{"id":2706,"date":"2010-07-08T18:29:30","date_gmt":"2010-07-08T16:29:30","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=2706"},"modified":"2010-07-08T18:34:34","modified_gmt":"2010-07-08T16:34:34","slug":"gesang-in-fremden-zungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/07\/gesang-in-fremden-zungen\/","title":{"rendered":"Gesang in fremden Zungen"},"content":{"rendered":"<p>Hal\u00adlo und willkom\u00admen zur\u00fcck, liebe Tage\u00adsor\u00add\u00adnung!<\/p>\n<p>Heute fr\u00fch hielt mich eine anre\u00adgende Diskus\u00adsion vom Schlafen ab. Sujet war das Lied\u00adschreiben im All\u00adge\u00admeinen und das Betex\u00adten der Resul\u00adtate im Speziellen.<\/p>\n<p>Warum n\u00e4m\u00adlich greifen auch nur lei\u00addlich angloglotte Musik\u00ader oft auf die englis\u00adche Sprache zur\u00fcck, wenn es darum geht, das Pro\u00addukt der eige\u00adnen Geis\u00adte\u00adsar\u00adbeit in Worte zu fassen? Eine Antwort des Mit\u00addisku\u00adtan\u00adten und der Aus\u00adl\u00f6s\u00ader f\u00fcr den eigentlichen Zwist war, weil die deutsche Sprache sich nicht zum Sin\u00adgen eigne, weil sie gle\u00adich\u00adsam weniger melodisch sei als die englis\u00adche und ein auf Deutsch ver\u00adfasstes Lied meist Schlageras\u00adsozi\u00ada\u00adtio\u00adnen wecke.<\/p>\n<p>Nun klin\u00adgen Ramm\u00adstein und Die Toten Hosen wahrlich nicht nach den Wildeck\u00ader Herzbuben, weshalb zumin\u00add\u00adest let\u00adzteres Argu\u00adment bedenken\u00adlos in das Reich der Fik\u00adtion abgeschoben wer\u00adden darf und hier nicht weit\u00ader von Belang ist, also kehre ich erst ein\u00admal vor der T\u00fcr des ersteren Argu\u00adments:<\/p>\n<p>Die englis\u00adche Sprache mag melodis\u00adch\u00ader klin\u00adgen, weil Kon\u00adso\u00adnan\u00adten bei der Aussprache meist ver\u00adschwim\u00admen, aber ist dies ein Zeichen daf\u00fcr, dass ihr Wortschatz auch bess\u00ader zu sin\u00adgen ist? Beim Gesang ist vor allem der Vor\u00adtragsstil von Bedeu\u00adtung, anschaulich wird das klar, wenn man abwech\u00adsel\u00adnd zum Beispiel Peter Ham\u00admill und Lena Ohne\u00adnach\u00adna\u00admen lauscht, was auf Dauer zwar gle\u00adicher\u00adma\u00dfen erm\u00fcdet, aber bis dahin sollte man ver\u00adstanden haben, dass die Sprache, der der Text entstammt, nur so melodi\u00f6s und <span style=\"font-style:italic\">singbar<\/span> ist wie das Tal\u00adent des Inter\u00adpre\u00adten es zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Sich\u00ader denkt manch\u00ader beim The\u00adma \u201cdeutsche Lied\u00adtexte\u201d prim\u00e4r an Schlager, aber wohl kaum jemand ver\u00admag mir stim\u00admig zu erk\u00adl\u00e4ren, was nun ein Lied, dessen Refrain \u201cIch liebe dich, komm zur\u00fcck zu <span style=\"text-decoration:line-through\">mich<\/span> mir\u201d lautet, sig\u00adnifikant von \u201cI love you, come back to me\u201d unter\u00adschei\u00addet. Warum mir ger\u00adade dieses Beispiel einge\u00adfall\u00aden ist? Ehrlich \u2014 ich wei\u00df es nicht. Aber hier haben wir doch auch schon den n\u00e4ch\u00adsten wichti\u00adgen Punkt: Lied\u00adtexte haben nicht sel\u00adten etwas mit Gef\u00fchlen zu tun, ob fik\u00adtiv oder wahrhaftig, bleibt hier\u00adbei der <a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2006\/11\/dingo-bar-dingo-bar\/\" title=\"Dingo B\u00e4r, Dingo B\u00e4r\u2026\">Absicht des Ver\u00adfassers<\/a> \u00fcber\u00adlassen. In zumin\u00add\u00adest zweit\u00aderem Fall w\u00e4re