{"id":5609,"date":"2011-12-21T19:37:10","date_gmt":"2011-12-21T18:37:10","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=5609"},"modified":"2011-12-21T19:59:08","modified_gmt":"2011-12-21T18:59:08","slug":"wo-ein-aas-ist-da-sammeln-sich-die-geier-matthaeus-2428","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2011\/12\/wo-ein-aas-ist-da-sammeln-sich-die-geier-matthaeus-2428\/","title":{"rendered":"Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier. (Matth\u00e4us 24,28)"},"content":{"rendered":"<p>Eines der weniger ruhm\u00adre\u00adichen Kapi\u00adtel in meinem Leben ist meine Kon\u00adfes\u00adsion.<\/p>\n<p>Ich geste\u00adhe, ich stamme aus ein\u00ader \u00fcber\u00adwiegend katholis\u00adchen Fam\u00adi\u00adlie. Ger\u00adade die Fam\u00adi\u00adlie eines mein\u00ader Eltern\u00adteile ist tra\u00addi\u00adtionell r\u00f6misch-katholisch getauft und bis zur vor\u00adlet\u00adzten Gen\u00ader\u00ada\u00adtion dur\u00adchaus auch noch heute kirch\u00adlich rege aktiv, und so wurde auch ich katholisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Ein\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adnis gebeten h\u00e4tte. Meinem Gro\u00df\u00advater zuliebe ver\u00adbrachte auch ich in Kind\u00adheit und fr\u00fcher Jugend einige Zeit damit, <em>der Kirche zu dienen<\/em>; die Bedeu\u00adtung des Wortes \u201cdienen\u201d war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das f\u00fcr etwas, was man halt so sagt, und so emp\u00adfand ich es auch. Aus \u00e4hn\u00adlichem Grund nahm ich an Erstkom\u00admu\u00adnion und Fir\u00admung teil. Dem hinzu kam der Aspekt, dass man das <em>eben so machte<\/em>, ob man nun die Wiederkun\u00adft des HEr\u00adrn erwartete oder nicht. Katholisch getauft wor\u00adden zu sein hie\u00df f\u00fcr mich, sich auch fir\u00admen lassen zu <em>m\u00fcssen<\/em>. Vielle\u00adicht lag es auch an den Geldgeschenken, die mich erwarteten.<\/p>\n<p>Unter anderem wohl dem evan\u00adge\u00adlis\u00adchen anderen Eltern\u00adteil und sein\u00ader Aver\u00adsion gegen von Leuten, die sich au\u00dfer\u00adhalb eines Kirchen\u00adhaus\u00ades f\u00fcr christliche Gebote nur f\u00fcr einen Teil der zehn Gebote inter\u00adessieren, vorgeschobenes Chris\u00adten\u00adtum ist es zu ver\u00addanken, dass sich mit der Zeit die <em>ratio<\/em> durch\u00adset\u00adzen kon\u00adnte und ich begann, meinen Ein\u00adsatz f\u00fcr die katholis\u00adche Kirche auf ein Min\u00adi\u00admum zu reduzieren, indem ich die Kirche nur noch in <em>Aus\u00adnah\u00adme\u00adf\u00e4llen<\/em> betrat und mich auch dann den r\u00f6misch-katholis\u00adchen Leibes\u00fcbun\u00adgen (Auf\u00adste\u00adhen, Hin\u00adset\u00adzen, Hinknien, Hin\u00adset\u00adzen, Auf\u00adste\u00adhen, Hin\u00adset\u00adzen, rauf, runter, rein, raus) ent\u00adzog; nein, ich kor\u00adrigiere mich \u2014 \u201crein, raus\u201d war damals nicht an der Tage\u00adsor\u00add\u00adnung.<\/p>\n<p>Wenn also irgend\u00adwann der Ver\u00adstand ein\u00adset\u00adzt und man bemerkt, dass das, wof\u00fcr man sich f\u00fcr Jahre seines Lebens (zeitweise halb\u00adherzig) einge\u00adset\u00adzt hat, ethisch nicht mehr dem eige\u00adnen Welt\u00adbild entspricht, muss \u2014 nicht nur sollte \u2014 man, um sich selb\u00adst nicht zu bel\u00fc\u00adgen, die Kon\u00adse\u00adquen\u00adzen ziehen. Ich bewun\u00addere Men\u00adschen, die trotz allem weit\u00ader\u00adhin an Wei\u00adh\u00adnacht\u00aden, Ostern oder Neu\u00adjahr <em>aus Prinzip<\/em> in die Kirche gehen, f\u00fcr diese F\u00e4higkeit. Ich habe sie l\u00e4ngst ver\u00adloren.<\/p>\n<p>Der Zufall hat mich bish\u00ader davor bewahrt, die Kirchen\u00ads\u00adteuer entricht\u00aden zu m\u00fcssen. Ich hat\u00adte mir fest vorgenom\u00admen, den Aus\u00adtritt, im Geiste vor Jahren erfol\u00adgt, bald auch formell vorzunehmen, bevor sich dieser Zus\u00adtand \u00e4ndert. Ein Aus\u00adtritt, immer\u00adhin, kostet aus unerfind\u00adlichem Grund Ver\u00adwal\u00adtungs\u00adge\u00adb\u00fchren, also eilte es bis\u00adlang nicht. Nicht ein\u00admal die, wie erst sp\u00e4ter bekan\u00adnt wurde, erstaunliche H\u00e4u\u00adfung von Kinder\u00adfick\u00adern inmit\u00adten der Bedi\u00aden\u00adsteten dieser Sek\u00adte \u2014 das ist sich\u00ader, wie bei der \u201cchristlich-demokratis\u00adchen\u201d Union, nur Zufall \u2014 kon\u00adnte f\u00fcr mich per\u00ads\u00f6n\u00adlich diesen Schritt beschle\u00adu\u00adni\u00adgen.