{"id":3809,"date":"2011-02-18T00:26:41","date_gmt":"2011-02-17T23:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=3809"},"modified":"2016-07-13T15:27:41","modified_gmt":"2016-07-13T13:27:41","slug":"sie-fragment-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2011\/02\/sie-fragment-4\/","title":{"rendered":"Sie. (Fragment 4)"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 Als er wieder in sein kaltes, leeres Zim\u00admer zur\u00fcck\u00adkehrte, sah er sich um. An der Wand hin\u00adgen Bilder von ihr. Ihm war, als seien Jahre ver\u00adgan\u00adgen, seit er allein heimgekehrt war. Die Bilder an der Wand waren das Einzige, was er von ihr mitgenom\u00admen hat\u00adte; er h\u00e4tte, dessen war er sich sich\u00ader, <span style=\"font-style:italic\">sie<\/span> nicht zur\u00fcck\u00adlassen d\u00fcr\u00adfen. Das Wis\u00adsen darum, dass er nun hier, Hun\u00adderte von Kilo\u00adme\u00adtern von ihr ent\u00adfer\u00adnt, sa\u00df und in Erin\u00adnerun\u00adgen schwel\u00adgte, statt dort zu sein, wo er sich endlich angekom\u00admen w\u00e4h\u00adnte, lie\u00df ihn schw\u00ader\u00adm\u00fctig wer\u00adden. Jedes Mal hat\u00adte er sich vorgestellt, wie es w\u00e4re, w\u00fcrde er sie ein\u00adfach nicht mehr loslassen. \u201cL\u00e4cher\u00adlich\u201d, dachte er dann jedes Mal und wusste, dass er es gar nicht l\u00e4cher\u00adlich fand. War es nicht immer sein Traum gewe\u00adsen, endlich anzukom\u00admen, die Reise, auf der er sich fortw\u00e4hrend befand, endlich been\u00adden zu k\u00f6n\u00adnen?<\/p>\n<p>Nun aber, da er allein war und in den Gedanken an sie zu ertrinken, zu erstick\u00aden glaubte, f\u00fchlte er wieder den stechen\u00adden Schmerz der Narbe in seinem Herzen, die ihm jed\u00ader Abschied bis\u00adlang zuge\u00adf\u00fcgt hat\u00adte. Es war sinn\u00adlos, es abzus\u00adtre\u00adit\u00aden: Er war nur noch eine Sil\u00adhou\u00adette. Alles, was er zu sein glaubte, hat\u00adte er bei ihr gelassen.<\/p>\n<p>Sie beherrschte seine Tr\u00e4ume und seine Gedanken. Immer wieder hat\u00adte sie ihn gefragt, warum er sie nicht ein\u00adfach vergessen kon\u00adnte, und er hat\u00adte belan\u00adglose, nichts sagende Antworten gegeben. Er kon\u00adnte es sich ja selb\u00adst nicht erk\u00adl\u00e4ren. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesun\u00adgen hat\u00adte: <span style=\"font-style:italic\">\u201cWenn sie vor\u00adbeige\u00adht, dann scheint es wie ein Feuer\u00adw\u00aderk. Vor einem Him\u00admel ist es sie, die ich bemerk\u2019.\u201d<\/span> Er liebte sie, weil sie ihn liebte; und weil er sich endlich gebor\u00adgen f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Er hat\u00adte einen Gedanken an \u201csp\u00e4ter\u201d immer ver\u00addr\u00e4ngt; zu gro\u00df war seine Angst davor, dass er sich in Wun\u00adschtr\u00e4ume ver\u00adlieren w\u00fcrde, die \u00fcber seinem Kopf zusam\u00admen\u00adst\u00fcrzen w\u00fcr\u00adden. Zwar hat\u00adte er schon ein\u00admal daran gedacht, wie es w\u00e4re, nicht mehr allein zu leben, aber vor weit\u00ader reichende Entschei\u00addun\u00adgen hat\u00adte ihn noch keine der Frauen in seinem Leben gestellt. Dann kam <span style=\"font-style:italic\">sie<\/span>.<\/p>\n<p>Seit <span style=\"font-style:italic\">damals<\/span> war alles anders. Er hat\u00adte seinen Weg zur\u00fcck zu ihr und in ihr Herz gefun\u00adden; seine Kam\u00admer war unber\u00fchrt, sein Name stand noch an der T\u00fcr, als w\u00e4re nie etwas gewe\u00adsen. Den\u00adnoch hat\u00adte sich etwas ver\u00e4n\u00addert. Sein Leben hat\u00adte er bish\u00ader am Augen\u00adblick aus\u00adgerichtet, aber er sp\u00fcrte, dass er nun auf etwas gesto\u00dfen war, was ein\u00adma\u00adlig war. War es Schick\u00adsal, Gl\u00fcck oder Vorse\u00adhung?<\/p>\n<p>Was immer in seinem Leben noch geschehen w\u00fcrde, war ihm l\u00e4ngst egal; sein einziger Gedanke galt nur mehr ihr. Er wusste selb\u00adst nur zu gut, dass er Tr\u00e4u\u00admen allzu oft hin\u00adter\u00adher gelaufen war, aber irgen\u00addet\u00adwas ihm immer ein Bein gestellt hat\u00adte. Mit diesem Traum aber, den er nicht mehr nur tr\u00e4umte, son\u00addern l\u00e4ngst <span style=\"font-style:italic\">lebte<\/span>, sollte es nicht so enden. In einem Som\u00admer, der nur mehr blasse Erin\u00adnerung war, hat\u00adte er sich selb\u00adst geschworen, er w\u00fcrde ihn ihr erf\u00fcllen. Jet\u00adzt war es an der Zeit.<\/p>\n<p>Er ver\u00admis\u00adste es, bei ihr zu sein, ihre N\u00e4he zu sp\u00fcren.<br>\nEr ver\u00admis\u00adste es, in ihre Augen \u2014 \u201cdiese Augen!\u201d, dachte er \u2014 zu sehen.<br>\nEr ver\u00admis\u00adste <span style=\"font-style:italic\">sie<\/span>.<\/p>\n<p>Er war nicht mehr der Herr sein\u00ader Gedanken. Es war sein Herz, das sie lenk\u00adte.<br>\nUnd sein Herz wusste, was er wollte.<\/p>\n<p>Er blieb noch lange vor ihrem Bild ste\u00adhen. Tr\u00e4\u00adnen ran\u00adnen seine Wan\u00adgen hinab. Aus dem Fernse\u00adher im Wohnz\u00adim\u00admer erscholl Bonos Stimme. <span style=\"font-style:italic\">\u201cIt\u2019s a beau\u00adti\u00adful day\u2026\u201d<\/span>. Nie zuvor hat\u00adte er so wenig Freude an diesem Lied. \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 Als er wieder in sein kaltes, leeres Zim\u00admer zur\u00fcck\u00adkehrte, sah er sich um. An der Wand hin\u00adgen Bilder von ihr. 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(Frag\u00adment 4)\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[1,3],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-3809","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-persoenliches","category-lyrik"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3809"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3809\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3809"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=3809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}