{"id":2597,"date":"2010-06-19T16:24:53","date_gmt":"2010-06-19T14:24:53","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=2597"},"modified":"2010-06-19T18:34:26","modified_gmt":"2010-06-19T16:34:26","slug":"alter-schwede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/06\/alter-schwede\/","title":{"rendered":"Alter Schwede!"},"content":{"rendered":"<p>Ich wun\u00adderte mich schon, wieso es im deutschsprachi\u00adgen Inter\u00adnet ger\u00adade so ruhig ist; dann schaute ich zuf\u00e4l\u00adlig kurz ins 2DF und ver\u00adstand sofort:<\/p>\n<p>Die schwedis\u00adche Kro\u00adn\u00adprinzessin Vic\u00adto\u00adria heiratete heute stun\u00adden\u00adlang, eisig l\u00e4chel\u00adnd, ihren langj\u00e4hri\u00adgen Ver\u00adlobten, und neben dem Fu\u00dfvolk, das applaudierend und johlend die Stra\u00dfen Schwe\u00addens s\u00e4umte, durften auch \u201cMil\u00adlio\u00adnen\u201d an Fernse\u00adhzuschauern weltweit die Zer\u00ade\u00admonie ver\u00adfol\u00adgen, also zuse\u00adhen, wie eine Adlige einen Reichen heiratet, und all dies scheint min\u00addestens so aufre\u00adgend zu sein wie die offen\u00adbar immer noch laufende Fu\u00dfball-Welt\u00admeis\u00adter\u00adschaft.<\/p>\n<p>\u201cM\u00e4d\u00adchen\u201d, dies ver\u00adsicherte mir eine liebe Fre\u00adundin, als ich nach dem Hin\u00adter\u00adgrund f\u00fcr das Pub\u00adlikum\u00adsin\u00adter\u00adesse fragte, \u201clieben pom\u00adp\u00f6se Hochzeit\u00aden\u201d. Ja, sich\u00ader, bei der eige\u00adnen leuchtet mir dies auch noch einiger\u00adma\u00dfen ein, ist sie doch let\u00adztlich der Beginn des, so zu hof\u00adfen, sch\u00f6n\u00adsten und l\u00e4ng\u00adsten Lebens\u00adab\u00adschnittes bzw. zumin\u00add\u00adest als solch\u00ader gedacht. Warum dann aber die Pro\u00adjek\u00adtion der eige\u00adnen Sehn\u00ads\u00fcchte auf gl\u00fcck\u00adliche Paare, sich wohl dur\u00adchaus dessen bewusst, dass das eigene Leben nie auch nur ansatzweise so ausse\u00adhen wird wie das der Kro\u00adn\u00adprinzessin Vic\u00adto\u00adria?<\/p>\n<p>\u201cWenn ich gro\u00df bin, will ich Prinzessin wer\u00adden, Mama\u201d; das h\u00f6rt man nicht sel\u00adten von M\u00e4d\u00adchen noch gerin\u00adgen Alters, und, auch, wenn die Frauen\u00adbe\u00adwe\u00adgung das nicht so gern h\u00f6rt, so wer\u00adden sie noch immer erzo\u00adgen. \u201cMamas kleine Prinzessin\u201d dient Prinzessins gro\u00dfer Mama als Ersatz f\u00fcr die eigene Kind\u00adheit und Jugend (\u201cmein Kind soll es ein\u00admal bess\u00ader haben als ich\u201d, dies ist der Grund\u00adsatz viel\u00ader Eltern, und das ist auch gut und richtig so!), und es ist, auch, wenn die Frauen\u00adbe\u00adwe\u00adgung das nicht so gern h\u00f6rt, das Wesen manch\u00ader Frau, sich selb\u00adst als schmusiges, engels\u00adgle\u00adich\u00ades Wesen zu betra\u00adcht\u00aden, das doch bitte\u00adsehr hofiert wer\u00adden soll, weil auch ihr das von Kindes\u00adbeinen an so beige\u00adbracht wurde, noch resul\u00adtierend aus ural\u00adten Gegeben\u00adheit\u00aden; der Mann n\u00e4m\u00adlich zieht durch die W\u00e4lder und jagt, w\u00e4hrend die Frau zu Hause am w\u00e4r\u00admenden Feuer sitzt und den Nach\u00adwuchs pflegt. Zugegeben, so <span style=\"font-style:italic\">span\u00adnend<\/span> wie das Leben als Prinzessin, die den ganzen Tag durch das Land reist, gezwun\u00adgen fr\u00f6h\u00adlich winkt und anson\u00adsten in ihrem gold\u00ade\u00adnen Luftschloss dahin\u00adveg\u00adetiert, ist das augen\u00adschein\u00adlich nicht, aber let\u00adztlich hat sich an dieser Rol\u00adlen\u00adverteilung trotz aller Gle\u00adich\u00adstel\u00adlungs\u00adma\u00df\u00adnah\u00admen und Sta\u00adtis\u00adtiken bis heute nur wenig ge\u00e4n\u00addert.