{"id":7077,"date":"2012-10-12T13:00:40","date_gmt":"2012-10-12T11:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=7077"},"modified":"2016-07-13T15:27:54","modified_gmt":"2016-07-13T13:27:54","slug":"sie-fragment-6-3-que-sera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2012\/10\/sie-fragment-6-3-que-sera\/","title":{"rendered":"Sie. (Fragment 6.3, que sera)"},"content":{"rendered":"<p>\u201cEvery\u00adbody needs some\u00adone to live by.\u201d<br>\n<em>\u2013 Talk Talk: Desire<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>\u2026 Eigentlich h\u00e4tte es ganz anders kom\u00admen sollen.<\/p>\n<p>Hat\u00adte er den Frem\u00adden nicht stets benei\u00addet um den Platz in ihrem Herzen, den er selb\u00adst, das wusste er, niemals w\u00fcrde errin\u00adgen k\u00f6n\u00adnen? Nein, sagte sie, dazu best\u00fcnde kein Anlass, zwis\u00adchen dem Frem\u00adden und ihr w\u00fcrde niemals das Band beste\u00adhen, das sie bei\u00adde ver\u00adband. Er glaubte ihr. Und doch schlich der Fremde sich immer wieder in ihr Leben und nahm sich die Zuwen\u00addung, die er brauchte; und sie liebte dieses Spiel.<\/p>\n<p>Der blo\u00dfe Gedanke, er w\u00fcrde das, was er errun\u00adgen hat\u00adte, eines Tages an den Frem\u00adden ver\u00adlieren, lie\u00df ihn oft verzweifeln. Sie ver\u00adsuchte ihm die Gewis\u00adsheit zu geben, dass er <em>mehr<\/em> war als das, und den\u00adnoch \u2014 er h\u00e4tte alles daf\u00fcr gegeben, <em>er<\/em> zu sein; sie mit sein\u00ader blo\u00dfen Anwe\u00adsen\u00adheit bet\u00f6ren zu k\u00f6n\u00adnen. Aber er hat\u00adte, das wusste er, etwas erre\u00adicht, was nur schw\u00ader zu \u00fcber\u00adbi\u00adeten war. Ihr Herz kon\u00adnte er nicht gewin\u00adnen, aber er hat\u00adte <em>mehr<\/em>; mehr, als er sich jemals erhofft h\u00e4tte, als er ihr unge\u00adlenk und ver\u00adsch\u00e4mt seine Zunei\u00adgung ges\u00adtand.<\/p>\n<p>Aber was bedeutete diese Zunei\u00adgung? Er hat\u00adte nicht dar\u00fcber nachgedacht. Er <em>liebte<\/em> sie nicht; er <em>wollte<\/em> sie. Er wollte sie um sich und bei sich sp\u00fcren. Er brauchte keine Beziehung, er wusste nicht ein\u00admal so genau, was eine Beziehung eigentlich war. Er war s\u00fcchtig nach ihr, ihrem K\u00f6r\u00adp\u00ader, ihren K\u00fcssen, ihren meter\u00adtiefen Augen. Niemals h\u00e4tte er riskieren wollen, sie nicht wieder in die Arme schlie\u00dfen zu d\u00fcr\u00adfen.<\/p>\n<p>Er wirk\u00adte oft <em>kalt<\/em>, und das machte ihm Angst, weil er nicht wusste, was das bedeutet. Men\u00adschen wie er <em>seien so<\/em>, sagte sie manch\u00admal, und damit war es gut. Was er aber nun emp\u00adfand, war weit von jed\u00ader K\u00e4lte, jed\u00ader Dis\u00adtanziertheit ent\u00adfer\u00adnt. Er w\u00fcrde diese K\u00e4lte nun wahrlich genie\u00dfen, wenn er sie nur umfassen k\u00f6n\u00adnte. \u201cPuh\u201d, dachte er, \u201cdoch nicht ver\u00adr\u00fcckt.\u201d<\/p>\n<p>Nun lag er wach in seinem Bett. War wirk\u00adlich erst eine Woche ver\u00adgan\u00adgen, seit es ihr <em>gen\u00fcgt<\/em> hat\u00adte? F\u00fcr ihn f\u00fchlte es sich wie Monate an.