{"id":8293,"date":"2013-08-14T19:29:50","date_gmt":"2013-08-14T17:29:50","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=8293"},"modified":"2013-08-14T19:29:50","modified_gmt":"2013-08-14T17:29:50","slug":"erste-hilfe-fuer-die-lachmuskeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2013\/08\/erste-hilfe-fuer-die-lachmuskeln\/","title":{"rendered":"Erste Hilfe f\u00fcr die Lachmuskeln"},"content":{"rendered":"<p>Aus Verse\u00adhen hat\u00adte ich heute fr\u00fch die Gele\u00adgen\u00adheit, eine von Dr. Doris Wolf und Dr. Rolf Merkle ver\u00adfasste Brosch\u00fcre zum The\u00adma \u201cseel\u00adis\u00adches Unwohl\u00adsein\u201d zu lesen. Sie war sehr wirk\u00adsam.<\/p>\n<p>Schon das Titel\u00adblatt ist sehr, nun, sprechend:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Erste-Hilfe-f\u00fcr-die-Seele.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Erste-Hilfe-f\u00fcr-die-Seele-209x300.jpg\" alt=\"Erste Hilfe f\u00fcr die Seele\" width=\"209\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8294\" srcset=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Erste-Hilfe-f\u00fcr-die-Seele-209x300.jpg 209w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Erste-Hilfe-f\u00fcr-die-Seele-83x120.jpg 83w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Erste-Hilfe-f\u00fcr-die-Seele-471x676.jpg 471w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Erste-Hilfe-f\u00fcr-die-Seele.jpg 496w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\"><\/a><\/p>\n<p>Auf dem Bild zu sehen ist eine Tulpe. Tulpen ken\u00adnt man von Gr\u00e4bern und Tode\u00adsanzeigen. <a href=\"http:\/\/www.garten-treffpunkt.de\/lexikon\/grabblumen.aspx\">Sym\u00adbol f\u00fcr Sch\u00f6n\u00adheit und Liebe (je dun\u00adkler, um so tiefer) sowie f\u00fcr Verg\u00e4nglichkeit<\/a>. Eine nicht son\u00adder\u00adlich dun\u00adkle Tulpe eignet sich also her\u00advor\u00adra\u00adgend, um Hoff\u00adnung zu sym\u00adbol\u00adisieren, wenn man unge\u00adf\u00e4hr meinen Humor hat.<\/p>\n<p>Die Brosch\u00fcre macht keinen gro\u00dfen Hehl daraus, mehr Wer\u00adbekat\u00ada\u00adlog als Rat\u00adge\u00adber zu sein. Unter jedem der Abschnitte ist eine Buchempfehlung (manch\u00admal auch der\u00ader zwei) zu find\u00aden, die bei\u00adden Autoren scheinen eine Menge geschrieben zu haben. Frau Wolf zum Beispiel hat unter anderem das Buch \u201cEinen geliebten Men\u00adschen ver\u00adlieren\u201d geschrieben, das allerd\u00adings nicht als Anleitung zu solchem Tun, son\u00addern als Unter\u00adst\u00fctzung bei der Trauer\u00adbe\u00adw\u00e4l\u00adti\u00adgung gedacht ist. Schade. Immer\u00adhin ste\u00adhen die Preisangaben immer dabei:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Buchtipp-f\u00fcr-die-Seele.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Buchtipp-f\u00fcr-die-Seele-300x115.jpg\" alt=\"Buchtipp f\u00fcr die Seele\" width=\"300\" height=\"115\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8295\" srcset=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Buchtipp-f\u00fcr-die-Seele-300x115.jpg 300w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Buchtipp-f\u00fcr-die-Seele-120x46.jpg 120w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Buchtipp-f\u00fcr-die-Seele.jpg 572w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\"><\/a><\/p>\n<p>Der Inhalt der Brosch\u00fcre nimmt, wenn er nicht ger\u00adade B\u00fcch\u00ader bewirbt, auf jedes der The\u00admen vom Titel\u00adblatt Bezug. Dass Depres\u00adsio\u00adnen, Kr\u00e4nkun\u00adgen und \u00dcbergewicht keine sep\u00ada\u00adrat\u00aden Lei\u00adden\u00adsarten sind, son\u00addern oft\u00admals einan\u00adder direkt bedin\u00adgen, sei hier mal bei\u00adseite gelassen; die bei\u00adden Dok\u00adtoren wer\u00adden schon wis\u00adsen, warum sie an den Symp\u00adtomen rum\u00addok\u00adtern wollen, statt sich auf die Ursache zu konzen\u00adtri\u00aderen. Sie tra\u00adgen ihren Dok\u00adtor\u00adti\u00adtel sicher\u00adlich nicht umson\u00adst.