{"id":7932,"date":"2013-04-30T21:45:38","date_gmt":"2013-04-30T19:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=7932"},"modified":"2013-04-30T21:45:38","modified_gmt":"2013-04-30T19:45:38","slug":"von-der-unsterblichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2013\/04\/von-der-unsterblichkeit\/","title":{"rendered":"Von der Unsterblichkeit"},"content":{"rendered":"<p>\u201cSchei\u00dfe, ich frag\u2019 mich, welch\u00ader gottver\u00addammte Zauber h\u00e4lt diese leere Hirn\u00adwaschkul\u00adtur am Leben?\u201d<br>\n<em>\u2013 Slime: Unsterblich<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>Das Philoso\u00adphiemagazin \u201cHohe Luft\u201d, dessen Name sich\u00ader irgen\u00addet\u00adwas Tief\u00adsch\u00fcr\u00adfend\u00ades zu bedeuten hat, stellt in sein\u00ader aktuellen Aus\u00adgabe die rhetorische Frage, ob der Tod wirk\u00adlich das Ende des Lebens zu bedeuten habe, nur um sie sogle\u00adich zu verneinen. Was aber bleibt vom Leben?<\/p>\n<p>Unsterbliche Fig\u00aduren unser\u00ader Tage sind unter anderem der olle Jesus, Elvis, Andy Warhol und Mar\u00adi\u00adlyn Mon\u00adroe. Erster\u00ader ist vielle\u00adicht auf\u00adgrund der nicht zweifels\u00adfrei gesicherten Geschehnisse sep\u00ada\u00adrat zu betra\u00adcht\u00aden. Fan\u00adgen wir doch gle\u00adich mal mit ihm an. Jesus (der <em>\u00fcber\u00adlieferte<\/em>, nicht ein\u00admal der his\u00adtorisch belegte, der ver\u00admut\u00adlich eher unspek\u00adtakul\u00e4r lebte und starb) ist heute <em>unsterblich<\/em>, weil ihm viele Wun\u00adder nachge\u00adsagt wer\u00adden <em>(eigentlich sollte Rasputin auch eine Reli\u00adgion bekom\u00admen)<\/em> und die Kanon\u00adisierung des Neuen Tes\u00adta\u00adments nur die vorteil\u00adhaften Geschicht\u00aden \u00fcber ihn kumulierte. Der Mythos Jesus wurde also k\u00fcn\u00adstlich aufge\u00adbaut, um eine Iden\u00adti\u00adfika\u00adtions\u00adfig\u00adur zu haben, die jahrhun\u00adderte\u00adlang das stille Vor\u00adbild f\u00fcr <em>die Chris\u00adten<\/em> sein sollte. (Aus gutem Grund sind au\u00dferkanon\u00adis\u00adche Schriften heutzu\u00adtage kaum ver\u00adbre\u00adit\u00adet.) Diese Iden\u00adti\u00adfika\u00adtions\u00adfig\u00adur ist auch viele Jahrhun\u00adderte nach ihrem Tod den meis\u00adten Men\u00adschen in ihrem ange\u00adblichen Wirken bekan\u00adnt; manche nen\u00adnen es \u201cTra\u00addi\u00adtion\u201d. Diese Art der Unsterblichkeit ist eine, die dem Unsterblichen ziem\u00adlich pein\u00adlich w\u00e4re, w\u00fcrde er irgend\u00adwann ins Reich der Leben\u00adden zur\u00fcck\u00adkehren, wie es ja immer wieder prophezeit wird. W\u00e4re ich ma\u00dfge\u00adblich daf\u00fcr ver\u00adant\u00adwortlich, dass jahrhun\u00adderte\u00adlang ziem\u00adlich unan\u00adgenehme Kriege gef\u00fchrt w\u00fcr\u00adden, ich w\u00fcrde mich wohl prompt ein zweites Mal ziem\u00adlich tot f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Dieser Jesus also ist eine Aus\u00adnahme, denn er ist nicht <em>unsterblich<\/em> in dem, was er uns hin\u00adter\u00adlassen hat. Anders sieht es bei Elvis, Andy Warhol und Mar\u00adi\u00adlyn Mon\u00adroe aus. Alle drei haben in ihrem Fachge\u00adbi\u00adet (\u201cMusik\u201d, \u201cKun\u00adst\u201d und \u201cSchaus\u00adpiel\u201d) Dinge voll\u00adbracht, an denen wir uns noch ein halbes Jahrhun\u00addert sp\u00e4ter direkt, ohne Umweg \u00fcber ver\u00adstaubte B\u00fcch\u00ader oder die <em>stille Post<\/em>, zu erfreuen ver\u00adm\u00f6\u00adgen, so uns denn der Sinn danach ste\u00adht. Die machten\u2019s, so \u201cHohe Luft\u201d, offen\u00adbar richtig: Sie schufen mehr oder weniger Gro\u00dfes f\u00fcr die Nach\u00adwelt, die wohl noch \u00fcber mehrere Gen\u00ader\u00ada\u00adtio\u00adnen hin\u00adweg das Loblied der Erschaf\u00adfer sin\u00adgen wird.