{"id":6984,"date":"2012-09-14T00:40:51","date_gmt":"2012-09-13T22:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=6984"},"modified":"2012-09-14T00:40:51","modified_gmt":"2012-09-13T22:40:51","slug":"bob-dylan-der-sturm-im-wasserglas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2012\/09\/bob-dylan-der-sturm-im-wasserglas\/","title":{"rendered":"Bob Dylan, der Sturm im Was\u00adser\u00adglas"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bob-Dylan-Tempest.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bob-Dylan-Tempest-120x120.jpg\" alt title=\"Bob-Dylan-Tempest\" width=\"120\" height=\"120\" style=\"padding-left:1em\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-6985\" srcset=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bob-Dylan-Tempest-120x120.jpg 120w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bob-Dylan-Tempest.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\"><\/a>Zu Bob Dylan hat\u00adte ich bekannt\u00adlich <a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/08\/mein-musikfaschismus\/\">2010 mei\u00adne Affi\u00adni\u00adt\u00e4t bekun\u00addet<\/a>.<\/p>\n<p>Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich \u00fcber die Jah\u00adre gewan\u00addelt hat, was noch nichts Schlech\u00adtes sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jah\u00adre waren es die Abkehr vom Folk\u00adrock und die Hin\u00adwen\u00addung zu christ\u00adli\u00adchen Bal\u00adla\u00adden und Coun\u00adtry\u00adschei\u00ad\u00dfe, die die sp\u00e4\u00adte\u00adren Wer\u00adke f\u00fcr mich unin\u00adter\u00ades\u00adsant mach\u00adten.<\/p>\n<p>Seit 1988 befin\u00addet sich Bob Dylan auf der \u201enie\u00admals enden\u00adden Tour\u00adnee\u201c und hat sei\u00adnen Stil seit\u00addem nur wenig ge\u00e4n\u00addert. Auf\u00adfal\u00adlend aller\u00addings: Sei\u00adne Stim\u00adme hat sich gewan\u00addelt, klingt jetzt, je h\u00f6her er zu sin\u00adgen oder in sei\u00adnem immer noch typi\u00adschen Duk\u00adtus zu erz\u00e4h\u00adlen ver\u00adsucht, rau und krat\u00adzig wie die von Joe Cocker oder einem drei\u00ad\u00dfig Jah\u00adre \u00e4lte\u00adren Rod Ste\u00adwart, den ich \u00fcbri\u00adgens gesang\u00adlich ziem\u00adlich bemer\u00adkens\u00adwert fin\u00adde. W\u00e4h\u00adrend\u00addes\u00adsen hat er (der Herr Dylan) immer noch Zeit, neue Musikal\u00adben auf\u00adzu\u00adneh\u00admen, neu\u00ader\u00addings \u2013 f\u00fcnf\u00adzig Jah\u00adre nach dem Deb\u00fct\u00adal\u00adbum \u2013 also \u201eTem\u00adpest\u201c, zu Deutsch \u201eSturm\u201c oder \u201eWir\u00adbel\u00adwind\u201c. Wer sich von die\u00adsem Titel ein ener\u00adgie\u00adge\u00adla\u00adde\u00adnes Feu\u00ader\u00adwerk der Rock\u00admu\u00adsik ver\u00adspricht, ist doof.<\/p>\n<p>Erlaubt mir, den Mythos \u201eeines sei\u00adner besten Alben\u201c (<a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/culture\/music\/bob-dylan\/9526332\/Bob-Dylans-Tempest-Rocks-king-lyricist-keeps-his-crown.html\">Neil McCor\u00admick<\/a>) zu ent\u00adzau\u00adbern.