{"id":2273,"date":"2010-04-20T13:57:13","date_gmt":"2010-04-20T11:57:13","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=2273"},"modified":"2010-04-20T13:58:29","modified_gmt":"2010-04-20T11:58:29","slug":"stehen-bleiben-bose-gucken-weitergehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/04\/stehen-bleiben-bose-gucken-weitergehen\/","title":{"rendered":"Stehen bleiben, b\u00f6se gucken, weitergehen"},"content":{"rendered":"<p>Ein nicht unin\u00adter\u00ades\u00adsantes Ph\u00e4nomen, auf das man als mehr oder min\u00adder regelm\u00e4\u00dfiger Kunde der \u00f6ffentlichen Verkehrs\u00adbe\u00adtriebe mitunter st\u00f6\u00dft, bet\u00adrifft das zuse\u00adhends eige\u00adnar\u00adtigere Ver\u00adhal\u00adten von Reisewil\u00adli\u00adgen mit steigen\u00addem Alter.<\/p>\n<p>Die meis\u00adten \u00f6ffentlichen Verkehrsmit\u00adtel sind so gebaut, dass in ein\u00ader Sitzrei\u00adhe mehrere Per\u00adso\u00adn\u00aden mit\u00adsamt ihrem Gep\u00e4ck Platz find\u00aden k\u00f6n\u00adnen. Sitzt nun ein Men\u00adsch allein in ein\u00ader solchen Rei\u00adhe, so ist es ein Leicht\u00ades, neben ihm und mitunter auch ihm gegen\u00fcber noch einen Sitz\u00adplatz zu find\u00aden. Nun neigt der Jung\u00admen\u00adsch dieser Tage dazu, die neben ihm ggf. freien Sitz\u00adpl\u00e4tze mit seinem Besitz (der Schul\u00adtasche und\/oder \u00e4hn\u00adlichem) zu bele\u00adgen, so dass das unkom\u00admen\u00adtierte Set\u00adzen nicht mehr wie eine Selb\u00adstver\u00adst\u00e4ndlichkeit erscheint.<\/p>\n<p>Drei Meth\u00ado\u00add\u00aden der Mit\u00admen\u00adschen, solchem zu begeg\u00adnen, kon\u00adnte ich bis\u00adlang aus\u00admachen:<\/p>\n<p>Am h\u00e4u\u00adfig\u00adsten vertreten sind diejeni\u00adgen Per\u00adso\u00adn\u00aden, die sich zu sch\u00e4\u00admen scheinen, \u00fcber\u00adhaupt in n\u00e4heren Kon\u00adtakt mit anderen Men\u00adschen zu ger\u00adat\u00aden. Ist ein einziger Platz in ein\u00ader zwei bis vier Pl\u00e4tze umfassenden Sitz\u00adgruppe von ein\u00ader Per\u00adson belegt, so nehmen sie das zur Ken\u00adnt\u00adnis, aber sie scheuen \u2014 zumal, wenn der bere\u00adits dort Sitzende deut\u00adlich unter 30 Jahren alt ist \u2014 jegliche Kom\u00admu\u00adnika\u00adtion und bele\u00adgen, sofern man ihnen nicht selb\u00adst\u00adt\u00e4tig zu ver\u00adste\u00adhen gibt, dass sie als Sitz\u00adpart\u00adner willkom\u00admen w\u00e4ren, lieber \u00fcber die gesamte Fahrt\u00addauer einen Steh\u00adplatz. Dies sind mir die lieb\u00adsten Mit\u00admen\u00adschen: Sie bel\u00e4sti\u00adgen mich nicht w\u00e4hrend der Fahrt, indem sie neben mir speisen, tele\u00adfonieren oder ihre Zehen\u00adn\u00e4gel schnei\u00adden.<\/p>\n<p>Es gibt auch solcher\u00adlei Gestal\u00adten, die zwar kommunikations\u2011, nicht jedoch men\u00adschen\u00adscheu sind. Erblick\u00aden sie einen nicht von einem Men\u00adschen belegten Platz, so hegen sie keine Bedenken, ob es unter Umst\u00e4n\u00adden einen Sinn hat, wenn der Platz neben ihm teil\u00adweise zur Lagerung ein\u00ader prall gef\u00fcll\u00adten Jack\u00aden\u00adtasche, ein\u00ader Einkauf\u00adst\u00fcte oder \u00e4hn\u00adlichem ver\u00adwen\u00addet wird. Sie schauen ver\u00e4chtlich, schnaufen wie zum Beleg daf\u00fcr, dass sie die Sitzgele\u00adgen\u00adheit drin\u00adgend ben\u00f6ti\u00adgen, damit nicht min\u00addestens ein Ungl\u00fcck geschieht, und lassen sich, ohne R\u00fcck\u00adsicht auf eventuelle Ver\u00adluste, auf den Lager\u00adplatz fall\u00aden, nur sel\u00adten begleit\u00adet von dem eher unh\u00f6flich for\u00admulierten Hin\u00adweis, dass man sich zu set\u00adzen gedenkt; <span style=\"font-style:italic\">Sitze sind nur f\u00fcr Men\u00adschen<\/span>, man m\u00f6ge nur schnell genug eventuelles Gefahrgut von der Lan\u00adde\u00adbahn r\u00e4u\u00admen. Empirische Stu\u00addi\u00aden haben gezeigt, dass Men\u00adschen, die dieser Per\u00adso\u00adn\u00aden\u00adgruppe ange\u00adh\u00f6ren, sich fast durch\u00adweg durch auf\u00adfal\u00adl\u00adend viel K\u00f6r\u00adper\u00admasse und\/oder \u2011geruch ausze\u00adich\u00adnen, was es ger\u00adade bei steigen\u00adden Tem\u00adper\u00ada\u00adturen nicht unbe\u00add\u00adingt angenehmer macht, neben ihnen sein Dasein zu fris\u00adten.