{"id":45,"date":"2006-01-08T20:01:33","date_gmt":"2006-01-08T18:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/net-hoster.de\/foren\/BHT\/blog\/?p=45"},"modified":"2006-01-08T20:01:33","modified_gmt":"2006-01-08T18:01:33","slug":"das-marchen-von-der-null","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2006\/01\/das-marchen-von-der-null\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von der Null"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein\u00admal eine Null, die in der ersten Spalte ein\u00ader Matrix stand. Um sie herum standen noch viele andere Nullen. Sie waren so viele, dass der erste Spal\u00adtenvek\u00adtor ein Nul\u00adlvek\u00adtor war. Doch die Null wollte nicht mehr \u201ceine unter vie\u00adlen\u201d sein, und darum fragte sie ihren Math\u00ade\u00admatik\u00ader, ob sie nicht etwas Beson\u00adderes sein k\u00f6n\u00adnte. Doch der antwortete:<br>\n\u201cEine Null ist nun mal eine Null, du Null!\u201d<br>\nDa war die Null sehr trau\u00adrig. Sie w\u00fcn\u00adschte sich doch so sehr, ein\u00admal eine Drei zu sein, von ein\u00ader Vier wagte sie erst gar nicht zu tr\u00e4u\u00admen. Eines Tages \u2014 es hat\u00adten sich genau null Zahlen der Matrix ge\u00e4n\u00addert \u2014 war es der Null so lang\u00adweilig, dass sie sich entschloss, in die Welt zu ziehen, um einen Sum\u00adman\u00adden zu find\u00aden, der sie zu etwas machte. Doch es gab da ein Prob\u00adlem: bekan\u00adntlich fressen gro\u00dfe Sum\u00adman\u00adden die kleinen auf. So kon\u00adnte sich unsere Null h\u00f6ch\u00adstens mit ein\u00ader neg\u00ada\u00adtiv\u00aden zahl addieren. Doch neg\u00ada\u00adtiv wollte sie auch nicht sein.<\/p>\n<p>Aber die Null lie\u00df sich nicht ent\u00admuti\u00adgen, sie pack\u00adte ihre null Sachen und begab sich auf den viele Nullen lan\u00adgen Weg. Nach null beschw\u00ader\u00adlichen tagen traf die Null eine F\u00fcnf. Hun\u00adgrig rief die F\u00fcnf:<br>\n\u201cKomm\u2019 her, kleine Null, wir wollen uns addieren.\u201d<br>\n\u201cNein\u201d, sagte die Null, \u201cdann w\u00e4rst du ja immer noch eine F\u00fcnf, und ich w\u00e4re ver\u00adschwun\u00adden.\u201d<br>\nDie Null floh mit null\u00adfach\u00ader Geschwindigkeit. Tage sp\u00e4ter traf sie eine Acht. Die Acht sah friedlich aus. Also ging die Null zu ihr und gr\u00fc\u00dfte:<br>\n\u201cHey, Acht!\u201d<br>\n\u201cHi, kleine Null!\u201d<br>\n\u201cIch bin so deprim\u00adiert. Ich f\u00fch\u00adle mich wie ein Nichts.\u201d<br>\n\u201cJa, du bist auch viel zu dick. Wenn du diesen G\u00fcr\u00adtel umlegst, kannst du sein wie ich.\u201d<br>\nDie Acht legte der Null einen G\u00fcr\u00adtel um und zog ihn mit aller Kraft zusam\u00admen. Doch die Null war zu dick, bekam keine Luft mehr und fiel bewusst\u00adlos zu Boden. Als sie wieder aufwachte, sagte die Acht:<br>\n\u201cEs ist hoff\u00adnungs\u00adlos mit dir. Aus dir wird nie eine richtige Acht. Geh weg, du schadest meinem Ruf!\u201d<br>\n\u201cHey\u201d, schlug die Null vor, \u201cwir k\u00f6n\u00adnten doch zusam\u00admen eine Achtzig wer\u00adden.\u201d<br>\n\u201cNiemals! Dann w\u00e4re ich ja nicht mehr sym\u00admetrisch\u201d, antwortete die Acht. \u201cAber wir k\u00f6n\u00adnen uns addieren\u2026\u201d<br>\nDa lief die Null so schnell weg, dass sie alle ihre Vor\u00adr\u00e4te liegen lie\u00df.<\/p>\n<p>Als n\u00e4ch\u00adstes traf die Null ein Pi.<br>\n\u201cOh\u201d, sagte die Null, \u201cihr seid ja lustig, so sch\u00f6n lang und bunt. K\u00f6n\u00adnt ihr noch eine Null gebrauchen?\u201d<br>\n\u201cKlar\u201d, sagte die Drei, die zuf\u00e4l\u00adlig ger\u00adade vor dem Kom\u00adma stand, \u201cwir haben zwar schon unendlich viele Nullen, aber stell dich ein\u00adfach hin\u00adten an.