{"id":4627,"date":"2011-05-18T20:23:26","date_gmt":"2011-05-18T18:23:26","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=4627"},"modified":"2011-05-18T20:23:26","modified_gmt":"2011-05-18T18:23:26","slug":"gefahr-von-oben-auch-facebookmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2011\/05\/gefahr-von-oben-auch-facebookmusik\/","title":{"rendered":"Gefahr von oben! (Auch: Facebookmusik.)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style:italic\">(Vorbe\u00admerkung. Ein Teil dieses Artikels han\u00addelt von der Band Muse. Muse ist eine der weni\u00adgen Musik\u00adgrup\u00adpen, die es schaf\u00adfen, mich schon bei der blo\u00dfen Erw\u00e4h\u00adnung ihres Namens erschaud\u00adern zu lassen. Zum besseren Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis ver\u00adweise ich nochmals auf die <a href=\"http:\/\/www.schallgrenzen.de\/soundcheck-muse-the-resistance\/\">Schall\u00adgren\u00adzen-Rezen\u00adsio\u00adnen<\/a> zum bish\u00ader und hof\u00adfentlich endg\u00fcltig let\u00adzten Muse-Album.)<\/span><\/p>\n<p>Man traut sich schon gar nicht mehr, in die Zeitung zu schauen, bringt doch ein Blick in das lokale Mit\u00adteilungs\u00adblatt t\u00e4glich meinen Glauben daran, dass die durch\u00adschnit\u00adtliche Intel\u00adli\u00adgenz hierzu\u00adlande deut\u00adlich \u00fcber dem US-amerikanis\u00adchen Durch\u00adschnitt liegt, ins Wanken.<\/p>\n<p>Heute etwa las ich, dass deutsche Atom\u00adkraftwerke nur unzure\u00adichend dage\u00adgen gesch\u00fctzt seien, dass Flugzeuge runter- und auf sie drauf\u00adfall\u00aden, wie ein Stresstest ergeben habe; das best\u00e4ti\u00adgen auch <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/atomausstieg\/stresstest-kein-deutsches-akw-uebersteht-flugzeugabsturz_aid_628226.html\">andere Quellen<\/a>. Jet\u00adzt w\u00fcrde es mich nat\u00fcr\u00adlich schon ein biss\u00adchen inter\u00adessieren, wie so ein Stresstest abl\u00e4uft: Lassen sie da Flugzeuge drauf\u00adfall\u00aden und guck\u00aden, wie schw\u00ader die sein d\u00fcr\u00adfen, bis mess\u00adbare Sch\u00e4\u00adden am Atom\u00adkraftwerk entste\u00adhen? Nein, das ist nat\u00fcr\u00adlich Unfug:<\/p>\n<blockquote><p>(\u2026) allerd\u00adings war es vor allem eine Pr\u00fc\u00adfung auf dem Papi\u00ader mit ein\u00ader Neu\u00adberech\u00adnung bes\u00adtimmter Szenar\u00adien.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ver\u00adste\u00adhe: Sie haben also Papier\u00adflugzeuge auf Papier\u00adatomkraftwerke gewor\u00adfen und geguckt, was passiert.<\/p>\n<p>Gegen <a href=\"http:\/\/twitter.com\/#!\/Nurja\/status\/70831387372044289\">Godzil\u00adla-Angriffe<\/a> ist so ein Atom\u00adkraftwerk \u00fcbri\u00adgens genau so wenig gesch\u00fctzt wie dage\u00adgen, dass gro\u00dfe Dinge auf es drauf\u00adfall\u00aden, aber diese Infor\u00adma\u00adtion schafft es nie in die Nachricht\u00aden; ver\u00admut\u00adlich, um nie\u00adman\u00adden zu beun\u00adruhi\u00adgen. Es war aber, wie wir inzwis\u00adchen wis\u00adsen, ger\u00adadezu unver\u00adant\u00adwortlich von den Kon\u00adstruk\u00adteuren der deutschen Atom\u00adkraftwerke, dass sie nicht ihr Haup\u00adtau\u00adgen\u00admerk auf den Schutz dage\u00adgen legten, dass Flugzeuge auf ihre Kon\u00adstruk\u00adtio\u00adnen drauf\u00adfall\u00aden, denn dieses Damok\u00adless\u00adchw\u00adert schwebt ja st\u00e4ndig \u00fcber unseren K\u00f6pfen. Der inter\u00adna\u00adtionale Ter\u00adror\u00adis\u00admus schl\u00e4ft nicht, und die Wahrschein\u00adlichkeit, dass in abse\u00adhbar\u00ader Zeit irgen\u00addein Ter\u00adror\u00adist die Idee, trotz all der Schika\u00adnen an Flugh\u00e4fen ein Flugzeug auf Geb\u00e4ude in Deutsch\u00adland drauf\u00adfall\u00aden zu lassen, erfol\u00adgre\u00adich umset\u00adzt, ist so gro\u00df, dass es ein Wun\u00adder ist, dass wir \u00fcber\u00adhaupt noch alle leben!