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst das Offen\u00adsicht\u00adli\u00adche: \u201eTem\u00adpest\u201c ist kein zwei\u00adtes \u201eBlon\u00adde on Blon\u00adde\u201c. Es ist nicht mal ein zwei\u00adtes \u201eBlood on the Tracks\u201c. Im Wesent\u00adli\u00adchen ist es ein lang\u00adwei\u00adli\u00adges Blues\u00adrock-\/Coun\u00adtry-Album eines alten Man\u00adnes, der sein Geld damit ver\u00addient, sich zu wie\u00adder\u00adho\u00adlen. Das ist nicht so harsch gemeint, wie es geschrie\u00adben wur\u00adde. Musi\u00adka\u00adlisch domi\u00adnie\u00adren aber Blues (klas\u00adsisch in \u201eEar\u00adly Roman Kings\u201c, das jeder Gitar\u00adren\u00adsch\u00fc\u00adler nach einer Woche nach\u00adspie\u00adlen k\u00f6nn\u00adte) und der scheu\u00df\u00adli\u00adche Coun\u00adtry, der die \u201enie\u00admals enden\u00adde Tour\u00adnee\u201c ja seit vie\u00adlen Jah\u00adren domi\u00adniert, was viel\u00adleicht auch den bescheu\u00ader\u00adten Hut erkl\u00e4rt, den Bob Dylan seit einer Wei\u00adle zu tra\u00adgen pflegt.<\/p>\n<p>Dass aus\u00adge\u00adrech\u00adnet das vier\u00adzehn\u00admi\u00adn\u00fc\u00adti\u00adge Titel\u00adst\u00fcck trotz sei\u00adner L\u00e4n\u00adge ein beson\u00adders belang\u00adlo\u00adses Musik\u00adst\u00fcck ist, in dem Bob Dylan zu einer Schla\u00adger\u00adme\u00adlo\u00addie (<b>Schla\u00adger!<\/b>) eine fik\u00adti\u00adve Ver\u00adsi\u00adon des Unter\u00adgangs der Tita\u00adnic, ver\u00adwo\u00adben mit Figu\u00adren und Ereig\u00adnis\u00adsen aus der eben\u00adfalls belang\u00adlo\u00adsen Kino\u00adschnul\u00adze (etwa mit einem Maler namens Leo), zum Besten gibt, ist ein biss\u00adchen scha\u00adde, denn dane\u00adben wir\u00adken die wirk\u00adlich guten Momen\u00adte auf \u201eTem\u00adpest\u201c k\u00fcr\u00adzer als sie es eigent\u00adlich sind. Zu nen\u00adnen w\u00e4ren da etwa das bei\u00adna\u00adhe fet\u00adzi\u00adge Blues\u00adrock\u00adst\u00fcck \u201eNar\u00adrow Way\u201c, das ener\u00adgie\u00adge\u00adla\u00adde\u00adne \u201ePay in Blood\u201c, das erstaun\u00adlich kopf\u00adnick\u00adbar ist, und das rhyth\u00admi\u00adsche \u201eTin Angel\u201c, das sei\u00adnen Bal\u00adla\u00adden aus <em>den Sech\u00adzi\u00adgern<\/em> nahe kommt.<\/p>\n<p>Wer nun gehofft hat\u00adte, dass wenig\u00adstens die Tex\u00adte, seit jeher ein pr\u00e4\u00adgen\u00adder Bestand\u00adteil sei\u00adner Musik, von Ver\u00adfall ver\u00adschont wor\u00adden sind, der soll\u00adte \u201eDuques\u00adne Whist\u00adle\u201c bes\u00adser \u00fcber\u00adsprin\u00adgen:<\/p>\n<blockquote><p>I can hear a sweet voice ste\u00adadi\u00adly cal\u00adling<br>\nMust be the mother of our lord<\/p><\/blockquote>\n<p>So ganz ohne Reli\u00adgi\u00f6\u00adsi\u00adt\u00e4t (und in ande\u00adren Lie\u00addern viel Lie\u00adbes\u00adschmalz) geht\u2019s eben nicht, seit Bob Dylan <em>erweckt<\/em> wur\u00adde, was bes\u00adser nie\u00admals h\u00e4t\u00adte pas\u00adsie\u00adren sol\u00adlen. