{"id":7010,"date":"2012-09-23T02:50:04","date_gmt":"2012-09-23T00:50:04","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=7010"},"modified":"2012-09-23T02:51:49","modified_gmt":"2012-09-23T00:51:49","slug":"herrn-bofinger-steht-die-angstschweiz-auf-der-stirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2012\/09\/herrn-bofinger-steht-die-angstschweiz-auf-der-stirn\/","title":{"rendered":"Herrn Bofinger steht die Angstschweiz auf der Stirn"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article109403433\/D-Mark-wuerde-Deutschland-in-den-Ruin-stuerzen.html\">WELT Online<\/a> (ich weigere mich, den neuen, bek\u00adloppten Marken\u00adna\u00admen \u201cDIE WELT\u201d anzuerken\u00adnen) hat sich ein Buch von Peter Bofin\u00adger, \u00d6konom und <em>Wirtschaftsweis\u00ader<\/em> und somit also Fachid\u00adiot, <em>aus\u00adge\u00adborgt<\/em>. Dieser find\u00adet, wie f\u00fcr WELT Online \u00fcblich ganz im Tenor der CDU, den Euro echt pri\u00adma.<\/p>\n<p>Das schreibt Herr Bofin\u00adger nat\u00fcr\u00adlich nicht ein\u00adfach so, son\u00addern er hat einen ganz konkreten Anlass, den WELT Online immer\u00adhin zu ken\u00adnen glaubt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Deutschen zweifeln zunehmend an den Vorteilen der Europ\u00e4is\u00adchen Union. Zwei von drei Deutschen w\u00fcn\u00adschen sich sog\u00adar die D\u2011Mark zur\u00fcck.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass die europ\u00e4is\u00adche Wirtschafts- und W\u00e4hrung\u00adsunion (EWWU) zwar ein Teil der, aber nicht iden\u00adtisch mit der Europ\u00e4is\u00adchen Union (EU) ist, ist ein kleines Detail, das hier nicht weit\u00ader von Bedeu\u00adtung sein, aber mal erw\u00e4h\u00adnt wor\u00adden sein soll. Auch dass die Zweifel an der Europ\u00e4is\u00adchen Union <em>zunehmen<\/em> und nicht etwa seit Jahren auf hohem Niveau stag\u00adnieren, halte ich nicht f\u00fcr eine unum\u00adst\u00f6\u00dfliche Wahrheit. Herr Bofin\u00adger aber hat da irgend\u00adwo \u201cD\u2011Mark\u201d gele\u00adsen, und als seine Schnap\u00adpat\u00admung nachge\u00adlassen hat\u00adte, hat er ein Buch geschrieben. \u00c4rg\u00ader\u00adlich, erst Frau Schramm, dann Frau Wulff, jet\u00adzt auch noch er; in ein\u00ader Rei\u00adhe mit Klas\u00adsik\u00adern wie der Auto\u00adbi\u00adografie von Justin Biebers Mut\u00adter zu nen\u00adnen sind zumin\u00add\u00adest zwei besagter B\u00fcch\u00ader bere\u00adits jet\u00adzt.<\/p>\n<p>Und aber jeden\u00adfalls: Die D\u2011Mark. Nein: <b>Sog\u00adar<\/b> die D\u2011Mark! (Dass das Aus\u00adrufeze\u00adichen im Text fehlt, ist sich\u00ader nur ein Fl\u00fcchtigkeits\u00adfehler.) Das waren wirk\u00adlich dun\u00adkle Zeit\u00aden f\u00fcr dieses Land: Alles kostete unge\u00adf\u00e4hr die H\u00e4lfte (dank Infla\u00adtion inzwis\u00adchen noch weitaus weniger). Das waren untrag\u00adbare Zust\u00e4nde, und wir soll\u00adten alle froh sein, dass sie ge\u00e4n\u00addert wur\u00adden von denen, die nur das Beste f\u00fcr uns wollen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcr\u00adlich gibt es europ\u00e4is\u00adche L\u00e4n\u00adder, die auch in <em>der Euro-Zeit<\/em> eine eigene W\u00e4hrung besitzen und ziem\u00adlich erfol\u00adgre\u00adich mit ihr han\u00addeln, etwa