<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck haben wir nun den elek\u00adtro\u00adn\u00adis\u00adchen Per\u00adson\u00adalausweis, damit wird alles bess\u00ader.<\/p>\n<p>Apro\u00adpos \u201cdurch\u00adschnit\u00adtliche Intel\u00adli\u00adgenz\u201d: Gemessen an ihrer Selb\u00adst\u00addarstel\u00adlung (ihren Sta\u00adtus\u00adnachricht\u00aden) zeigen die meis\u00adten Face\u00adbooknutzer ein eher geringes Ma\u00df an kul\u00adtureller Bil\u00addung. (Von der Eige\u00adnart, ein \u201csoziales Net\u00adzw\u00aderk\u201d als tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich\u00ades Leben\u00adsum\u00adfeld zu begreifen, fange ich aus\u00adnahm\u00adsweise hier nicht zu erz\u00e4hlen an.) Etwas scheint sich allerd\u00adings dies\u00adbez\u00fcglich getan zu haben im Hause Face\u00adbook, denn dort pflegt man, glaubt man <a href=\"http:\/\/www.babyblaue-seiten.de\/album_11559.html\">Michael Hirle<\/a>, der \u00fcber irgend\u00adsoein Album der wider\u00adlichen Kopf\u00adschmerzpop\u00adper Muse schrieb, hier\u00adbei han\u00addle es sich anders, als ich mit\u00adtler\u00adweile auf der <a href=\"http:\/\/www.progrock-dt.de\">progrock-dt<\/a>-Mail\u00adingliste vorschlug, nicht um the\u00adatralis\u00adchen Tun\u00adten\u00adrock, son\u00addern um \u201cProg\u201d f\u00fcr die \u201cGen\u00ader\u00ada\u00adtion Face\u00adbook\u201d. Ver\u00admut\u00adlich soll das hei\u00dfen, dass es sich um Musik han\u00addelt, die die Ide\u00adale der fr\u00fchen Pro\u00adgres\u00adsive-Rock-<em>Szene<\/em> in ein mehr oder weniger <em>mod\u00adernes<\/em> Klangge\u00adwand zu klei\u00adden beab\u00adsichtigt (und damit meines Eracht\u00adens v\u00f6l\u00adlig scheit\u00adert), aber es wirft doch vor allem eine Frage auf:<\/p>\n<p>Bee\u00adin\u00adflusst Face\u00adbook musikalis\u00adche H\u00f6rge\u00adwohn\u00adheit\u00aden?<\/p>\n<p>Nat\u00fcr\u00adlich kann man seine eige\u00adnen momen\u00adta\u00adnen \u201cLieblingslieder\u201d dort schnell ver\u00adbre\u00adit\u00aden, aber das kann man auf Last.fm und per Instant Mes\u00adsen\u00adger schon lange. Im Fre\u00adun\u00addeskreis ist es seit Jahrzehn\u00adten \u00fcblich, sich gegen\u00adseit\u00adig die jew\u00adeils aktuelle Lieblingsmusik vorzus\u00adpie\u00adlen, bei Bedarf auch zu kopieren. Dass jemand wie Lady Gaga, wie j\u00fcngst die Presse kol\u00adportierte, 33 Mil\u00adlio\u00adnen \u201cFans\u201d \u2014 Zahl steigend \u2014 hat, zeigt daf\u00fcr um so deut\u00adlich\u00ader, dass Face\u00adbook keines\u00adfalls ein Motor f\u00fcr Musikgeschmack ist, wohl aber ein unge\u00adf\u00e4hres Abbild der Jugend<em>kul\u00adtur<\/em> darstellt. So betra\u00adchtet ergibt der Term \u201cGen\u00ader\u00ada\u00adtion Face\u00adbook\u201d auch wenig\u00adstens min\u00adi\u00admal Sinn, denn diese \u201cGen\u00ader\u00ada\u00adtion\u201d (zu mein\u00ader Zeit hat\u00adte das Wort noch etwas mit Jahrg\u00e4n\u00adgen zu tun) ist zugle\u00adich die \u201cGen\u00ader\u00ada\u00adtion YouTube\u201d, sozusagen die \u201cGen\u00ader\u00ada\u00adtion eins nach Last.fm\u201d. Musik wid\u00admen diese Men\u00adschen nicht mehr ihre volle Aufmerk\u00adsamkeit, sie dudelt neben\u00adbei, gern in Ohren bet\u00e4uben\u00adder Laut\u00adst\u00e4rke, aus qu\u00e4ki\u00adgen Ohrsteck\u00adern, sie dient nicht mehr der Entspan\u00adnung, son\u00addern der blo\u00dfen Berieselung; das jeden\u00adfalls ist meine Beobach\u00adtung, gewon\u00adnen aus etlichen Jahren der \u00d6PNV-Nutzung.