{"id":8023,"date":"2013-06-02T21:52:14","date_gmt":"2013-06-02T19:52:14","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=8023"},"modified":"2013-06-02T22:07:31","modified_gmt":"2013-06-02T20:07:31","slug":"rhabarberfrauen-warum-es-das-und-nicht-der-bahnservice-heisst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2013\/06\/rhabarberfrauen-warum-es-das-und-nicht-der-bahnservice-heisst\/","title":{"rendered":"Rhabarberfrauen \/ Warum es \u201cdas\u201d und nicht \u201cder\u201d Bahnservice hei\u00dft"},"content":{"rendered":"<p>Gele\u00adgentlich bin ich, bed\u00adingt durch den Man\u00adgel an ver\u00adgle\u00adich\u00adbaren Alter\u00adna\u00adtiv\u00aden, in Z\u00fcgen der Deutschen Bahn unter\u00adwegs. Nicht immer l\u00e4sst es sich da ver\u00admei\u00adden, ein Abteil mit Men\u00adschen mit obskur\u00ader Erschei\u00adn\u00adung und\/oder obskurem Ver\u00adhal\u00adten zu teilen.<\/p>\n<p>So auch heute, als mir gegen\u00fcber eine Frau in ihren gesch\u00e4tzten Vierzigern sa\u00df. Das Erste, was ich von ihr allerd\u00adings nach ihrem Ein\u00adstieg bemerk\u00adte, war ein auf\u00adfal\u00adl\u00adend forsch auf den Tisch zwis\u00adchen uns gelegtes \u201cEmma\u201d-Magazin. Nun, der erste Ein\u00addruck z\u00e4hlt. Dass das Mag\u00ada\u00adzin nach der Platzierung sein\u00ader Besitzerin selb\u00adst in deren Tasche ver\u00adschwand (sie hat\u00adte mich alles Notwendi\u00adge ja bere\u00adits wis\u00adsen lassen), macht Gese\u00adhenes also nicht ungeschehen. Nun sa\u00df ich ab ein\u00ader Sta\u00adtion \u2014 Hamm, wenn ich mich recht entsinne \u2014 ein\u00ader Frau gegen\u00fcber, die Elke Hei\u00adden\u00adre\u00adich \u00e4hn\u00adlich sah, st\u00e4ndig irgendwelche Noti\u00adzen machte und gele\u00adgentlich zu Recht mis\u00adstrauisch zu mir her\u00fcberblick\u00adte. Aus ihrem Ruck\u00adsack aber ragte nicht etwa besagtes Mag\u00ada\u00adzin her\u00advor, son\u00addern Rhabar\u00adber. Den Schaffn\u00ader, der fragte, ob sich unter den Fahrg\u00e4sten auch Zugestiegene bef\u00e4n\u00adden (ver\u00admut\u00adlich gehen Schaffn\u00ader inzwis\u00adchen davon aus, dass die meis\u00adten Pas\u00adsagiere bere\u00adits im Zug geboren wer\u00adden), w\u00fcrdigte sie indes keines Blick\u00ades.<\/p>\n<p>Wahrschein\u00adlich schwarz fahrende Frauen \u00fcber drei\u00dfig, die im Ruck\u00adsack \u201cEmma\u201d und Gem\u00fcse trans\u00adportieren \u2014 der neue Fem\u00adi\u00adnis\u00admus treibt gele\u00adgentlich skur\u00adrile Bl\u00fcten.<\/p>\n<p>Aber auch ohne diese Begeg\u00adnun\u00adgen ist das Fahren mit der Bahn oft ein Vergn\u00fc\u00adgen f\u00fcr uns Lei\u00addens\u00adfro\u00adhe. Ein Beispiel: Vor eini\u00adgen Wochen machte ich den Fehler, aus der Gegend um Dort\u00admund nach Nieder\u00adsach\u00adsen fahren zu wollen. Dass diese Strecke f\u00fcr ihre Attrak\u00adtiv\u00adit\u00e4t auf Selb\u00adst\u00adt\u00f6ter bekan\u00adnt ist, war bis dahin zwar ein Ger\u00fccht, das ich h\u00e4u\u00adfig geh\u00f6rt hat\u00adte, mehr jedoch auch nicht.