<\/p>\n<p>Gle\u00adich\u00adsam zur Ver\u00ads\u00f6h\u00adnung hat die Gesellschaft indes Per\u00adso\u00adn\u00aden ein\u00ader drit\u00adten Art her\u00adanwach\u00adsen lassen, die sich wed\u00ader als men\u00adschen- noch als kom\u00admu\u00adnika\u00adtion\u00adsaver\u00adsiv erweisen. Sehen sie einen freien Platz neben oder gegen\u00fcber einem Pas\u00adsagi\u00ader, so nehmen sie bere\u00aditwillig das Gespr\u00e4ch mit ihm (dem Pas\u00adsagi\u00ader, nicht dem Platz) auf, indem sie den Wun\u00adsch nach Gemein\u00adschaft aus\u00addr\u00fcck\u00aden. Nur wenige dieser Per\u00adso\u00adn\u00aden sind mir nicht willkom\u00admen; meist sind es jene, die, im Rentenal\u00adter ange\u00adlangt, ihre eige\u00adnen k\u00f6r\u00adper\u00adlichen Beschw\u00ader\u00adden f\u00fcr gr\u00f6\u00dfer eracht\u00aden als es die ander\u00ader Men\u00adschen je sein k\u00f6n\u00adnten. Sie bewe\u00adgen sich <span style=\"font-style:italic\">betont langsam<\/span> auf die eigene Sitzrei\u00adhe zu und sprechen, w\u00e4hrend sie bere\u00adits den Set\u00adzvor\u00adgang ein\u00adleit\u00aden, etwa: \u201cWenn ich mich hier mal hin\u00adset\u00adzen d\u00fcrfte\u2026\u201d, und bis sie aussteigen, was erfahrungs\u00adgem\u00e4\u00df, qua\u00adsi noch ver\u00adst\u00e4rkt durch den ver\u00adbre\u00adit\u00adeten Senioren\u00adduft nach Mot\u00adtenkugeln bzw. K\u00f6l\u00adnisch Wass\u00ader, qu\u00e4lend lange dauern kann, schauen sie beina\u00adhe angewidert auf den Sitz\u00adnach\u00adbarn hinab, der es tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich gewagt hat, einen Platz belegt zu haben; wo es doch schon schw\u00ader genug ist im Alter und die Rente und ach, die Jugend von heute. Man f\u00fchlt sich, von einem solchen Blick getrof\u00adfen, dann doch nicht allzu schlecht, noch mit dem \u201cdie Jugend von heute\u201d-Blick verse\u00adhen zu wer\u00adden, ist man erst ein\u00admal in einem Alter ange\u00adlangt, in dem man sich selb\u00adst nicht mehr ohne Weit\u00aderes zur Jugend z\u00e4hlen w\u00fcrde. Abge\u00adse\u00adhen von diesen welt\u00adfrem\u00adden Greisen geh\u00f6ren zur drit\u00adten Gat\u00adtung nahezu aus\u00adnahm\u00ads\u00adlos Schulkinder, junge Erwach\u00adsene und \u00e4hn\u00adlich unschlimme Per\u00adso\u00adn\u00aden. Sie set\u00adzen eine fre\u00adundliche Miene auf die tr\u00fcben Gesicht\u00adsz\u00fcge, wenn sie ihren Sitzwun\u00adsch zu ver\u00adste\u00adhen geben, und ver\u00adhal\u00adten sich f\u00fcr den Rest der Fahrt meist still. Da sie, anders als Erst\u00adge\u00adnan\u00adnte, auch das eigene Gewis\u00adsen von der qu\u00e4len\u00adden Pein, jeman\u00adden davon abge\u00adhal\u00adten zu haben, w\u00e4hrend der Fahrt ste\u00adhen zu <span style=\"font-style:italic\">m\u00fcssen<\/span>, frei hal\u00adten, sind auch sie mir recht willkom\u00admen.<\/p>\n<p>Aber man kann es sich lei\u00adder nur schw\u00ader\u00adlich aus\u00adsuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein nicht unin\u00adter\u00ades\u00adsantes Ph\u00e4nomen, auf das man als mehr oder min\u00adder regelm\u00e4\u00dfiger Kunde der \u00f6ffentlichen Verkehrs\u00adbe\u00adtriebe mitunter st\u00f6\u00dft, bet\u00adrifft das zuse\u00adhends eige\u00adnar\u00adtigere Ver\u00adhal\u00adten von Reisewil\u00adli\u00adgen mit steigen\u00addem Alter. 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