<\/p>\n<p>Dass eine Musik\u00adgruppe wie Muse, die auf stumpfes 4\/4\u2011Gekloppe verzichtet und keine S\u00e4n\u00adgerin, son\u00addern einen (schreck\u00adlichen) S\u00e4nger ihr eigen nen\u00adnt, inmit\u00adten des Klanggemis\u00adches aus Justin Bieber, Lady Gaga und irgendwelchen beliebig aus\u00adtauschbaren \u201cSuper\u00adstars\u201d wie ein Fremd\u00adk\u00f6r\u00adp\u00ader, \u201cirgend\u00adwie anders\u201d eben, erscheint, ist ver\u00adst\u00e4ndlich. Was einst die Schlager ver\u00addr\u00e4ngte, schickt sich heute an, den Pop (also wiederum die Schlager) zu ver\u00addr\u00e4n\u00adgen. Als \u201cneu\u201d und \u201caufre\u00adgend\u201d wird Musik ver\u00adstanden, deren Inter\u00adpre\u00adten sich durch vierzig Jahre Musikgeschichte qu\u00e4len, weil in der ein\u00adt\u00f6ni\u00adgen Liebeslieder\u00adwelt dieser Tage Melo\u00addi\u00aden, die nicht vom dig\u00adi\u00adtal\u00aden Ton\u00adband kom\u00admen, manchem unbe\u00addarften Zeitgenossen wie die Musikrev\u00ado\u00adlu\u00adtion der sp\u00e4ten 60-er erscheint, und das lei\u00adder nicht ein\u00admal g\u00e4n\u00adzlich zu Unrecht.<\/p>\n<p>Worauf wollte ich eigentlich hin\u00adaus? Ach ja:<br>\nSo lange die \u201cGen\u00ader\u00ada\u00adtion Face\u00adbook\u201d eines Tages sich ihrer Jugend entsagt, ste\u00adht es um die Zukun\u00adft der Rock\u00admusik nicht so schlecht, wie es die mitunter im Inter\u00adnet zu find\u00aden\u00adden \u201cFace\u00adbook-Hit\u00adpa\u00adraden\u201d implizieren k\u00f6n\u00adnten; denn zwar ist in der Rock\u00admusik schon seit Jahren jedes Extrem erre\u00adicht und jede Aus\u00adsage gemacht wor\u00adden, aber vielle\u00adicht soll\u00adten das nicht ger\u00adade diejeni\u00adgen bem\u00e4n\u00adgeln, die musikalisch in den 80-ern h\u00e4n\u00adgen geblieben sind.<\/p>\n<p>Anders, wom\u00ad\u00f6glich etwas polemisch, aus\u00addr\u00fcck\u00aden kann man das nat\u00fcr\u00adlich auch so:<br>\nJede Gen\u00ader\u00ada\u00adtion bekommt die Musik, die sie ver\u00addi\u00adent.<\/p>\n<p>Muse. Grauen\u00adhaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Vorbe\u00admerkung. Ein Teil dieses Artikels han\u00addelt von der Band Muse. Muse ist eine der weni\u00adgen Musik\u00adgrup\u00adpen, die es schaf\u00adfen, mich schon bei der blo\u00dfen Erw\u00e4h\u00adnung ihres Namens erschaud\u00adern zu lassen. Zum besseren Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis ver\u00adweise ich nochmals auf die Schal\u00adl\u00ad\u00adgren\u00adzen-Rezen\u00ad\u00adsio\u00ad\u00adnen zum bish\u00ader und hof\u00adfentlich endg\u00fcltig let\u00adzten Muse-Album.) Man traut sich schon gar nicht mehr, in die \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2011\/05\/gefahr-von-oben-auch-facebookmusik\/\" class=\"more-link\">\u2018Gefahr von oben! (Auch: Face\u00adbook\u00admusik.)\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[2,8,13],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-4627","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikalisches","category-netzfundstucke","category-in-den-nachrichten"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4627"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4627\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4627"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=4627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}