<\/p>\n<p>Wir aber, was wird aus uns, die wir nicht viel erschaf\u00adfen, was von Wert ist? Unsere Tweets wer\u00adden irgend\u00adwann genau so ver\u00adschwinden wie unsere l\u00e4n\u00adgeren Texte, unsere gele\u00adse\u00adnen E\u2011Books, unsere E\u2011Mails. Nur das E\u2011Government wer\u00adden wir nicht mehr los. Unsere Nach\u00adfahren wer\u00adden vielle\u00adicht noch unsere Plat\u00adten\u00adsamm\u00adlung bewun\u00addern, unsere B\u00fcch\u00ader\u00adsamm\u00adlung, vielle\u00adicht gar etwas daraus in den eige\u00adnen Bestand \u00fcbernehmen und sich daran erfreuen. Als Men\u00adschen jedoch wer\u00adden wir wohl \u00fcber\u00adwiegend schlicht <em>weg sein<\/em>. Und warum sollte uns das st\u00f6ren?<\/p>\n<p>Warum strebt der Men\u00adsch danach, nach dem Tod noch etwas <em>zu bedeuten<\/em>? Vielle\u00adicht ist es die Verzwei\u00adflung, die Weigerung zu akzep\u00adtieren, dass das Leben <em>umson\u00adst<\/em> gewe\u00adsen sein soll. Leben, um <em>unsterblich<\/em> zu wer\u00adden, erscheint mir allerd\u00adings etwas unvol\u00adlkom\u00admen. Jemand, der immer nur nach Ein\u00adfluss, Bekan\u00adntheit oder son\u00adstiger <em>Macht<\/em> strebt, find\u00adet neben\u00adbei nur schw\u00ader\u00adlich Zeit, an seinem Leben aktiv teilzunehmen. Was muss ein solch\u00ader Men\u00adsch nur f\u00fcr ein Leid erdulden! Nein, zum Idol soll\u00adten wir ihn uns nicht machen, vielmehr seinen Tod als mah\u00adnen\u00addes Beispiel ehren: Seht ihn an, den erfol\u00adgre\u00adichen Men\u00adschen! Auf dem Weg zur Unsterblichkeit ver\u00ads\u00e4umte er es zu leben, und nun ist er auf ewig gefan\u00adgen in sein\u00ader <em>Ber\u00fchmtheit<\/em> und wei\u00df doch nichts mehr daraus zu machen als seinen Erben das Leben zu verkom\u00adplizieren.<\/p>\n<p>Diese Men\u00adschen wollen nicht <em>unsterblich \u00fcber den Tod hin\u00adaus<\/em> wer\u00adden, sie wollen diese <em>Unsterblichkeit<\/em> bere\u00adits zuvor genie\u00dfen k\u00f6n\u00adnen. Die <em>15 Minuten Ruhm<\/em>, die Andy Warhol jedem Men\u00adschen prophezeite, wollen genossen und aus\u00adgelebt wer\u00adden. Ich kann mir zwar vorstellen, dass es eine erlebenswerte Erfahrung ist, wenn man auf der Stra\u00dfe erkan\u00adnt und freudig umjubelt wird, aber ist das bere\u00adits diese <em>Unsterblichkeit<\/em>, die bere\u00adits Kant in Grundz\u00fc\u00adgen ver\u00adstand?<\/p>\n<p>Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich soll\u00adten wir unsere eigene Sterblichkeit nicht zu besiegen ver\u00adsuchen, son\u00addern jeden Tag auf\u2019s Neue vor unsere Augen hal\u00adten, denn jed\u00ader ver\u00adstrich\u00adene Tag ist eine ver\u00adtane Chance. Ihr soll\u00adtet das nutzen.<\/p>\n<p><em>(Und ich sollte aufh\u00f6ren, Philoso\u00adphiemagazine zu lesen.)<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>\u201cDas let\u00adzte Hemd hat keine Taschen, er nimmt bes\u00adtimmt nichts mit.\u201d<br>\n<em>\u2013 Die Toten Hosen: Ehren\u00admann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cSchei\u00dfe, ich frag\u2019 mich, welch\u00ader gottver\u00addammte Zauber h\u00e4lt diese leere Hirn\u00adwaschkul\u00adtur am Leben?\u201d \u2013 Slime: Unsterblich Das Philoso\u00adphiemagazin \u201cHohe Luft\u201d, dessen Name sich\u00ader irgen\u00addet\u00adwas Tief\u00adsch\u00fcr\u00adfend\u00ades zu bedeuten hat, stellt in sein\u00ader aktuellen Aus\u00adgabe die rhetorische Frage, ob der Tod wirk\u00adlich das Ende des Lebens zu bedeuten habe, nur um sie sogle\u00adich zu verneinen. Was aber \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2013\/04\/von-der-unsterblichkeit\/\" class=\"more-link\">\u2018Von der Unsterblichkeit\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-7932","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstiges"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7932"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7932\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7932"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=7932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}