<\/p>\n<p>Nun begab es sich, dass ein naher Ver\u00adwandter nach langer Krankheit, also keines\u00adfalls \u00fcber\u00adraschend, <del>abnip\u00adpelte<\/del> ver\u00adstarb. Heute wohnte ich dem Trauer\u00adgottes\u00addi\u00adenst bei, dem eine <em>Trauer\u00adfeier<\/em> fol\u00adgen sollte, aber feier\u00adlich war mir nicht mehr zumute. So ein Trauer\u00adgottes\u00addi\u00adenst unter\u00adschei\u00addet sich ja von allen anderen Gottes\u00addi\u00aden\u00adsten offen\u00adbar nur darin, dass der Name des Toten w\u00e4hrend der Eucharistie genan\u00adnt wird, und dann bitte\u00adsehr weit\u00ader zur Tage\u00adsor\u00add\u00adnung.<\/p>\n<p>Die beste\u00adht dann darin, dass man den Her\u00adrn lobt und preist und ihm selb\u00adstver\u00adst\u00e4ndlich f\u00fcr seine guten Tat\u00aden dankt. Dass sich nie\u00admand vernehm\u00adlich zu r\u00e4us\u00adpern erlaubt, wenn zum Auszug des Priesters am Ende der Trauerver\u00adanstal\u00adtung die anwe\u00adsende Schar an Men\u00adschen, ob nun <em>eigentlich<\/em> katholisch oder evan\u00adge\u00adlisch oder bud\u00addhis\u00adtisch oder satanis\u00adtisch oder apathisch, im Chor ein <a href=\"http:\/\/www.volksliederarchiv.de\/text1223.html\">altes Kirchen\u00adlied rez\u00adi\u00adtiert, in dem es hei\u00dft:<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Gro\u00dfer Gott, wir loben dich,<br>\nHerr, wir preisen deine St\u00e4rke,<br>\nvor dir beugt die Erde sich<br>\nund bewun\u00addert deine Werke.<\/p>\n<p>(\u2026)<\/p>\n<p>Alle Tage wollen wir<br>\ndich und deinen Namen preisen<br>\nund zu allen Zeit\u00aden dir<br>\nEhre, Lob und Dank erweisen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u2026, f\u00fchlt sich zwar f\u00fcr die Anwe\u00adsenden vielle\u00adicht mys\u00adtisch und tief gl\u00e4u\u00adbig an, aber es ist selb\u00adst f\u00fcr mich eine Spur zu zynisch.<\/p>\n<p><strong>Katho\u00adliken\u00adpack, besch\u00e4\u00admendes!<\/strong><\/p>\n<p>Eurem wider\u00adw\u00e4r\u00adti\u00adgen Haufen k\u00fcndi\u00adge ich hier\u00admit das let\u00adzte k\u00fcm\u00admer\u00adliche biss\u00adchen Fre\u00adund\u00adschaft, das ihr noch nicht ver\u00adspielt hat\u00adtet. M\u00f6ge ein gerecht\u00ades h\u00f6heres Wesen euch lieber fr\u00fcher als sp\u00e4ter im Fege\u00adfeuer bren\u00adnen lassen.<\/p>\n<p>Arschl\u00f6ch\u00ader.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der weniger ruhm\u00adre\u00adichen Kapi\u00adtel in meinem Leben ist meine Kon\u00adfes\u00adsion. Ich geste\u00adhe, ich stamme aus ein\u00ader \u00fcber\u00adwiegend katholis\u00adchen Fam\u00adi\u00adlie. Ger\u00adade die Fam\u00adi\u00adlie eines mein\u00ader Eltern\u00adteile ist tra\u00addi\u00adtionell r\u00f6misch-katholisch getauft und bis zur vor\u00adlet\u00adzten Gen\u00ader\u00ada\u00adtion dur\u00adchaus auch noch heute kirch\u00adlich rege aktiv, und so wurde auch ich katholisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2011\/12\/wo-ein-aas-ist-da-sammeln-sich-die-geier-matthaeus-2428\/\" class=\"more-link\">\u2018Wo ein Aas ist, da sam\u00admeln sich die Geier. (Matth\u00e4us 24,28)\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-5609","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-persoenliches"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5609","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5609"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5609\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5609"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5609"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5609"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=5609"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}