<\/p>\n<p>Nun, an diesem Tag wurde ich eines Besseren belehrt. (Men\u00adschen, die sich so umbrin\u00adgen, dass es m\u00f6glichst vie\u00adlen anderen Men\u00adschen den Abend verdirbt, sind nicht meine lieb\u00adsten.) Infolge eines entsprechen\u00adden Zwis\u00adchen\u00adfalls ver\u00adpasste ich meinen Anschlusszug eben\u00adso wie einen alter\u00adna\u00adtiv\u00aden Zug wenig sp\u00e4ter. Die zumin\u00add\u00adest ver\u00adst\u00e4ndi\u00adge Schaffner\u00adin ver\u00adwies mich nach eini\u00adgen Tele\u00adfonat\u00aden darauf, dass sie nicht weit\u00ader\u00adwisse, und damit auf das Bah\u00adn\u00adper\u00adson\u00adal am Bahn\u00adhof Han\u00adnover. Aus\u00adgerech\u00adnet Han\u00adnover.<\/p>\n<p>Das so genan\u00adnte \u201cSer\u00advi\u00adceper\u00adson\u00adal\u201d in Han\u00adnover, wo ich irgend\u00adwann doch noch ankam, erk\u00adl\u00e4rte mir, ich k\u00f6nne auf der let\u00adzten Teil\u00adstrecke ein Taxi auf, immer\u00adhin, Bahnkosten nutzen, wenn ich das im Fol\u00adgezug bekan\u00adnt\u00adgeben w\u00fcrde, wo man mir ein entsprechen\u00addes \u201cTick\u00adet\u201d ausstellen k\u00f6nne. Der Zug\u00adbe\u00adgleit\u00ader im Fol\u00adgezug jedoch sah das anders; ihm zufolge sei die Schaffner\u00adin im ersten Zug daf\u00fcr zust\u00e4ndig gewe\u00adsen.<\/p>\n<p>Kurz\u00adfas\u00adsung des Vor\u00adgangs, um die tem\u00adpo\u00adralen Kausal\u00adit\u00e4ten bess\u00ader darstellen zu k\u00f6n\u00adnen: Zug 1 ver\u00adweist mich an Per\u00adson\u00adal auf dem Bahn\u00adhof, Per\u00adson\u00adal dort ver\u00adweist mich an Zug 2, Zug 2 sagt, Zug 1 w\u00e4re zust\u00e4ndig gewe\u00adsen, tja, Pech gehabt. Angesichts dieser Logikkette ist die selt\u00adsame bahn\u00adseit\u00adige Auf\u00adfas\u00adsung davon, wie viele Sekun\u00adden eine Minute hat, immer\u00adhin ver\u00adst\u00e4ndlich: Zeitliche Zusam\u00admen\u00adh\u00e4nge sollte man kon\u00adse\u00adquent mit gle\u00adich\u00ader Ein\u00adheit messen.<\/p>\n<p>Die Bahn hat auch nicht mehr jedes Teeser\u00advice im Schrank.<\/p>\n<p>\u201cDie Erhal\u00adtung der Reichs\u00adbahn und ihre m\u00f6glichst schnelle Zur\u00fcck\u00adf\u00fchrung in die Macht des Reich\u00ades ist eine Auf\u00adgabe, die uns nicht nur wirtschaftlich, son\u00addern auch moralisch verpflichtet.\u201d<br>\n<em>\u2013 Adolf Hitler, 23. M\u00e4rz 1933<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gele\u00adgentlich bin ich, bed\u00adingt durch den Man\u00adgel an ver\u00adgle\u00adich\u00adbaren Alter\u00adna\u00adtiv\u00aden, in Z\u00fcgen der Deutschen Bahn unter\u00adwegs. 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