber so heiter dreinblickt wie einst Jack Nicholson in seiner Rolle als Batmans Antagonist “Joker”. Albträume von diesem eher bedrohlichen Anblick kann ich nicht ausschließen.

Diesen Fehlgriff tapfer ignorierend befindet der denkende Sichter auch das eigentliche Anliegen für Humbug. Dass ihr, “STERN”, mit “NEON” eine mit vielen trendy Trendstorys gespickte “BRAVO” für die vor Fachidioten quasi überquellende intellektuelle Mittelschicht u.a. zu verantworten habt, ist bekannt, vielleicht aber ist es auch der Umstand, dass auf der Titelseite eine Frau in den augenscheinlich besten Jahren, wofür auch immer, statt einer gleichfalls “hippen” Mittzwanzigerin zu sehen ist; jedenfalls war ich für eine angemessene Zeitspanne durchaus schlicht nicht fähig zu begreifen, dass so eine Titelgeschichte als “STERN” und nicht, wie sonst üblich, als “NEON” (“unnützes Wissen”, nur mit einem solch entlarvenden Vokabular genügt es wohl zum “STERN”-“Redakteur”) dargeboten wird.
Aber ich war ja noch dabei, das Thema an sich zu kritisieren. So, so, Vegetarismus ist also “hip”, hip, hurra, gleichsam der gegenwärtigen Interessenslage der sich für “im Trend” haltenden Schmöckinnen und Schmöcke entsprechend. Zu meiner Zeit (rhabarber, sülz) empfanden sich die in-people als noch durch mehr als nur die Essgewohnheiten miteinander verbunden. Wie toll und prima und vor allem gesund Vegetarismus ist, wird durch die Galionsfigur eurer, “STERN”, aktuellen Ausgabe sehr eindrucksvoll präsentiert, nämlich offenbar mal so gar nicht.
Vegetarier sollte man ansonsten ebenso wenig wie Moslem oder iPhone-Nutzer nur deshalb werden, weil es gerade irgendeiner Mode entspricht und somit zu einem signifikanten Anstieg der eigenen Reputation im Kreise ähnlich Tickender führen kann. Eine Interessensgemeinschaft, die sich in gemeinsamen Mahlzeiten erschöpft, ist womöglich zweckdienlich, aber für gemeinsame Unternehmungen jenseits der Mensen und Kantinen nur eingeschränkt tauglich. “Kommt, meine hippen Freunde, wir machen die Nacht durch! Ich kenne da ein schönes Salatbistro …”, na dann: Wohl bekomm’s!
(Wenn halt sonst nichts passiert in Deutschland.)

ich finde fleisch toll, am besten vom besonders gequälten rind, mjam.
Ich esse ja auch nur Fleisch, weil ich Rinder hasse!
ja, zurecht…diese dinger immer mit ihrem muh und muh
Kuh!
Ich bin schon seit längerem der Meinung, dass viele die jetzt kein Fleisch essen möchten in Wirklichkeit noch nie ein gutes Stück Fleisch sondern lediglich “Wasserschnitzel” gegessen haben, die auch noch mittelmäßig zubereitet waren.
Und ja, du hast Recht es ist eine Modeerscheinung die extrem viele Poser beherbergt. Ich bin froh das unsere Vorfahren (Homo Erectus, Neanderthaler, Sapiens etc.) die fleischliche Nahrung nicht verteufelt haben. Sonst würden wir heute keine E‑Mails und Kommentare schreiben sondern auf den Bäumen sitzen und uns zu Begrüßung am Hintern beschnuppern.
Ich habe gehört, manche Zeitgenossen tun das tatsächlich. Aber es gibt sicher auch Fachmagazine, die solches Tun als Ausdruck besonderer Naturverbundenheit werten.