Meinen Freunden solle ich meist irgendwelche Gutscheine zukommen lassen, stets aber wenigstens eine Empfehlung für das Produkt, wird mir derzeit immer öfter beschieden. Die freuen sich doch bestimmt. Bestimmt freuen die sich.
In der jüngsten Staffel der Serie „Black Mirror“ („1984“ war keine Anleitung, „Black Mirror“ ist aber auch keine) verkörpert Rashida Jones eine Lehrerin, die aufgrund einer lebenserhaltenden Technik im Gehirn plötzlich anfängt, Werbung für irgendwelche Produkte in ein Gespräch einfließen zu lassen. Die Serienfigur nimmt das erwartbare Ende, was hoffentlich jetzt keiner meiner geschätzten – die übrigen sind mir etwas weniger wichtig – Leser mir angedeutet zu haben übelnimmt. Die Staffel ist ja nun lange genug verfügbar. Den Bogen zurück zum Thema schlage ich mit der Frage, ob das das Bild von normalen Menschen ist, das zeitgenössische Unternehmen von ihren Kunden haben.
Sollten hier für die Vermarktung zuständige und also nicht im eigentlichen Sinne berufstätige Mitarbeiter zeitgenössischer Unternehmen mitlesen (die Zeit dafür habt ihr ja bestimmt zwischen zwei eurer albernen Latte Macchiatos), so gebe ich ihnen folgende Mitteilung aus der Sicht eines Kunden auf den Weg: Beliebige Menschen, die anderen Menschen ungefragt Produkte aus wenig mehr als kapitalmotivierten Gründen empfehlen, sind das Letzte, und Freunde, die das tun, sinken in meiner Achtung augenblicklich. Gern bin ich willens, Freunden auf ausdrückliche Nachfrage Empfehlungen, basierend einzig auf meinen eigenen Erfahrungen, zu erteilen, aber normale Gespräche mit anderen Menschen drehen sich jedenfalls in meinen Kreisen äußerst selten um die Einkaufsplanung.
(„Guten Morgen, Herr Bäckereifachverkäufer, nutzen Sie Vodafone-Mobilfunk! Fünf Brötchen bitte.“)
Ich empfehle im Alltag kaum mehr als zweierlei, als da wären: Restaurants, weil ich in Restaurants bisweilen die Begleitung derer, mit denen ich im Alltag freiwillig rede, mag, und Musik, weil diejenigen, mit denen ich darüber rede, normalerweise mögen, was ich ihnen empfehle, und sich nicht selten revanchieren. Ich werbe also nur für meine eigenen Zwecke, mietbar bin ich jedoch nicht. Eine einzige Ausnahme bin ich zu machen bereit: Ein Unternehmen, das mir eine Fläche für Werbung in eigener Sache zur Verfügung stellt, bekommt für dieselbe Dauer vielleicht hier und da einen positiven Kommentar von mir ins Gespräch eingebracht.
Ich schließe nicht aus, dass auf der Werbefläche jedoch das Gegenteil stehen wird, denn vor Unternehmen, die Kunden für willige Plakatträger halten, sollte offenbar etwas eindringlicher gewarnt werden als bisher. So hätten alle etwas davon.

„Guten Morgen, Herr Bäckereifachverkäufer, nutzen Sie Vodafone-Mobilfunk! Fünf Brötchen bitte.“
Hihi, u made my day!
PS.
„Und wenn Sie gleich jetzt hier unterschreiben, dann nehm ich auch noch zwei Stück von der Schwarzwälder Kirsch!“