{"id":2542,"date":"2010-06-05T08:00:34","date_gmt":"2010-06-05T06:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=2542"},"modified":"2016-07-13T15:27:16","modified_gmt":"2016-07-13T13:27:16","slug":"sie-fragment-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/06\/sie-fragment-3\/","title":{"rendered":"Sie. (Frag\u00adment 3)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style:italic\">(Ihr gewid\u00admet.)<\/span><\/p>\n<p>\u2026 Als er erwach\u00adte, hat\u00adte sich sei\u00adne Welt ver\u00ad\u00e4n\u00addert. M\u00fch\u00adsam \u00f6ff\u00adne\u00adte er sei\u00adne tr\u00e4\u00adnen\u00adnas\u00adsen Augen und blick\u00adte sich um. Aber es war doch alles wie immer?<\/p>\n<p>Nein, etwas war anders. Durch sei\u00adnen Kater schien lang\u00adsam die Erin\u00adne\u00adrung. Er hat\u00adte wie\u00adder ein\u00admal ver\u00adsagt. Dabei schien zum ersten Mal in sei\u00adnem Leben alles so per\u00adfekt!<\/p>\n<p>Vor Jah\u00adren noch, als er Suchen\u00adder war, sich l\u00e4ngst noch nicht ange\u00adkom\u00admen w\u00e4hn\u00adte, lern\u00adte er sie ken\u00adnen. Sie wirk\u00adte zart, gar zer\u00adbrech\u00adlich. Sie war auf eine geheim\u00adnis\u00advol\u00adle Art ver\u00adschlos\u00adsen, bei\u00adna\u00adhe abwei\u00adsend, und den\u00adnoch zog sie ihn magisch an. Schon damals hat\u00adte er sich in sie ver\u00adliebt. Die Chan\u00adce jedoch, die sie ihm gew\u00e4hr\u00adte, ver\u00adgab er in jugend\u00adli\u00adchem \u00dcber\u00adschwang.<\/p>\n<p>Er war sich bewusst gewe\u00adsen, dass es nicht leicht wer\u00adden w\u00fcr\u00adde, ihre Lie\u00adbe zu gewin\u00adnen; den\u00adnoch hat\u00adte es ihm einen Schlag ver\u00adsetzt, als sie ihm zu ver\u00adste\u00adhen gab, dass die\u00adse Lie\u00adbe unm\u00f6g\u00adlich eine Chan\u00adce haben w\u00fcr\u00adde. Dass sie <span style=\"font-style:italic\">ihn<\/span> nicht woll\u00adte, konn\u00adte er kaum glau\u00adben; zumal er in den fol\u00adgen\u00adden Mona\u00adten betr\u00fcbt, aber hilf\u00adlos sehen muss\u00adte, dass sie schnell Ersatz fand. Trotz alle\u00addem konn\u00adte und woll\u00adte er sie nicht ver\u00adges\u00adsen, auch wenn er ihr gegen\u00ad\u00fcber in der fol\u00adgen\u00adden Zeit sei\u00adnem Miss\u00admut und sei\u00adner Ent\u00adt\u00e4u\u00adschung \u2013 oder war es blo\u00ad\u00dfe Eifer\u00adsucht? \u2013 deut\u00adlich Aus\u00addruck ver\u00adlie\u00adhen hat\u00adte. Er hat\u00adte nichts zu ver\u00adlie\u00adren, er hat\u00adte sie schon ver\u00adlo\u00adren, bevor er sie jemals gewon\u00adnen hat\u00adte. Wom\u00f6g\u00adlich f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>\u00dcber sechs Jah\u00adre waren seit\u00addem ver\u00adgan\u00adgen, in denen er sie fast aus den Augen ver\u00adlo\u00adren, nie aber ver\u00adges\u00adsen hat\u00adte. Viel hat\u00adte sich ge\u00e4n\u00addert; nicht nur bei ihm, auch bei ihr. Dass er sie wie\u00adder\u00adse\u00adhen