die Schweiz, die seit Jahren den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Global_Competitiveness_Report\">Glob\u00adal Com\u00adpet\u00adi\u00adtive\u00adness Index<\/a>, also die Ran\u00adgliste der wet\u00adtbe\u00adwerb\u00ads\u00adf\u00e4hig\u00adsten Staat\u00aden, anf\u00fchrt. \u201cSchweiz\u201d scheint auch so ein Reiz\u00adwort f\u00fcr Her\u00adrn Bofin\u00adger zu sein, denn er beeilt sich zu ver\u00adsich\u00adern, dass es der Schweiz mit 3,4 Prozent Arbeit\u00adslosigkeit, dem weltweit vier\u00adh\u00f6ch\u00adsten Brut\u00adtoin\u00adland\u00adspro\u00addukt pro Kopf (Deutsch\u00adland ist auf dem 20. Rang) sowie ein\u00ader sta\u00adbilen W\u00e4hrung, die sich nur ungern an irgendwelchen Krisen ori\u00aden\u00adtiert, eigentlich gar nicht gut geht:<\/p>\n<blockquote><p>Ohne gr\u00f6\u00dfere Mark\u00adte\u00adin\u00adgriffe hielt sich der Schweiz\u00ader Franken \u00fcber Jahre hin\u00adweg recht sta\u00adbil bei rund 1,50 Franken je Euro.<\/p>\n<p>Das hat sich mit dem Aus\u00adbruch der Griechen\u00adland-Krise im Fr\u00fch\u00adjahr 2010 grundle\u00adgend ge\u00e4n\u00addert. Inner\u00adhalb von 15 Monat\u00aden wertete sich der Schweiz\u00ader Franken so stark auf, dass er im August 2011 die Par\u00adit\u00e4t zum Euro zu erre\u00adichen dro\u00adhte.<\/p>\n<p>Nach l\u00e4n\u00adgerem Z\u00f6gern zog die Schweiz\u00aderische Nation\u00adal\u00adbank am 6. Sep\u00adtem\u00adber 2011 die Not\u00adbremse und k\u00fcndigte eine Kur\u00adsun\u00adter\u00adgren\u00adze von 1,20 Franken pro Euro an. Sei\u00adther bewegt sich der Kurs knapp ober\u00adhalb dieses Ziel\u00adw\u00adertes. Die Inter\u00adven\u00adtion war im Prinzip erfol\u00adgre\u00adich, aber der Schweiz ist damit nicht wirk\u00adlich geholfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die W\u00e4hrung der Schweiz ist <b>so stark<\/b>, dass sie seit\u00adens der Nation\u00adal\u00adbank zwangsweise gez\u00e4hmt (und somit geschw\u00e4cht) wer\u00adden muss. Damit ist der Schweiz \u201cnicht geholfen\u201d? Gl\u00fcck\u00adwun\u00adsch zu dieser Erken\u00adnt\u00adnis dem Wirtschaftsweisen und etwas Mit\u00adge\u00adf\u00fchl f\u00fcr die Schweiz bitte!<\/p>\n<p>Was aber, wenn die War\u00adnun\u00adgen der \u201crenom\u00admierten \u00d6konomen\u201d (Peter Bofin\u00adger \u00fcber Peter Bofin\u00adger) in den Wind geschla\u00adgen wer\u00adden? An der D\u2011Mark h\u00e4t\u00adten <em>die Deutschen<\/em> sicher\u00adlich keine Freude!<\/p>\n<blockquote><p>Die wiedereinge\u00adf\u00fchrte D\u2011Mark w\u00fcrde (\u2026) \u00fcber Jahre hin\u00adweg sehr kr\u00e4ftig aufgew\u00adertet. Da dies die Wet\u00adtbe\u00adwerb\u00ads\u00adf\u00e4higkeit unser\u00ader Exportwirtschaft gravierend beein\u00adtr\u00e4chti\u00adgen w\u00fcrde, tr\u00e4ten als\u00adbald renom\u00admierte \u00d6konomen auf den Plan, die mas\u00adsive Lohnk\u00fcrzun\u00adgen forderten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zwei wirk\u00adlich <em>total schreck\u00adliche<\/em> Vorstel\u00adlun\u00adgen tre\u00adf\u00adfen hier aufeinan\u00adder:<\/p>\n<ol>\n<li>Eine eigene W\u00e4hrung w\u00fcrde einge\u00adf\u00fchrt, die auf\u00adgrund von Mark\u00adt\u00adten\u00adden\u00adzen zun\u00e4chst immer st\u00e4rk\u00ader w\u00fcrde. Eine