<\/p>\n<p>Dabei richt\u00aden sich die Autoren aus\u00addr\u00fcck\u00adlich an ein recht naives Pub\u00adlikum. Im Kapi\u00adtel \u201cWenn der Part\u00adner geht \u2026\u201d, das Tren\u00adnun\u00adgen the\u00adma\u00adtisiert, hei\u00dft es etwa:<\/p>\n<blockquote><p>Traumhochzeit und danach immer w\u00e4hrende Liebe, Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis und Gl\u00fcck\u00adlich\u00adsein, so stellen sich die meis\u00adten von uns ihre Part\u00adner\u00adschaft vor.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn \u201cdie meis\u00adten von uns\u201d BRAVO lesende <em>Teens<\/em> sind, mag das zutr\u00ade\u00adf\u00adfen. Inter\u00ades\u00adsant ist aber auch die Rei\u00adhen\u00adfolge: Traumhochzeit, <em>dann<\/em> Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis und Gl\u00fcck\u00adlich\u00adsein. Ich dachte bis\u00adlang, die Rei\u00adhen\u00adfolge sei umgekehrt. Das also war immer mein Fehler!<\/p>\n<p>Die Naiv\u00adit\u00e4t, von der die Autoren offen\u00adbar aus\u00adge\u00adhen, zieht sich wie ein rot\u00ader Faden durch s\u00e4mtliche Kapi\u00adtel. Im Kapi\u00adtel zur Bek\u00e4mp\u00adfung von \u00dcbergewicht, in dem Men\u00adschen mit \u00dcbergewicht als Antag\u00ado\u00adnis\u00adten der \u201cNat\u00fcr\u00adlich-Schlanken\u201d <em>(sic!)<\/em> dargestellt wer\u00adden, schreiben sie dies:<\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanke essen nur, wenn sie wirk\u00adlich hun\u00adgrig sind; sie essen nicht, wenn sie trau\u00adrig, w\u00fctend, ein\u00adsam oder \u00e4ngstlich sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das klingt ein\u00ader\u00adseits nach Klassen\u00adregeln (\u201cwir sprechen nur, wenn der Lehrer uns etwas fragt\u201d), ander\u00ader\u00adseits nach Unsinn (wie auch viele Klassen\u00adregeln). <em>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanke<\/em> essen, wann immer ihnen danach ist, und schlank bleiben sie trotz\u00addem. Inwiefern das \u00dcbergewichti\u00adgen helfen soll, wei\u00df ich nicht \u2014 die sind ja nor\u00admaler\u00adweise nicht <em>nat\u00fcr\u00adlich schlank<\/em>.<\/p>\n<p>Auch:<\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanke been\u00adden das Essen, wenn sie nicht mehr hun\u00adgrig sind; sie essen nicht weit\u00ader, nur weil noch etwas auf dem Teller liegt, nur weil es so gut schmeckt, weil sie ab mor\u00adgen Di\u00e4t machen oder weil sie in net\u00adter Gesellschaft sind.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.knigge.de\/archiv\/ihre-fragen\/die-tischmanieren---reste-11466.htm\"><em>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanke<\/em> haben kein Benehmen.<\/a> Nun gut, das ist eine umstrit\u00adtene Tis\u00adchregel; anders: <em>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanke<\/em> been\u00adden das Essen, wenn ihnen danach ist, weil sie eben kein Ma\u00df hal\u00adten <em>m\u00fcssen<\/em>. Das ist der Unter\u00adschied zwis\u00adchen <em>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanken<\/em> und anderen Schlanken. Bitte, gern geschehen. \u2014 Aber geht es nach den Autoren, sind <em>Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanke<\/em> kom\u00adplett andere Men\u00adschen, und man kann sich bei Bedarf <em>dazu entschei\u00adden, [deren] Leben zu leben\u201d. Am\u00fcsante Gespr\u00e4che bei Klassen\u00adtr\u00ade\u00adf\u00adfen bieten sich an: \u201cUnd wie leb\u00adst du heute so?