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/pop\/cd-der-woche\/cd-der-woche-aus-tiefster-not-schreit-er-zu-ihm-11881425.html\">Eigent\u00adlich, so hat er zu Pro\u00adto\u00adkoll gege\u00adben (in einem Inter\u00adview f\u00fcr den ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adschen \u201eRol\u00adling Stone\u201c), woll\u00adte er ein reli\u00adgi\u00f6\u00adses Album machen. Aber dazu habe es ihm am Ende an aus\u00adrei\u00adchen\u00addem Mate\u00adri\u00adal gefehlt, und so sei nun die\u00adses her\u00adaus\u00adge\u00adkom\u00admen.<\/a> Ver\u00admut\u00adlich haben wir da noch mal Gl\u00fcck gehabt.<\/p>\n<p>Man ver\u00adste\u00adhe mich nicht falsch: \u201eTem\u00adpest\u201c ist gut daf\u00fcr, was es zu sein ver\u00adsucht. Bob Dylan muss nie\u00adman\u00addem mehr etwas bewei\u00adsen.<br>\nAnde\u00adrer\u00adseits erschlie\u00dft sich mir der eigent\u00adli\u00adche <em>Wert<\/em> eines Albums wie \u201eTem\u00adpest\u201c nicht. Die Ziel\u00adgrup\u00adpe: Christ\u00adli\u00adche US-ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adsche Kon\u00adser\u00adva\u00adti\u00adve? Men\u00adschen, die es sch\u00e4t\u00adzen, zu h\u00f6ren, wie Bob Dylan auf jedem neu\u00aden Musik\u00adal\u00adbum sei\u00adnen hart erar\u00adbei\u00adte\u00adten Ruf als gro\u00df\u00adar\u00adti\u00adger Lyri\u00adker noch wei\u00adter zer\u00adst\u00f6rt?<\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt \u201eTem\u00adpest\u201c als Doku\u00adment \u2013 nicht mehr, nicht weni\u00adger. Mei\u00adne gele\u00adgent\u00adlich ge\u00e4u\u00ad\u00dfer\u00adte Behaup\u00adtung, alle Stu\u00addio\u00adal\u00adben ab \u201eNew Mor\u00adning\u201c m\u00fcs\u00adse man weder zumin\u00addest ein\u00admal geh\u00f6rt haben noch besit\u00adzen, bewahr\u00adhei\u00adtet sich indes erneut.<\/p>\n<p><em>Eines sei\u00adner besten Alben<\/em> ist \u201eTem\u00adpest\u201c jeden\u00adfalls nicht. Daf\u00fcr h\u00e4ngt die Mess\u00adlat\u00adte zu hoch.<\/p>\n<p>Aber das macht nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Bob Dylan hat\u00adte ich bekannt\u00adlich 2010 mei\u00adne Affi\u00adni\u00adt\u00e4t bekun\u00addet. Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich \u00fcber die Jah\u00adre gewan\u00addelt hat, was noch nichts Schlech\u00adtes sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jah\u00adre waren es die Abkehr vom Folk\u00adrock und die Hin\u00adwen\u00addung zu christ\u00adli\u00adchen Bal\u00adla\u00adden und Coun\u00adtry\u00adschei\u00ad\u00dfe, die die \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2012\/09\/bob-dylan-der-sturm-im-wasserglas\/\" class=\"more-link\">\u2018Bob Dylan, der Sturm im Was\u00adser\u00adglas\u2019 wei\u00adter\u00adle\u00adsen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"activitypub_content_warning":"","activitypub_content_visibility":"","activitypub_max_image_attachments":3,"activitypub_interaction_policy_quote":"anyone","activitypub_status":"","footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-6984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikkritik"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6984"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6984\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6984"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=6984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}