schauder\u00adhafte Vorstel\u00adlung: Ein Land, dessen B\u00fcrg\u00ader von ihrem Gehalt prob\u00adlem\u00adlos leben und sich sog\u00adar mal etwas kaufen k\u00f6n\u00adnen! Die Folge: Der Wert von Waren w\u00fcrde sinken, wenn die Kaufkraft stiege. Eine Aufw\u00ader\u00adtung der W\u00e4hrung w\u00fcrde also automa\u00adtisch den Han\u00addel abw\u00aderten; das hei\u00dft, diejeni\u00adgen, die sich bish\u00ader exk\u00adlu\u00adsiv Luxu\u00ads\u00adlim\u00adou\u00adsi\u00adnen und Villen leis\u00adten kon\u00adnten, m\u00fcssten ihre Man\u00adager\u00adboni mit dem gemeinen P\u00f6bel teilen. Und wer teilt schon gern?<\/li>\n<li><em>Renom\u00admierte \u00d6konomen<\/em> (das sind die, die nicht gern teilen m\u00f6cht\u00aden) w\u00fcr\u00adden als\u00adbald protestieren, dass der gemeine P\u00f6bel doch bitte wieder weniger Geld f\u00fcr seine Arbeit bekom\u00admen soll, damit sie jeman\u00adden haben, den sie als Beispiel her\u00adan\u00adnehmen k\u00f6n\u00adnen, um die Auswirkun\u00adgen <em>der Krise<\/em> zu versinnbildlichen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Leute k\u00f6n\u00adnten sich im Inland also mehr kaufen, wodurch weniger f\u00fcr den Export \u00fcbrig\u00adbliebe. Das w\u00e4re unertr\u00e4glich! \u2014 Ich habe irgend\u00adwann ein\u00admal gel\u00adernt, die wichtig\u00adste Auf\u00adgabe des Staates sei es, f\u00fcr das Woh\u00adlerge\u00adhen sein\u00ader B\u00fcrg\u00ader (der\u00ader im Inland) zu sor\u00adgen. Das war allerd\u00adings vor <em>der Krise<\/em>. Mir scheint, ich sollte mein Staatsver\u00adst\u00e4nd\u00adnis an das des Her\u00adrn Bofin\u00adger anpassen.<\/p>\n<p>Denn wie Wirtschaft funk\u00adtion\u00adiert, das hat er schon ganz gut ver\u00adstanden:<\/p>\n<blockquote><p>Wie in Japan w\u00e4re au\u00dfer\u00addem zu bef\u00fcrcht\u00aden, dass auf jede Lohnzur\u00fcck\u00adhal\u00adtung eine neue Aufw\u00ader\u00adtungswelle fol\u00adgt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Je weniger Geld da ist, desto mehr ist das Geld wert. Wie lange muss man studieren, bis man f\u00fcr solche Erken\u00adnt\u00adnisse einen Buchver\u00adtrag bekommt? \u2014 Ander\u00ader\u00adseits, mit Blick auf Julia Schramm, \u2026 \u2014 aber ich schweife ab. Wahrschein\u00adlich sehe ich das ger\u00adade nur aus der eng\u00adstirni\u00adgen Sicht eines Mit\u00adglieds des dum\u00admen P\u00f6bels, der f\u00fcr sein Geld mehr oder weniger hart arbeit\u00aden muss, aber ich w\u00e4re per\u00ads\u00f6n\u00adlich dur\u00adchaus bere\u00adit, das Risiko in Kauf zu nehmen, dass das Geld, das ich besitze, dazu tauglich ist, mir davon Sachen zu kaufen. Es muss ja nicht gle\u00adich eine Vil\u00adla sein.<\/p>\n<p>Aber damit w\u00e4re der Schweiz wohl auch nicht geholfen.<\/p>\n<p><em>(mit Dank an L.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WELT Online (ich weigere mich, den neuen, bek\u00adloppten Marken\u00adna\u00admen \u201cDIE WELT\u201d anzuerken\u00adnen) hat sich ein Buch von Peter Bofin\u00adger, \u00d6konom und Wirtschaftsweis\u00ader und somit also Fachid\u00adiot, aus\u00adge\u00adborgt. Dieser find\u00adet, wie f\u00fcr WELT Online \u00fcblich ganz im Tenor der CDU, den Euro echt pri\u00adma. 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