\u201d<br>\nDie Null ging also los, aber Weg ans Ende vom Pi zog sich immer weit\u00ader hin, und es schien so, als w\u00fcrde sie das Ende nie erre\u00adichen. Als sie ger\u00adade die vier passierte, die an der vier\u00adhun\u00adder\u00adsten Stelle hin\u00adter dem Kom\u00adma stand, fragte sie diese:<br>\n\u201cHal\u00adlo Vier, ich suche das Ende. Die Drei da vorne sagte, ich k\u00f6nne mich hin\u00adten anstellen.\u201d<br>\nDa lachte die Vier und brachte unter Prusten her\u00advor: \u201cDu bist ja dumm. Wei\u00dft du nicht, dass wir irra\u00adtionaler\u00adweise unendlich viele sind?\u201d<br>\n\u201cAber\u201d, sagte die Null verzweifelt, \u201cdas geht doch gar nicht. Ihr seid doch nicht mal peri\u00adodisch.\u201d<br>\n\u201cBist du ein\u00adf\u00e4ltig\u201d, wun\u00adderte sich die Vier, \u201cwir irra\u00adtionalen sind doch immer unendlich und brauchen dazu keine Peri\u00adode!\u201d<br>\nDa f\u00fchlte sich die Null nichtiger als je zuvor. Nicht nur, dass sie nichts war, sie wurde noch nicht ein\u00admal ernst genom\u00admen. Au\u00dfer\u00addem fragte sie sich, ob \u2018ein\u00adf\u00e4ltig\u2019 eine Belei\u00addi\u00adgung sei, oder ob es sich um eine Auf\u00admunterung han\u00addelte, denn immer\u00adhin hat\u00adte die Vier nicht \u2019nullf\u00e4ltig\u2019 gesagt. Mit einem Funken Hoff\u00adnung begab sich die Null also weit\u00ader auf ihren beschw\u00ader\u00adlichen Weg durch die Welt der Zahlen.<\/p>\n<p>Lange Zeit irrte die Null durch die Gegend, bis sie so m\u00fcde wurde, dass sie ein\u00adschlief. In ihrem Traum traf sie eine merk\u00adw\u00fcrdi\u00adge Zahl.<br>\n\u201cWer bist du denn?\u201d, fragte die Null.<br>\n\u201cIch bin ein i\u201d, sagte die Zahl.<br>\n\u201cAber I ist doch ein Buch\u00adstabe\u201d, wun\u00adderte sich die Null. \u201cBist du etwa ein Gestalt\u00adwan\u00addler? Ich glaube man nen\u00adnt euch Vari\u00adablen.\u201d<br>\n\u201cnein, nein\u201d, behar\u00adrte die Zahl. \u201cIch bin eine Zahl! Genauer gesagt bin ich eine Zahl, die mit sich selb\u00adst mul\u00adti\u00adpliziert neg\u00ada\u00adtiv ist.\u201d<br>\n\u201cQuatsch!\u201d, dachte die Null. \u201cSo was gibt es nicht. Das ist Ein\u00adbil\u00addung, also nur eine imag\u00adin\u00e4re Zahl.\u201d<br>\nAls nun die Null nicht mehr an das i glaubte, ver\u00adschwand diese abscheuliche Zahl, und die Null wachte auf und fragte sich, wie kom\u00adplex die Welt wohl w\u00e4re, wenn es die Zahl i wirk\u00adlich g\u00e4be. Dann w\u00e4ren die Nullen ja noch ver\u00adloren\u00ader. Auf diese Weise etwas beruhigt legte sich die Null wieder hin und schlief lang und zufrieden.<\/p>\n<p>Am n\u00e4ch\u00adsten Mor\u00adgen stand die Null auf und machte sich weit\u00ader auf ihrem Weg durch die Welt. Bald traf sie eine Zehn hoch F\u00fcnf.<br>\n\u201cHal\u00adlo\u201d, sagte sie. \u201cWas seid ihr denn?\u201d<br>\n\u201cWir sind Hun\u00addert\u00adtausend\u201d, erwiderte die F\u00fcnf von oben herab.<br>\n\u201cAber eine Hun\u00addert\u00adtausend hat doch f\u00fcnf Nullen\u201d, warf die Null ein. \u201cIhr dage\u00adgen seid nur drei, und nur eine von euch ist eine Null.\u201d<br>\n\u201cKlar\u201d, erk\u00adl\u00e4rte die Eins,\u201d so sparen wir vier lang\u00adweilige Nullen und haben daf\u00fcr eine sch\u00f6ne F\u00fcnf.\u201d<br>\n\u201cGenau!\u201d, pflichtete ihr die andere Null bei. \u201cW\u00e4ren wir f\u00fcnf Nullen, dann w\u00e4re ich fast genau\u00adso lang\u00adweilig wie du, aber so bin ich etwas Einzi\u00adgar\u00adtiges und unverzicht\u00adbar.\u201d<br>\nDaraufhin protestierte unsere Null: \u201cIch bin genau\u00adso wichtig wie du! Weil ich alleine ste\u00adhe, w\u00e4re ich ohne mich keine Null mehr.\u201d<br>\n\u201cFalsch!