\u201d \u2014 \u201cOch, wie ein Nat\u00fcr\u00adlich-Schlanker!\u201d<\/em><\/p>\n<p>Weit\u00ader im Text beziehungsweise in der Brosch\u00fcre, denn Depres\u00adsio\u00adnen gibt\u2019s dort auch:<\/p>\n<blockquote><p>Haben Sie Geduld mit sich. Der Tag wird kom\u00admen, an dem Sie wieder Freude empfind\u00aden k\u00f6n\u00adnen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Mor\u00adgen wird\u2019s dir bess\u00ader gehen, jet\u00adzt h\u00f6r\u2019 auf zu jam\u00admern.<\/em> Supi! Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich gibt es dazu immer\u00adhin eine Erl\u00e4uterung (und einen Buchtipp). Damit das auf\u00adgrund der Depres\u00adsio\u00adnen gesunkene Selb\u00adst\u00adwert\u00adge\u00adf\u00fchl wieder verbessert wird, geben die Autoren immer\u00adhin n\u00fct\u00adzliche Tipps:<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fchren Sie ein Plus\u00adpunk\u00adte-Buch, in dem Sie notieren, was andere Ihnen Sch\u00f6nes und Nettes sagen. Find\u00aden Sie au\u00dfer\u00addem jeden Tag etwas, das Sie an sich lobenswert und pos\u00adi\u00adtiv find\u00aden, und schreiben Sie es auf.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn man zum Beispiel auf einem Parteitag ist, also dur\u00adchaus auch mal einen knap\u00adpen Tag lang in einem Saal mit vie\u00adlen anderen Men\u00adschen sitzt und kaum Gele\u00adgen\u00adheit hat, zwis\u00adchen\u00addrin nach Hause zu fahren, muss man dieses Plus\u00adpunk\u00adte-Buch wahrschein\u00adlich in der teil\u00adweisen \u00d6ffentlichkeit bef\u00fcllen. \u201cOh, hal\u00adlo, ich freue mich, dich zu sehen!\u201d \u2014 \u201cEinen Moment bitte\u2026 wo habe ich nur meinen Stift gelassen?\u201d<\/p>\n<p>Eins der bei\u00adden eige\u00adnen B\u00fcch\u00ader, die Rolf Merkle zu diesem The\u00adma emp\u00adfiehlt, hei\u00dft \u201cLass Dir nicht alles gefall\u00aden\u201d. Vielle\u00adicht ste\u00adht in diesem Buch auch drin, wie man mit Leuten ver\u00adf\u00e4hrt, die so eine bescheuerte Brosch\u00fcre Hil\u00adfe suchen\u00adden Men\u00adschen als Rat\u00adge\u00adber andrehen wollen.<\/p>\n<p>\u201cAlles wird gut.\u201d<br>\n<em>\u2013 Nina Ruge<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Verse\u00adhen hat\u00adte ich heute fr\u00fch die Gele\u00adgen\u00adheit, eine von Dr. Doris Wolf und Dr. Rolf Merkle ver\u00adfasste Brosch\u00fcre zum The\u00adma \u201cseel\u00adis\u00adches Unwohl\u00adsein\u201d zu lesen. Sie war sehr wirk\u00adsam. Schon das Titel\u00adblatt ist sehr, nun, sprechend: Auf dem Bild zu sehen ist eine Tulpe. Tulpen ken\u00adnt man von Gr\u00e4bern und Tode\u00adsanzeigen. Sym\u00adbol f\u00fcr Sch\u00f6n\u00adheit und \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2013\/08\/erste-hilfe-fuer-die-lachmuskeln\/\" class=\"more-link\">\u2018Erste Hil\u00adfe f\u00fcr die Lach\u00admuskeln\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-8293","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstiges"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8293"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8293\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8293"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=8293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}