<\/p>\n<p>Er h\u00e4tte gen\u00fcgsam bleiben sollen, vielle\u00adicht w\u00e4re all das dann nicht passiert. In sein\u00ader Ver\u00adgan\u00adgen\u00adheit aber war zu viel geschehen, das ihn hat\u00adte vor\u00adsichtig wer\u00adden lassen. Sein Ver\u00adstand <em>wusste<\/em>, dass nichts und nie\u00admand au\u00dfer ihm selb\u00adst einen Keil zwis\u00adchen sie treiben k\u00f6n\u00adnte, aber gen\u00fcgte das? Wann immer er sich der Gegen\u00adwart des Frem\u00adden bewusst wurde, kam ihm ihr Beken\u00adnt\u00adnis in den Sinn, dass in ihrem Herzen noch f\u00fcr lange Zeit nur Platz f\u00fcr den Frem\u00adden sein w\u00fcrde; zwar auf ein\u00ader Ebene, die keine Gefahr f\u00fcr das darstellte, was sie hat\u00adten, aber doch genug, um ihn zu verun\u00adsich\u00adern.<\/p>\n<p>Sie hat\u00adte ihn, vielle\u00adicht nur zum Scherz, <em>Schatz<\/em> genan\u00adnt; ein Wort, das seine Welt aus den Fugen warf. Nun hat\u00adte sie ihm mehr als nur den Kopf ver\u00addreht. Er w\u00fcrde sie bald wieder\u00adse\u00adhen, hat\u00adte sie gesagt. Es fiel ihm jeden Tag schw\u00ader\u00ader, sie zu mei\u00adden, obwohl er ihr viel zu viel Zeit ger\u00adaubt hat\u00adte. Aber er wusste, dass er das schaf\u00adfen w\u00fcrde, nein, <em>musste<\/em>. Alles, was ihm von all den K\u00fcssen, den Umar\u00admungen, der W\u00e4rme geblieben war, war die Hoff\u00adnung, dass er sie nicht aufgeben m\u00fcsste. (Was sie wohl ger\u00adade machte?)<\/p>\n<p>Und er hat\u00adte nicht die leis\u00ades\u00adte Ahnung, was er ihr sagen w\u00fcrde, wenn er sie jemals wieder\u00adse\u00adhen w\u00fcrde. Was er aber <em>nicht<\/em> sagen w\u00fcrde, das wusste er genau.<\/p>\n<p>Seit sie fort war, schien es, als w\u00e4re ihr Name einge\u00adbran\u00adnt in jedes Detail seines Lebens. Was aber sollte er denen sagen, die ihn t\u00e4glich fragten, wie es ihr ging? Er h\u00e4tte es selb\u00adst gern gewusst.<\/p>\n<p>\u201cWir sehen uns\u201d hat\u00adte sie gesagt. Dabei sah er sie fast jede Nacht im Traum; und er griff nach ihr und erwachte allein. Eine Stern\u00adschnuppe erleuchtete seinen Heimweg. In der Nacht der Stern\u00adschnup\u00adpen hat\u00adte er nur einen einzi\u00adgen Wun\u00adsch; so auch dies\u00admal. Dieser Wun\u00adsch aber sollte nicht vergeudet sein. Er schloss die Augen und sp\u00fcrte, wie eine Tr\u00e4ne sie ver\u00adlie\u00df. Er hat\u00adte nur diesen einen Ver\u00adsuch. \u2026<\/p>\n<hr>\n<p>\u201cOh my dear, every salt\u00aded tear, it wrings bit\u00adter-sweet applause.\u201d<br>\n<em>\u2013 Roxy Music: Bit\u00adter-Sweet<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cEvery\u00adbody needs some\u00adone to live by.\u201d \u2013 Talk Talk: Desire \u2026 Eigentlich h\u00e4tte es ganz anders kom\u00admen sollen. Hat\u00adte er den Frem\u00adden nicht stets benei\u00addet um den Platz in ihrem Herzen, den er selb\u00adst, das wusste er, niemals w\u00fcrde errin\u00adgen k\u00f6n\u00adnen? Nein, sagte sie, dazu best\u00fcnde kein Anlass, zwis\u00adchen dem Frem\u00adden und ihr w\u00fcrde niemals \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2012\/10\/sie-fragment-6-3-que-sera\/\" class=\"more-link\">\u2018Sie. 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