w\u00fcr\u00adde, kam uner\u00adwar\u00adtet, aber es stand unter einem ande\u00adren Stern. Sie bei\u00adde waren nicht mehr auf der Suche, sie f\u00fchl\u00adten sich l\u00e4ngst schon gefan\u00adgen in der Lee\u00adre, in der sie nun\u00admehr steck\u00adten. Was pas\u00adsie\u00adren w\u00fcr\u00adde, war ihnen vor\u00adher nicht klar. Er hat\u00adte Angst gehabt, sich wie\u00adder auf etwas ein\u00adzu\u00adlas\u00adsen, was ihn \u00fcber\u00adfor\u00addern w\u00fcr\u00adde. Er hat\u00adte sie zu oft, zu lan\u00adge ver\u00adletzt; das woll\u00adte er nicht wie\u00adder ris\u00adkie\u00adren. Und doch war es schon wie\u00adder pas\u00adsiert: Er hat\u00adte sich aufs Neue in sie ver\u00adliebt. Sie war noch immer so scheu und zer\u00adbrech\u00adlich wie damals, doch dies\u00admal war ein Ende nicht abzu\u00adse\u00adhen.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal wuss\u00adte er, wo er war und was er woll\u00adte; nach all den Jah\u00adren stand f\u00fcr ihn end\u00adlich fest, wof\u00fcr er leb\u00adte. H\u00e4t\u00adte er, in irgend\u00adei\u00adnem Dia\u00adlog nach sei\u00adnem Leben gefragt, einen Zeit\u00adpunkt ange\u00adben sol\u00adlen, an dem er <span style=\"font-style:italic\">gl\u00fcck\u00adlich<\/span> war, er h\u00e4t\u00adte ohne Zwei\u00adfel jede Minu\u00adte her\u00adaus\u00adneh\u00admen k\u00f6n\u00adnen, die er mit ihr ver\u00adbrach\u00adte, und er h\u00e4t\u00adte sei\u00adne Wahl nicht bereut. Die Aus\u00adsicht auf ein Leben mit ihr gab ihm wie\u00adder neu\u00aden Lebens\u00admut. In jeder freie Minu\u00adte, in der sie nicht mit\u00adein\u00adan\u00adder spra\u00adchen, setz\u00adte er alles dar\u00adan, sie bald wie\u00adder\u00adse\u00adhen zu k\u00f6n\u00adnen. W\u00fcr\u00adde jemals ein Lexi\u00adkon\u00adher\u00adstel\u00adler einen Arti\u00adkel \u00fcber \u201ePaar, gl\u00fcck\u00adli\u00adches\u201c bebil\u00addern wol\u00adlen, so dach\u00adte er im Stil\u00adlen, so w\u00fcr\u00adde ihrer bei\u00adder Kon\u00adter\u00adfei bald dort zu sehen sein.<\/p>\n<p>Doch \u00fcber all dem Gl\u00fcck prang\u00adten noch immer die Ereig\u00adnis\u00adse aus der Zeit, bevor sie sich getrof\u00adfen hat\u00adten. So fest er sie auch zu hal\u00adten ver\u00adsuch\u00adte, so nahe sie sich auch waren, so unheil\u00adbar klaff\u00adten doch die alten Wun\u00adden, die er einst auf\u00adriss, in ihrem Her\u00adzen.<\/p>\n<p>Er hat\u00adte ihr ver\u00adspro\u00adchen, sich nicht nur wegen l\u00e4ngst ver\u00adgan\u00adge\u00adner und ver\u00adge\u00adbe\u00adner Feh\u00adler an ihr r\u00e4chen zu wol\u00adlen. Er woll\u00adte sie nicht ver\u00adlet\u00adzen; das hat\u00adte er zu lan\u00adge getan. F\u00fcr ihn war sie kein Spiel, sie war l\u00e4ngst sein Leben. Nun aber hat\u00adte sie den Spie\u00df umge\u00addreht. Sach\u00adte, doch bestimmt zog sie die Mau\u00ader zwi\u00adschen ihnen wie\u00adder hoch, lie\u00df