es indes reich\u00adlich t\u00f6richt, das, was die Seele sprach, zuerst in eine andere Sprache zu tran\u00adskri\u00adbieren und dabei wom\u00ad\u00f6glich noch in ein Reim- und Verss\u00adchema zu pressen. Dass dies im Englis\u00adchen oft leichter f\u00e4llt, spricht jeden\u00adfalls in meinen Augen nicht f\u00fcr den geisti\u00adgen Anspruch dieser Sprache. (Wer starke Ner\u00adven hat und noch zweifelt, der m\u00f6ge bitte den <a href=\"http:\/\/archiv.mopo.de\/archiv\/2010\/20100605\/deutschland-welt\/panorama\/fiese_plagiats_vorwuerfe_gegen_lena.html\">Lied\u00adtext von \u201cSatel\u00adlite\u201d<\/a> kon\u00adsum\u00adieren und mir anschlie\u00dfend erl\u00e4utern, wo der Unter\u00adschied zu dem beste\u00adht, was beispiel\u00adsweise im Musikan\u00adten\u00adstadl aufge\u00adf\u00fchrt wird.)<\/p>\n<p>Wer Musik betreibt, um Kohle zu schef\u00adfeln, der ist mit der Anglo\u00adphonie ver\u00admut\u00adlich gut bedi\u00adent; Texte, die das prim\u00e4re Zielpub\u00adlikum und oft auch man selb\u00adst nicht ver\u00adste\u00adht, behin\u00addern den Verkauf bekan\u00adntlich nicht. Das Pub\u00adlikum will unter\u00adhal\u00adten wer\u00adden. Scoot\u00aders Front\u00admann \u201cH.P.Baxxter\u201d \u00e4u\u00dferte ein\u00admal, er ver\u00adste\u00adhe selb\u00adst nicht so genau, was er da ins Mikro\u00adfon br\u00fcllt. Selt\u00adsames wie \u201cHyper Hyper\u201d, \u201cFuck The Mil\u00adlen\u00adni\u00adum\u201d und \u201cHow Much Is The Fish?\u201d jeden\u00adfalls verkaufte sich im deutschsprachi\u00adgen Raum bis\u00adlang nicht \u00fcbel.<\/p>\n<p>Wer Musik jedoch allein der Musik wegen betreibt, die Texte als Pro\u00addukt sein\u00ader grauen Zellen und nicht als blo\u00dfen Zier\u00adrat begreift, gar eine Botschaft (nicht unbe\u00add\u00adingt auf das Poli\u00adtis\u00adche beschr\u00e4nkt) ver\u00admit\u00adteln will, der sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein, dass von dem, was er schuf, nach der Trans\u00adla\u00adtion ins Englis\u00adche nur mehr wenig erhal\u00adten bleibt, etwaige Metaphorik und feinsin\u00adnige Ironie inbe\u00adgrif\u00adf\u00aden. Das Herz spricht nur die Mut\u00adter\u00adsprache.<\/p>\n<p>Eigentlich schade, dass es mit mein\u00ader Musik\u00aderkar\u00adriere bis\u00adlang nicht geklappt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hal\u00adlo und willkom\u00admen zur\u00fcck, liebe Tage\u00adsor\u00add\u00adnung! Heute fr\u00fch hielt mich eine anre\u00adgende Diskus\u00adsion vom Schlafen ab. Sujet war das Lied\u00adschreiben im All\u00adge\u00admeinen und das Betex\u00adten der Resul\u00adtate im Speziellen. Warum n\u00e4m\u00adlich greifen auch nur lei\u00addlich angloglotte Musik\u00ader oft auf die englis\u00adche Sprache zur\u00fcck, wenn es darum geht, das Pro\u00addukt der eige\u00adnen Geis\u00adte\u00adsar\u00adbeit in Worte zu \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/07\/gesang-in-fremden-zungen\/\" class=\"more-link\">\u2018Gesang in frem\u00adden Zun\u00adgen\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-2706","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikalisches"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2706","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2706"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2706\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2706"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=2706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}