{"id":4831,"date":"2011-07-06T19:47:32","date_gmt":"2011-07-06T17:47:32","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=4831"},"modified":"2011-07-06T19:47:32","modified_gmt":"2011-07-06T17:47:32","slug":"medienkritik-liii-der-spiegel-und-das-bose-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2011\/07\/medienkritik-liii-der-spiegel-und-das-bose-internet\/","title":{"rendered":"Medienkritik LIII: Der SPIEGEL und das b\u00f6se Internet"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/SPIEGEL-27-2011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/SPIEGEL-27-2011-90x120.jpg\" alt title=\"SPIEGEL 27\/2011\" width=\"90\" height=\"120\" style=\"padding-left:0.5em\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-4832\" srcset=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/SPIEGEL-27-2011-90x120.jpg 90w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/SPIEGEL-27-2011-227x300.jpg 227w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/SPIEGEL-27-2011.jpg 312w\" sizes=\"auto, (max-width: 90px) 100vw, 90px\"><\/a>Die Titelgeschichte des diesw\u00f6chi\u00adgen SPIEGELs (\u201cDie dig\u00adi\u00adtale Unter\u00adwelt: Das ver\u00adbor\u00adgene Netz der Inter\u00adnet-Ver\u00adbrech\u00ader\u201d) klang nach toller Real\u00adsatire, also griff ich zu; und lachte schon beim Lesen der Leser\u00adbriefe (\u201cDie \u00c4ra Merkel muss schle\u00adu\u00adnigst been\u00addet wer\u00adden\u201d, fordert ein Herr Man\u00adfred Merkel dort).<\/p>\n<p>Nat\u00fcr\u00adlich sollte man vom SPIEGEL keine pro\u00adfes\u00adsionellen EDV-Ken\u00adnt\u00adnisse (oder gar pro\u00adfes\u00adsionellen Jour\u00adnal\u00adis\u00admus jed\u00adwelch\u00ader Art) erwarten, das tu ich auch nicht, aber wer der\u00adart rei\u00dferisch damit wirbt, dass das Inter\u00adnet voller Gefahren stecke, der sollte sich nicht wun\u00addern, wenn man seine Aus\u00adf\u00fchrun\u00adgen kri\u00adtisch be\u00e4ugt.<\/p>\n<p>Und ich be\u00e4uge dann mal.<\/p>\n<p>Zen\u00adtrales The\u00adma des Artikels sind \u201cFakeshops\u201d, also Verk\u00e4ufer, die Geld annehmen und dann ohne Liefer\u00adung auf Nim\u00admer\u00adwieder\u00adse\u00adhen ver\u00adschwinden. Hierzu gibt es einige dur\u00adchaus wis\u00adsenswerte Hin\u00adter\u00adgrund\u00adin\u00adfor\u00adma\u00adtio\u00adnen, allerd\u00adings scheit\u00adert es dann doch an Kleinigkeit\u00aden (eine IP-Adresse wird etwa als \u201cRech\u00adn\u00aderken\u00adnung\u201d beze\u00adich\u00adnet).<\/p>\n<p>Zwar ver\u00admei\u00addet man beim SPIEGEL trotz wieder\u00adholter Ein\u00adbindung des Jol\u00adly Rogers den Begriff des \u201cRaubkopierens\u201d (stattdessen nen\u00adnt man es dort \u201cille\u00adgales Kopieren\u201d), aber so recht ver\u00adstanden hat man das alles immer noch nicht, denn selb\u00adstver\u00adst\u00e4ndlich wird au\u00dfer der \u201cRah\u00admen\u00adhand\u00adlung\u201d, also den \u201cFakeshops\u201d, auch noch anderes the\u00adma\u00adtisiert, etwa das Ersp\u00e4hen von Bank\u00addat\u00aden und \u00e4hn\u00adliche Krim\u00adi\u00adnal\u00adit\u00e4ten, und da ste\u00adht oft ein riesiger Bock\u00admist drin, wie man ihn vom SPIEGEL beim The\u00adma EDV auch nicht anders erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So kommt die Sprache auch auf die Aktiv\u00adit\u00e4ten von \u201cLulzSec\u201d, mit\u00adtler\u00adweile wieder