ihn ver\u00adzwei\u00adfelt, doch letzt\u00adlich erfolg\u00adlos ver\u00adsu\u00adchen, eine T\u00fcr hin\u00adein\u00adzu\u00adstem\u00admen. W\u00e4hn\u00adte er sich soeben noch im Gl\u00fccks\u00adrausch, so fiel er nun in ein nicht enden wol\u00adlen\u00addes Loch. Sie\u00adben Wor\u00adte allein lie\u00ad\u00dfen sei\u00adne Tr\u00e4u\u00adme zer\u00adplat\u00adzen; das Luft\u00adschloss, in dem er mit ihr leben woll\u00adte, st\u00fcrz\u00adte \u00fcber ihm zusam\u00admen. <span style=\"font-style:italic\">All the homes that we were buil\u00adding, we never lived in, could be bet\u00adter, should be bet\u00adter les\u00adsons in love.<\/span><\/p>\n<p>Das hat\u00adte er, des\u00adsen war er sich bewusst, allein sich selbst zuzu\u00adschrei\u00adben. Die\u00adse eine, wom\u00f6g\u00adlich letz\u00adte Chan\u00adce hat\u00adte er sich schon Jah\u00adre zuvor zer\u00adst\u00f6rt; und selbst, wenn es noch eine geben soll\u00adte, w\u00fcr\u00adde auch sie an den Wor\u00adten zer\u00adschel\u00adlen, die er noch in sei\u00adnem alten Leben \u2013 in dem ohne sie \u2013 unbe\u00addacht aus\u00adge\u00adspro\u00adchen hat\u00adte. Es war sinn\u00adlos. Mit dem Stift auf sei\u00adnem Schreib\u00adtisch kra\u00adkel\u00adte er, ohne zu wis\u00adsen, was er tat, eini\u00adge Zei\u00adlen in sein Notiz\u00adbuch:<\/p>\n<p><span style=\"font-style:italic\">Zer\u00adbro\u00adche\u00adne Tr\u00e4u\u00adme<br>\nEin Leben aus Glas<br>\nJah\u00adre aus Rauch<br>\nVer\u00adtan, ver\u00adpasst<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-style:italic\">Zukunfts\u00adgl\u00fcck<br>\nAus und vor\u00adbei<br>\nDie gro\u00ad\u00dfe Lie\u00adbe<br>\nVer\u00adpufft im Nichts<\/span><\/p>\n<p>Er leg\u00adte den Stift zur Sei\u00adte. Vor ihm stand ihr Bild; soll\u00adte es nur noch ein Relikt blei\u00adben? Er f\u00fchl\u00adte sich wie\u00adder leer und son\u00adder\u00adbar allein. Die\u00adse Schram\u00admen w\u00fcr\u00adden ihm f\u00fcr den Rest sei\u00adnes Lebens blei\u00adben. \u201eDen Rest mei\u00adnes Lebens\u201c dach\u00adte er und l\u00e4chel\u00adte gequ\u00e4lt. So konn\u00adte es nicht wei\u00adter\u00adge\u00adhen. Etwas muss\u00adte gesche\u00adhen. \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ihr gewid\u00admet.) \u2026 Als er erwach\u00adte, hat\u00adte sich sei\u00adne Welt ver\u00ad\u00e4n\u00addert. M\u00fch\u00adsam \u00f6ff\u00adne\u00adte er sei\u00adne tr\u00e4\u00adnen\u00adnas\u00adsen Augen und blick\u00adte sich um. Aber es war doch alles wie immer? Nein, etwas war anders. Durch sei\u00adnen Kater schien lang\u00adsam die Erin\u00adne\u00adrung. Er hat\u00adte wie\u00adder ein\u00admal ver\u00adsagt. Dabei schien zum ersten Mal in sei\u00adnem Leben alles so per\u00adfekt! \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/06\/sie-fragment-3\/\" class=\"more-link\">\u2018Sie. 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