\u201d, ent\u00adgeg\u00adnete da die F\u00fcnf. \u201cEine Null ist nichts. Eine Null ohne Null ist auch nichts. Ich wei\u00df gar nicht, warum es alle\u00adin\u00adste\u00adhende Nullen \u00fcber\u00adhaupt gibt. Das ist doch unef\u00adfek\u00adtiv.\u201d<br>\n\u201cNa gut\u201d, schrie die Null ver\u00e4rg\u00adert, \u201cvielle\u00adicht bin ich wirk\u00adlich unef\u00adfek\u00adtiv, aber ich werde schon einen Platz find\u00aden, wo ich rein\u00adpasse!\u201d<br>\nDie Null lief halb w\u00fctend, halb trau\u00adrig davon.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter traf die Null ein Unendlich.<br>\n\u201cOh!\u201d, schrie sie \u00fcber\u00adrascht auf. \u201cDu bist ja unendlich! Ich habe dich schon immer bewun\u00addert, weil du so viel darstellst.\u201d<br>\n\u201cWas redest du da?\u201d, fragte das Unendlich. \u201cIch bin doch nur dein Kehrw\u00adert, und au\u00dfer\u00addem bin ich gar keine Zahl, son\u00addern nur ein Gren\u00adzw\u00adert. Sei doch gl\u00fcck\u00adlich, dass du so klar definiert und so greif\u00adbar bist. Ich bin dage\u00adgen nur abstrakt und geh\u00f6re eigentlich \u00fcber\u00adhaupt nicht hier her\u201d, erk\u00adl\u00e4rte es und ver\u00adschwand ins hin\u00adre\u00adichend Gro\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Null ging nun weit\u00ader in die Ungewis\u00adsheit, da traf es eine kleine trau\u00adrige Null.<br>\n\u201cWarum bist du denn so trau\u00adrig?\u201d, fragte sie die Kleine.<br>\n\u201cWeil man mir gesagt hat, dass ich nichts bin\u201d, schluchzte die kleine Null.<br>\n\u201cKomm doch ein\u00adfach mit mir\u201d, schlug die gro\u00dfe Null vor. \u201cIch bin los\u00adge\u00adzo\u00adgen um her\u00adauszufind\u00aden, ob das Leben noch etwas \u00fcbrig hat f\u00fcr Nullen wie uns.\u201d<br>\nDie kleine Null willigte ein und fol\u00adgte ihrem gro\u00dfen, neuen Fre\u00adund, aber schon nach kurz\u00ader Zeit tat\u00aden der kleinen die F\u00fc\u00dfe weh.<br>\n\u201cHey, Gro\u00dfer\u201d, st\u00f6h\u00adnte sie, \u201cich kann nicht mehr. Lass uns eine Pause machen!\u201d<br>\n\u201cWir m\u00fcssen aber weit\u00ader\u201d, sagte die gro\u00dfe Null, \u201caber du wiegst ja nichts. Komm her, ich werde dich tra\u00adgen!\u201d<br>\nAlso trug die gro\u00dfe Null ihren kleinen Fre\u00adund, und sie wan\u00adderten weit\u00ader.<\/p>\n<p>Wie das Schick\u00adsal es so wollte f\u00fchrte ihr Weg vor\u00adbei an ein\u00ader Achthun\u00adder\u00adtachtun\u00addachtzig. Die bei\u00adden Nullen traut\u00aden sich kaum, n\u00e4her her\u00adanzukom\u00admen, aber da rief ein der Acht\u00aden schon von Weit\u00adem:<br>\n\u201cSeht mal, da kommt die sch\u00f6n\u00adste und gr\u00f6\u00dfte Acht, die ich je gese\u00adhen habe.\u201d<br>\n\u201cJa\u201d, stimmte die gr\u00f6\u00dfte und st\u00e4rk\u00adste der drei Acht\u00aden zu, \u201classt sie uns zu unserem Boss machen. Ich wollte schon immer eine Acht\u00adtausendachthun\u00adder\u00adtachtun\u00addachtzig sein.\u201d<br>\nSo nah\u00admen die drei Acht\u00aden unsere bei\u00adden Fre\u00adunde als vierte Achte auf. Die Nullen freuten sich nat\u00fcr\u00adlich sehr \u00fcber diese Ausze\u00adich\u00adnung und passten ihr Leben ganz dem Leben der Acht\u00aden an, nur dass sie nicht \u2014 wie alle Acht\u00aden \u2014 um acht auf\u00ads\u00adtanden, son\u00addern schon um halb acht. Sie waren auch nur halb so acht\u00adsam wie andere Acht\u00aden.<\/p>\n<p>So lebten sie gl\u00fcck\u00adlich und zufrieden, und wenn sie nicht gestor\u00adben sind, dann leben sie noch heute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein\u00admal eine Null, die in der ersten Spalte ein\u00ader Matrix stand. Um sie herum standen noch viele andere Nullen. Sie waren so viele, dass der erste Spal\u00adtenvek\u00adtor ein Nul\u00adlvek\u00adtor war. 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