aufgel\u00f6ster Teil von \u201cAnony\u00admous\u201d: Es han\u00addele sich um \u201close, poli\u00adtisch motivierte Grup\u00adpierun\u00adgen, die kein Geld wollen, son\u00addern blo\u00df Aufmerk\u00adsamkeit\u201d, und mir scheint, beim SPIEGEL hat man da was nicht ver\u00adstanden, denn w\u00e4hrend es zutrifft, dass \u201cAnony\u00admous\u201d eine lose, poli\u00adtisch motivierte Grup\u00adpierung ist und wed\u00ader \u201cAnony\u00admous\u201d noch \u201cLulzSec\u201d prim\u00e4r auf Geld aus sind und waren, wen\u00adngle\u00adich let\u00adztere expliz\u00adit um Bit\u00adcoin-Spenden bat\u00aden, ist der Rest haneb\u00fcch\u00aden\u00ader Quatsch. Vor allem der Umstand, dass \u201cAnony\u00admous\u201d ern\u00adsthafte Ziele ver\u00adfol\u00adgt, sollte einem so genan\u00adnten \u201cNachricht\u00aden\u00admagazin\u201d schon ein wenig Hin\u00adter\u00adgrun\u00addrecherche abrin\u00adgen, aber wer braucht schon Detail\u00adwis\u00adsen?<\/p>\n<p>Sony seien \u201cDat\u00aden gestohlen\u201d und der Cit\u00adi\u00adgroup \u201cDaten\u00ads\u00e4tze geklaut\u201d wor\u00adden, hei\u00dft es weit\u00ader, aber anscheinend waren die T\u00e4ter ja von Mitleid geplagt, immer\u00adhin hat\u00adten die Betrof\u00adfe\u00adnen ihre Dat\u00aden schnell zur\u00fcck, nur eine Kopie verblieb \u00f6ffentlich les\u00adbar im Inter\u00adnet. (Da haben wir wieder das Dilem\u00adma mit dem \u201cRaubkopieren\u201d, also dem \u201cStehlen von Dat\u00aden\u201d.)<\/p>\n<p>Ja, gut, sagen nun meine Leser, aber so all\u00adge\u00admein jour\u00adnal\u00adis\u00adtis\u00adchen Ver\u00adstand abseits der Infor\u00admatik hat man beim SPIEGEL dann doch noch? Nun, das dachte ich auch.<\/p>\n<p>Aber nehmen wir ein\u00admal den erw\u00e4h\u00adn\u00adten Artikel: Eine Frau wird erw\u00e4h\u00adnt, die \u201cJagd\u201d auf \u201cFakeshops\u201d macht. Ihre Iden\u00adtit\u00e4t m\u00f6chte sie sch\u00fctzen, darum fotografiert man sie neb\u00adst Sohn (!) beim SPIEGEL <em>nur<\/em> von hin\u00adten und druckt oben\u00addrein einen Dro\u00adhbrief in voller L\u00e4nge ab, der die Wohn\u00adsi\u00adt\u00adu\u00ada\u00adtion der Frau aus\u00adf\u00fchrlichst beschreibt. Mir kom\u00admen da spon\u00adtan die \u201cFace\u00adbook-Par\u00adtys\u201d der let\u00adzten Wochen in den Sinn, zu denen die Medi\u00aden aus\u00addr\u00fcck\u00adlich <em>nicht aufriefen<\/em>, indem sie Ter\u00admin und Ort plaka\u00adtiv ver\u00adbre\u00adit\u00adeten.<\/p>\n<p>Mal ganz ehrlich, Mar\u00adcel Rosen\u00adbach und Hilmar Schmundt vom SPIEGEL, das Inter\u00adnet ist gar nicht so b\u00f6se. Schaut, es hil\u00adft euch sog\u00adar, Fehler zu erken\u00adnen und zuk\u00fcn\u00adftig zu ver\u00admei\u00adden. \u2014 Ander\u00ader\u00adseits sollte ich zumin\u00add\u00adest diese Hoff\u00adnung beim SPIEGEL dann doch langsam mal aufgeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Titelgeschichte des diesw\u00f6chi\u00adgen SPIEGELs (\u201cDie dig\u00adi\u00adtale Unter\u00adwelt: Das ver\u00adbor\u00adgene Netz der Inter\u00adnet-Ver\u00adbrech\u00ader\u201d) klang nach toller Real\u00adsatire, also griff ich zu; und lachte schon beim Lesen der Leser\u00adbriefe (\u201cDie \u00c4ra Merkel muss schle\u00adu\u00adnigst been\u00addet wer\u00adden\u201d, fordert ein Herr Man\u00adfred Merkel dort). 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