<\/p>\n<p>Dass man selb\u00adst, wenn man diese klas\u00adsis\u00adchen Rol\u00adlen\u00adbilder zu \u00fcber\u00adwinden ver\u00admag, indes jemals <span style=\"font-style:italic\">gl\u00fcck\u00adlich<\/span> wer\u00adden kann, wenn man fortw\u00e4hrend die Sehn\u00adsucht hegt, ein Leben wie die <span style=\"font-style:italic\">Reichen und Sch\u00f6\u00adnen<\/span> zu f\u00fchren, bezwei\u00adfle ich. (Sollte man das wollen?) Woher dieser Masochis\u00admus, dieses gepflegte Wis\u00adsen um die eigene Unvol\u00adlkom\u00admen\u00adheit und rel\u00ada\u00adtive Armut? Weshalb m\u00f6chte sich manch\u00ader Men\u00adsch st\u00e4ndig darauf besin\u00adnen, eben kein Thron\u00adfol\u00adger mit Mil\u00adlio\u00adnen auf dem Kon\u00adto, einem eige\u00adnen Palast, einem \u00c4ffchen und einem Pferd zu sein, son\u00addern <span style=\"font-style:italic\">schreck\u00adlich gew\u00f6hn\u00adlich<\/span>, wenn doch jeden\u00adfalls mir und sich\u00ader auch vie\u00adlen anderen Men\u00adschen das Gew\u00f6hn\u00adliche weit n\u00e4her liegt als das Extrav\u00ada\u00adgante, sofern es <span style=\"font-style:italic\">nur<\/span> Anmut und W\u00fcrde sein Eigen nen\u00adnt? Wahres Gl\u00fcck braucht keine jubel\u00adnden Massen, es bedarf nur zweier Lieben\u00adder und ein\u00ader gemein\u00adsamen Rich\u00adtung.<\/p>\n<p>Auch in dem Wis\u00adsen, dass nur wenige Frauen, die diesen Text hier jemals lesen, sich um meine Ratschl\u00e4ge scheren wer\u00adden, so meine ich den\u00adnoch: Die sch\u00f6n\u00adste Hochzeit im ganzen Leben sollte stets die eigene bleiben. Wer immer nur nach frem\u00adden Tr\u00e4u\u00admen greift, dem wird der eigene nie erf\u00fcllt wer\u00adden.<\/p>\n<p>(Und selb\u00adst dann nicht unbe\u00add\u00adingt; ach.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wun\u00adderte mich schon, wieso es im deutschsprachi\u00adgen Inter\u00adnet ger\u00adade so ruhig ist; dann schaute ich zuf\u00e4l\u00adlig kurz ins 2DF und ver\u00adstand sofort: Die schwedis\u00adche Kro\u00adn\u00adprinzessin Vic\u00adto\u00adria heiratete heute stun\u00adden\u00adlang, eisig l\u00e4chel\u00adnd, ihren langj\u00e4hri\u00adgen Ver\u00adlobten, und neben dem Fu\u00dfvolk, das applaudierend und johlend die Stra\u00dfen Schwe\u00addens s\u00e4umte, durften auch \u201cMil\u00adlio\u00adnen\u201d an Fernse\u00adhzuschauern weltweit die Zer\u00ade\u00admonie \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/06\/alter-schwede\/\" class=\"more-link\">\u2018Alter Schwede!\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-2597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstiges"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2597"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2597\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2597"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=2597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}