{"id":6197,"date":"2012-03-30T18:01:56","date_gmt":"2012-03-30T16:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=6197"},"modified":"2012-03-30T19:49:54","modified_gmt":"2012-03-30T17:49:54","slug":"musikmasochisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2012\/03\/musikmasochisten\/","title":{"rendered":"Musikmasochisten"},"content":{"rendered":"<p>Auf ein\u00ader mit voran\u00adschre\u00adi\u00adt\u00aden\u00adder Uhrzeit zuse\u00adhends anstren\u00adgen\u00adderen Reise dr\u00e4ngte sich mir heute wieder die Frage auf, was eigentlich einen Jung\u00admen\u00adschen dazu ver\u00adan\u00adlasst, \u201cMusik\u201d \u2014 und sei es nur bl\u00f6des Com\u00adput\u00aderge\u00adstampfe \u2014 \u00fcber den inter\u00adnen Laut\u00adsprech\u00ader eines Mobil\u00adtele\u00adfons oder eines \u00e4hn\u00adlich ungeeigneten Ger\u00e4tes abzus\u00adpie\u00adlen statt einen Kopf- oder wenig\u00adstens Ohrh\u00f6r\u00ader zu ver\u00adwen\u00adden. Ich mein\u00ader\u00adseits betra\u00adchte es als Folter und nicht als gute Unter\u00adhal\u00adtung, wenn man mir per MP3-Codec kaput\u00adtkom\u00adprim\u00adierte <em>Dance<\/em>-Kl\u00e4nge \u00fcber einen qu\u00e4ki\u00adgen Audioaus\u00adgang vor\u00adspielt, und k\u00e4me niemals auf die Idee, dies aus eigen\u00adem Antrieb her\u00adaus selb\u00adst zu tun; ganz davon abge\u00adse\u00adhen, dass <em>Dance<\/em> meine pr\u00e4ferierte Musikrich\u00adtung nun wahrlich nicht ist.<\/p>\n<p>Das bis dahin let\u00adzte Musikalbum, das ich h\u00f6rte, war wenige Stun\u00adden zuvor das Album \u201cPlumb\u201d von den ziem\u00adlich guten Indie-Pop-Musik\u00adern <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QpaAtZQeNnQ\">Field Music<\/a>, und von jenen ist der Schritt ein nicht geringer.<\/p>\n<p>Was also gibt den Anlass f\u00fcr die weit\u00adfl\u00e4chige Ver\u00adbre\u00aditung furcht\u00adbar verz\u00ader\u00adrter Tanz\u00admusik in \u00f6ffentlichen Verkehrsmit\u00adteln? Mit\u00adteilungs\u00addrang kann es nicht sin, denn man teilt ja seinen Mitreisenden so abge\u00adse\u00adhen von dem Umstand, dass die eigene musikalis\u00adche Sozial\u00adisierung erst noch stat\u00adtfind\u00aden muss, nicht viel mit. Auch der Hedo\u00adnis\u00admus schei\u00addet aus, denn spa\u00dfig ist diese Ohren\u00adfolter wohl nur f\u00fcr diejeni\u00adgen, die, selb\u00adst mit Kopfh\u00f6r\u00adern und Schaden\u00adfreude aus\u00adges\u00adtat\u00adtet, das Mienen\u00adspiel der Gequ\u00e4l\u00adten beobacht\u00aden k\u00f6n\u00adnen.<\/p>\n<p>Dabei ist aus\u00adnahm\u00adsweise nicht ein\u00admal die Audiokom\u00adpres\u00adsion der \u2014 im Wortsinne \u2014 Auss\u00adchlag gebende Aspekt, das Aus\u00adgabeger\u00e4t ist es. Selb\u00adst eine hochau\u00adfl\u00f6sende Ver\u00adsion von Gen\u00adtle Giants <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kzDCfnBhinw\">\u201cFun\u00adny Ways\u201d<\/a> ger\u00e4t, durch diesen Fil\u00adter gejagt, zu qu\u00e4kigem Klang\u00adbrei; und wenn dann noch der \u00fcbliche Fick\u00adbeat darunter gelegt w\u00fcrde (was den Darun\u00adter\u00adleger zu einem mein\u00ader \u00e4rg\u00adsten Feinde machte, weshalb ich davon abrate), k\u00f6n\u00adnte nie\u00admand mehr mit Bes\u00adtimmtheit sagen, ob er da ger\u00adade mit Gen\u00adtle Giant, den Bea\u00adt\u00adles, Madon\u00adna oder Skrillex (im Musik\u00adlexikon unter \u201cS\u201d wie \u201cscheu\u00dflich\u201d zu find\u00aden) bel\u00e4stigt wird. Es mag Kon\u00adsum sein, Genuss aber keineswegs; zumin\u00add\u00adest bin ich m\u00f6glicher\u00adweise wil\u00adlens, nicht aber f\u00e4hig dazu, gegen\u00adteilige Behaup\u00adtun\u00adgen als uneingeschr\u00e4nkt zutr\u00ade\u00adf\u00adfend zu begreifen.<\/p>\n<p>Als Kon\u00adtrast zu <a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/08\/mein-musikfaschismus\/\">uns Musik\u00adfaschis\u00adten<\/a> bin ich geneigt, die Pro\u00adtag\u00ado\u00adnis\u00adten solchen Tuns als Musik\u00admasochis\u00adten zu beze\u00adich\u00adnen; die eben \u201cMusik\u201d auch und ger\u00adade dann und dergestalt h\u00f6ren, wenn und dass es das gr\u00f6\u00dft\u00adm\u00f6gliche Miss\u00adfall\u00aden erzeugt. (In US-amerikanis\u00adchen Folterge\u00adf\u00e4ng\u00adnis\u00adsen wen\u00addet man bekan\u00adntlich eine \u00e4hn\u00adliche Strate\u00adgie an.)<\/p>\n<p>Ich empfehle Her\u00adstellern min\u00adder\u00adw\u00ader\u00adtiger Klan\u00adgaus\u00adgabeger\u00e4te, jegliche Musik\u00adwieder\u00adgabe allein \u00fcber die Klinken\u00adbuchse auszuf\u00fchren, um weit\u00aderes Leid zu reduzieren, und bedanke mich her\u00adzlichst im Voraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf ein\u00ader mit voran\u00adschre\u00adi\u00adt\u00aden\u00adder Uhrzeit zuse\u00adhends anstren\u00adgen\u00adderen Reise dr\u00e4ngte sich mir heute wieder die Frage auf, was eigentlich einen Jung\u00admen\u00adschen dazu ver\u00adan\u00adlasst, \u201cMusik\u201d \u2014 und sei es nur bl\u00f6des Com\u00adput\u00aderge\u00adstampfe \u2014 \u00fcber den inter\u00adnen Laut\u00adsprech\u00ader eines Mobil\u00adtele\u00adfons oder eines \u00e4hn\u00adlich ungeeigneten Ger\u00e4tes abzus\u00adpie\u00adlen statt einen Kopf- oder wenig\u00adstens Ohrh\u00f6r\u00ader zu ver\u00adwen\u00adden. 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